BYD Seal Elektro-Limousine
Das kostet der Model-3-Konkurrent

Der chinesische Hersteller BYD hat sich eine elektrifizierte Zukunft verordnet und ist auch in Deutschland gestartet. Teil der Offensive ist der Seal, der inzwischen in Deutschland erhältlich ist.

Immer mehr Autohersteller schwören dem Verbrennungsmotor ab. Dieser Trend lässt sich nicht nur in Europa, den USA oder Japan beobachten. Auch die chinesischen Marken sehen ihre Zukunft verstärkt in elektrifizierten Antrieben. Der Riesenkonzern BYD (Build Your Dreams), der seit dem vergangenen Jahr auch in Europa aktiv ist, hat bereits 2021 angekündigt, nach und nach klassisch angetriebene Modelle ausrangieren zu wollen. An ihre Stelle werden Plug-in-Hybride und reine Elektrofahrzeuge treten. Der neue Seal soll eines der Zugpferde dieser Strategie sein.

Der große E-Ratgeber

Wer nun denkt: "Nanu, der kommt mir irgendwie bekannt vor!", liegt nicht so falsch. In der gesamten Linienführung und hinsichtlich der Proportionen erkennen wir klar das Tesla Model 3 als Vorbild wieder. Der recht kurze Vorderwagen, die hinten fließend nach unten sinkende Dachpartie und das Stummelheck mit der Abrisskante hätte so auch aus der Feder des Tesla-Designchefs Franz von Holzhausen stammen können. Hinzu kommt vorn eine Prise Porsche Taycan sowie Kia EV6. An den Flanken erkennen wir einen Hauch Hyundai und bündig in die Karosserie integrierte Türöffner. Das ergibt generell ein stimmiges, gefälliges und windschlüpfiges (cw-Wert 0,219) Ganzes, das jedoch nicht besonders kreativ erscheint.

Etwas größer als das Tesla Model 3

Der BYD Seal ist 4,80 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,46 Meter hoch; der Radstand beträgt 2,92 Meter. Damit ist er etwas größer als der designierte Hauptkonkurrent Tesla Model 3, der in der Länge 4,69 Meter misst und auch in allen anderen Richtungen etwas kompaktere Maße aufweist. In der BYD-Modellhierarchie ordnet sich der Seal damit unterhalb des Han ein (siehe Video nach dem ersten Absatz), den die Chinesen als Model-S-Konkurrenten positionieren und der bereits in Deutschland erhältlich ist.

Der Seal ist die Weiterentwicklung der Konzeptstudie Ocean-X, die BYD im September 2021 vorgestellt hatte. Mit ihr und dem technisch eng verwandten Han hat der Mischkonzern seine neue "E-Platform 3.0" eingeführt, die natürlich auch das Serienauto nutzt und die der Hersteller künftig ebenfalls anderen Marken anbieten möchte. Die neue Elektroauto-Plattform deckt beim Laden mit Gleichstrom ein Spektrum von 420 bis 750 Volt ab. Die maximale Ladeleistung beträgt 150 Kilowatt, womit sich die Batterie in 26 Minuten von 30 auf 80 Prozent Ladestand bringen lassen soll. Der BYD Seal kann aber auch Strom an externe Geräte abgeben, und zwar mit bis zu drei kW.

Mit LFP- und "Cell to Body"-Akku

Teil der neuen Fahrzeugarchitektur ist ein kobaltfreier Lithium-Eisenphosphat-Akku mit besonders hoher Energiedichte, von BYD "Blade Battery" genannt. Mit seinem 82 Kilowattstunden großen Stromspeicher folgt der Seal als erstes BYD-Modell dem "Cell to Body"-Konzept; er ist also mit seiner Aluminium-Wabenstruktur als tragendes Bauteil in das Chassis des Seal integriert. Dadurch soll er im Vergleich zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien besser gegen äußere Einflüsse, beispielsweise bei Unfällen, geschützt sein und eine optimierte Torsionssteifigkeit aufweisen.

08/2022, BYD Seal Elektro-Limousine
BYD (Build Your Dreams)
Den technischen Unterbau für den Seal liefert BYDs "E-Platform 3.0".

