Ford F-150 Lightning und Ford Bronco
Weniger E-Pick-ups, mehr Broncos

Die Nachfrage nach dem Elektro-Pick-up F-150 Lightning bricht ein. Trotzdem will Ford das Personal in dessen Werk deutlich aufstocken. Der Ausweg? Verbrenner-Modelle!

Ford Bronco Produktion Fertigung Michigan Assembly Plant Wayne USA
Foto: Ford Motor Company

Bereits kurz nach der Markteinführung im April 2022 hatte Ford die Preise für seinen elektrischen Pick-up F-150 Lightning von Anfangs unter 50.000 Dollar schrittweise massiv erhöht. Hohe Materialkosten und Lieferengpässe führte der Hersteller als Gründe an – weitere Faktoren waren sicher auch die hohe Nachfrage und die Konkurrenzlosigkeit. Weder Rivian mit seinem R1T noch GM mit seinem GMC Hummer EV Pick-up konnten in ernst zu nehmender Stückzahl liefern. Also hatte Ford die Gelegenheit genutzt und mit dem F-150 Lightning ordentlich Geld verdient.

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Doch die Nachfrage nach dem E-Pick-up ging zuletzt zurück. Die Manager aus dem Werk in Michigan gehen sogar davon aus, die Produktion des F-150 Lightning im kommenden Jahr dadurch in etwa halbieren zu müssen. Das Fachmagazin "Automotive News" berichtet auf seiner Website von einem internen Planungsprotokoll, mit dem Zulieferern mitgeteilt wurde, dass die Wochenproduktion von etwa 3.200 auf 1.600 Exemplare zurückgefahren werde. In einer offiziellen Mitteilung ergänzte der Autokonzern, dass er "die Fertigung weiterhin an die Kundennachfrage anpassen" werde. Bereits im Oktober setzte Ford eine von drei Schichten in der Lightning-Produktion aus, um auf die sinkende Nachfrage zu reagieren.

Weniger Lightning, mehr Bronco und Ranger

Trotzdem will Ford die dritte Schicht im Werk "Michigan Assembly Plant" in der Stadt Wayne künftig besser auslasten, dort an sieben statt fünf Tagen in der Woche Autos bauen und sogar 900 zusätzliche Jobs schaffen. Damit das gelingt, werden in Wayne künftig neben dem Lightning mehr F-150-Exemplare mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieb sowie der Bronco, Bronco Raptor und Ranger gebaut. Der Stromer weicht also für den Verbrenner. Laut eigenen Angaben möchte Ford so ein ausgewogenes Angebot von Verbrennern, Hybriden und Elektroautos schaffen. Neben den 900 neuen Arbeitsplätzen im Montagewerk in Michigan sollen auch rund 700 Mitarbeiter aus Fords Rouge Complex in Dearborn übernommen werden.

Zurück zum F-150 Lightning. Der Einbruch bei dessen Nachfrage überrascht, schließlich hatten die Amerikaner erst vor Bekanntgabe der Änderung des Produktionsvolumens den Preis des Elektro-Pick-ups erneut gesenkt – um bis zu 10.000 Dollar. Die offiziellen Gründe waren jedoch nur ein Teil der ganzen Wahrheit. Marin Gjaja, Chief Customer Officer für Fords Elektromodelle, betonte, man habe im Hintergrund permanent daran gearbeitet, die Preise für den F-150 Lightning zu senken und die Wartezeiten zu verkürzen. Außerdem seien die Preise der für die Akkus nötigen Rohstoffe gesunken.

Worauf Ford allerdings nicht einging, war die Tatsache, dass die inzwischen erfolgte Präsentation des Tesla Cybertrucks im Serien-Zuschnitt damals kurz bevorstand. Angeblich gibt es für den Cybertruck bereits 1,7 Millionen Vorbestellungen. Selbst wenn die Zahl übertrieben ist, könnte der extrovertiert designte Cybertruck zum wichtigsten Konkurrenz-Modell des F-150 Lightning wachsen. Das F-150-Line-up ist Fords wichtigste Baureihe, weshalb der Hersteller sie mit maximalen Anstrengungen verteidigen wird. Das gilt natürlich auch für die in Zukunft vielleicht noch viel wichtigere Elektro-Variante.

Mehrere Preissenkungen

Den heftigsten Preissturz gab es im vergangenen Sommer beim auf die Bedürfnisse von Gewerbetreibenden zugeschnittenen F-150 Lightning Pro. Dank einer Preissenkung um 9.979 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 9.160 Euro) ging es für die Basisvariante auf 49.995 Dollar (45.900 Euro) runter. Nach oben schmolz die Ersparnis über die einzelnen Ausstattungsstufen zwar ein bisschen zusammen, war aber immer noch erwähnenswert. So kostet die Topausstattung Platinum Extended Range seither 91.995 Dollar (gut 84.400 Euro), was einer Preissenkung um 6.079 Dollar (5.580 Euro) entspricht.

Nach dieser Preisrunde drehte Ford zum Herbst erneut an der Preisschraube, diesmal aber auf eine andere Weise: Die Serienausstattung wurde aufgewertet. Konkret führte der Hersteller es ein neues Modell ein, den Lightning Flash, der auf der bislang zweitgünstigsten XLT-Version in der Ausführung mit Long-Range-Batterie aufbaut. Damit schafft der Ford Lightning nach US-Angaben bis zu 515 Kilometer Reichweite. Zum gleichen Preis wie der XLT mit Long-Range-Batterie (69.995 Dollar, umgerechnet etwas mehr als 64.200 Euro) fährt der Lightning Flash mit einer Zusatzausstattung vor, die bislang nicht für diese Modellvariante verfügbar war.

2024 Markteinführung in Europa

Die Serienausstattung des Ford F-150 Lightning Flash umfasst unter anderem den 15,5-Zoll-LCD-Touchscreen, ein B&O-Sound-System mit HD-Radio, den intelligenten Zugang mit Push-Button-Start, das "Tow Technology Package" mit erweiterten Umfängen für die Anhängerfahrt sowie eine Wärmepumpe. Für das neue Modell öffnet Ford allerdings erst Anfang 2024 die Bestellbücher.

2024 bietet Ford den F-150 Lightning auch in Europa an – der Verkauf beginnt zunächst in Norwegen. Sollte sich der Preiskampf der Elektro-Pick-up-Hersteller bis dahin fortsetzen, dürften auch europäische Kunden davon profitieren.

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Fazit

Nach permanenten schrittweisen Erhöhungen senkte Ford zuletzt die Preise für seinen elektrischen Pick-up F-150 Lightning und reduziert in diesem Jahr dessen Produktionsvolumen auf etwa die Hälfte. Stattdessen möchte Ford mehr Modelle des Bronco, Bronco Raptor und Ranger im Lightning-Werk in Michigan produzieren. So passe das Unternehmen die Produktion an die Nachfrage an, heißt es vonseiten des Herstellers.