Human Horizons HiPhi X
China-E-SUV kostet bei uns sechsstellig

HiPhi möchte eine globale Premiummarke werden. Ab sofort sind erste Modelle in Deutschland bestellbar. Die Preise sind üppig.

08/2020, Human Horizons HiPhi X
Foto: Human Horizons

Dass HiPhi ein weltweit agierender Fahrzeuganbieter werden möchte, hat der chinesische Hersteller immer wieder betont. Im April 2023 veröffentlichten die Chinesen erste konkrete Angaben zu den Expansionsplänen. Als Erstes kommt Europa dran – und dort wiederum eröffnen die ersten Läden in Deutschland (München) und in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Deutschland gilt als der größte Markt für Elektroautos in Europa und in Norwegen betrug 2022 der Anteil von Elektroautos bei den Neuzulassungen circa 80 Prozent. Die ersten Europa-Auslieferungen des Luxus-SUV HiPhi X und des elektrischen GT HiPhi Z sollen noch im Jahr 2023 erfolgen – der X hat bereits eine Zulassung für Europa erhalten. Nach Herstellerangaben ist der HiPhi X der meistverkaufte Luxus-SUV auf dem chinesischen Heimatmarkt.

Neue Mobilität im Alltag
HiPhi Y
HiPhi
Mit dem Y stellt der chinesische Hersteller HiPhi einen zirka fünf Meter langen Elektro-SUV vor, der hinten mit Flügeltüren ausgerüstet ist.

HiPhi X mit 440 kW starkem Allradantrieb

Das Erstlingswerk des chinesischen E-Auto-Start-ups Human Horizons, das im September 2020 auf der Beijing Auto Show vorgestellt wurde, sollte eigentlich 2021 auf den Markt kommen. Dann stellte der Hersteller den Marktstart des HiPhi X für 2022 in Aussicht und gab weitere Details zu dem Auto bekannt. Der HiPhi X zeigt nicht nur namentlich Gemeinsamkeiten mit dem Tesla Model X. Auch sonst erinnert der HiPhi X an den kalifornischen Elektro-SUV. Beispiel Türen: Während die beiden vorderen Pforten konventionell öffnen, zeigen sich die hinteren zweigeteilt. Der untere Teil ist hinten angeschlagen, der obere Teil öffnet als Flügeltür nach oben. Die Türen sowie alle anderen Karosserieklappen werden elektrisch betätigt und können über eine App dirigiert werden. Sensoren sollen Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer erkennen und den Öffnungswinkel der Türen anpassen, um Kollisionen zu vermeiden. Außerdem lassen sich die Öffnungsvorgänge in verschiedenen Choreografien inszenieren.

Wie so viele Start-ups setzt auch Human Horizons auf einen kräftigen Antrieb, extreme Fahrleistungen, umfangreiche Vernetzung und autonome Fahrfunktionen. Der HiPhi X bietet an beiden Achsen einen 220 kW und 410 Nm starken Elektromotor, der den Elektro-SUV im Bestfall in 3,9 Sekunden von Null auf Hundert beschleunigen kann. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 200 km/h limitiert.

Die Cell-to-Pack-Batterie speichert einen Energiegehalt von 97 kWh, womit eine Reichweite von 460 Kilometer (WLTP) möglich sein soll. Den Luftwiderstandsbeiwert gibt Human Horizons mit 0,27 an. Wie beim Lotus Eletre gibt, ist der Frontgrill verschließbar und ein Dachkantenspoiler verbessert die Aerodynamik am Heck.

Das Chassis des HiPhi X besteht aus einer Hybrid-Aluminium-Stahl-Konstruktion. An der Vorderachse führen Aluminium-Doppelquerlenker die Räder, hinten arbeitet eine Fünflenker-Konstruktion. Die Luftfederung ist an eine kontinuierliche Dämpfungskontrolle gekoppelt. Eine Hinterachslenkung soll den Wendekreis des 5,20 Meter langen SUV verringern und bei Kurvenfahrt für mehr Dynamik sorgen – außerdem kann der Fahrer über ein Fahrdynamikregelsystem verschiedene Fahrprogramme auswählen.