BYD bietet den Seal in zwei Antriebs-Konfigurationen an. Als Basisversion funktioniert ein Hecktriebler, dessen Elektromotor 230 kW (313 PS) leistet und der in 5,9 Sekunden von Null auf Hundert sprinten kann. Seine WLTP-Reichweite beträgt 570 Kilometer. Ist an der Vorderachse eine weitere E-Maschine verbaut, steigt die Gesamt-Power auf 390 kW (530 PS) und wird der Seal zum Allradler. Entsprechend schneller – 3,8 Sekunden von null auf hundert km/h – beschleunigt er, ist aber auch die Energie aufgebraucht (520 Kilometer WLTP-Reichweite). Die Höchstgeschwindigkeit beider Modellvarianten liegt bei 180 km/h.

Mit Adaptiv-Fahrwerk und Torque Vectoring

BYD rüstet seinen Model-3-Konkurrenten rundum mit 19-Zoll-Rädern sowie mit einem adaptiven Fahrwerk aus. Vorn verfügt der Seal über Doppelquerlenker und hinten über eine Fünflenker-Achse. Die Gewichtsverteilung zwischen beiden Achsen soll das ideale Verhältnis von 50:50 aufweisen. Es gibt vier Fahrmodi: Eco, Normal, Sport und Schnee. Obendrein spendieren die Chinesen ein Torque-Vectoring-System namens ITAC.

Innen bietet der BYD Seal Platz für fünf Personen, über deren Köpfen sich ein Panorama-Schiebedach ausbreitet. Zu den beiden Kofferräumen mit vorn 53 Litern und hinten 402 Litern Fassungsvermögen gesellen sich mehr als 20 Ablageflächen im Interieur. Smartphones lassen sich kabellos in zwei Ladeschalen mit Energie versorgen. Vorn gibt es elektrisch einstell- sowie beheiz- und belüftbare Sportsitze.

Mit drehbarem Zentral-Monitor

Die Cockpit-Landschaft des BYD Seal präsentiert zwei Monitore: Ein 10,25-Zoll-Instrumenten-Display hinter dem Lenkrad und einen zentralen 15,6-Zoll-Touchscreen, der drehbar ist. Das Elektroauto lässt sich mit Sprachbefehlen kommandieren sowie over-the-air updaten und bietet Smartphone-Konnektivität über Android Auto und Apple Carplay. Das Soundsystem von Dynaudio arbeitet mit zwölf Lautsprechern. In Sachen Assistenzsysteme greift der BYD Seal auf die Architektur Drive Hyperion von Nvidia zurück. Das Paket ist bereits serienmäßig sehr umfangreich bestückt.

Seit August 2022 ist der BYD Seal auf dem chinesischen Markt erhältlich. Ziemlich genau ein Jahr später steht er auch bei den deutschen Händlern in den Schauräumen. Die Preise auf dem hiesigen Markt beginnen bei 44.900 Euro (brutto) für die aktuelle Basisversion mit dem Beinamen "Design". Damit qualifiziert sich das Modell für die komplette E-Auto-Förderung in Deutschland, bei der der Staat 4.500 Euro netto zuschießt. Der besser ausgestattete BYD Seal Excellence kostet mindestens 50.990 Euro. In seiner Heimat ist der Seal deutlich günstiger und bereits zu Tarifen zwischen 212.800 und 289.800 Yuan (aktuell umgerechnet etwa 28.200 bis 38.500 Euro) verfügbar.

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Fazit

Nach SUV kommen mehr und mehr Limousinen mit Elektroantrieb, auch aus China. Der BYD Han ist bereits in Deutschland auf dem Markt. Auf Basis der von ihm genutzten neuen Plattform kommt nun der etwas kleinere Seal, der dem Tesla Model 3 erstaunlich ähnlich sieht, nach Europa. Auch preislich schenken sich die beiden Konkurrenten fast nichts. In ihren Basisversionen qualifizieren sie sich aktuell in vollem Umfang für die deutsche E-Auto-Förderung.