Von Tesla und Faraday Future inspiriert

Optisch erinnert der nach chinesischem Geschmack gezeichnet HiPhi X – neben dem Model X – an den Faraday Future FF91. Die Front wird durch schlitzförmige LED-Pixel-Leuchten bestimmt. Weitere Flächen sollen per Licht Botschaften nach außen transportieren können – insgesamt sind auf der gesamten Außenfläche 4.066 LEDs verteilt. Der Dachverlauf und die flach angestellte Windschutzscheibe zeigen sich coupéförmig. Die Seitenscheiben kommen rahmenlos daher. Das Dach ist überwiegend aus Glaselementen gestaltet. Vom flächigen Front-Design bleibt hinten nicht viel übrig; das Heck wirkt vergleichsweise zerklüftet.

Das Cockpit des Human Horizons HiPhi X ist vollgestopft mit Displays – vor dem Fahrer und auf der Mittelkonsole (drehbar) sowie im XXL-Format vor dem Beifahrer. Hier werden auch die Bilder der Rückblickkameras eingespiegelt. Die sechs Sitze sind in drei Zweierreihen angeordnet und elektrisch verstell- sowie verschiebbar – vorn erinnern sie an Rennsport-Sitze. Die Fondpassagiere können sich die Zeit mit Anwendungen auf eigenen Bildschirmen vertreiben. Eine exklusive Beduftung ist ebenso an Bord wie ein High-End-Soundsystem mit 23 Lautsprechern aus dem Hause Meridian. Optional ist der HiPhi X auch als exklusiv ausgestatteter Viersitzer mit üppigem Fond zu haben.

08/2020, Human Horizons HiPhi X
Human Horizons
Bis zu sechs Passagiere finden im HiPhi X in drei hintereinander angeordneten Sitzreihen Platz.

Mit künstlicher, selbstlernender Intelligenz

Human Horizons bezeichnet den HiPhi X als "erstes sich entwickelndes Supercar-SUV der Welt". Das Start-up verwendet eine offene Elektronik- und Software-Architektur. Die zusammen mit Microsoft entwickelte künstliche Intelligenz soll selbstlernend funktionieren und zudem "über humanisierte Weisheit" verfügen. Dank 5G-Vernetzung und 360-Grad-Umfeldbeobachtung soll der HiPhi X zu autonomem Fahren auf Level 3 fähig sein. Als Berechnungs-Hardware kommt ein NVIDIA-Orin X-Chip zum Einsatz, auf dem ein QNX-Neutrino-Echtzeitbetriebssystem (RTOS) arbeitet. Bei der Umgebungserkennung helfen 34 Sensoren und ein Lidar-System (Light detection and ranging: Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung).

Beim HiPhi X handelt es sich um die Serienversion der Studie HiPhi 1. Deren Entwicklung wurde vom ehemaligen Ford-Jaguar-Techniker Mark Stanton geleitet, der zuletzt bei den Briten Chef von Special Vehicle Operations war. Der HipHi 1 baute auf einer Plattform aus Aluminium und Stahl auf, die Batterie saß im Unterboden. Bestückt mit insgesamt 562 Sensoren und einer umfassenden V2X-Kommunikationstechnik sahen die Entwickler den HiPhi 1 bereits gerüstet für autonome Fahrfunktionen.

08/2020, Human Horizons HiPhi X
Human Horizons
Nicht nur das spektakuläre Türkonzept erinnert an das Tesla Model X.

HiPhi X ab 109.000 Euro

Den offiziellen Marktstart-Termin für den X hatte der Hersteller im August 2022 auf der Chengdu Auto Show bekannt gegeben. Anfangs soll der HiPhi X nur in China angeboten werden, jetzt folgt der Start auf den Exportmärkten. Die Preise starten aktuell in China bei umgerechnet zirka 88.000 Euro, die Top-Variante kostet 127.615 Euro. In Europa startet der HiPhi X als Sechssitzer zu Preisen ab 109.000 Euro. Die luxuriöser ausgestattete Viersitzer-Version ist ab 123.000 Euro bestellbar.

Das zweite Modell HiPhi Z kommt in Deutschland ab 105.000 als Fünfsitzer bzw. 107.000 als Viersitzer in den Handel.

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Fazit

Mit dem HiPhi X bringt ein weiteres Start-up einen weiteren spektakulären Elektro-SUV. Seine Größe, seine Aerodynamik und seine Performance-Werte erinnern an eine Mischung aus Tesla Model X und Lotus Eletre. Und mit Preisen im sechsstelligen Bereich ist das Modell ausgesprochen selbstbewusst eingepreist.