Mercedes-Zusatzpower auch per Einmalzahlung
In den USA kein reines Abomodell mehr

Mercedes bietet in den USA für seine Elektroautos Zusatzleistung per Abo und jetzt auch per Einmalzahlung an.

Mercedes EQE Power Upgrade OTA Update Collage
Foto: Hersteller / Patrick Lang

Wie kann man an einem bereits verkauften Fahrzeug noch permanent weiter kräftig verdienen – wie holt man maximal viel Geld aus seinen Kunden? Diese Frage beantworten einige Autohersteller nicht mehr nur über hohe Ersatzteilpreise, sondern zunehmend auch mit aus der Ferne freischaltbaren Funktionen – insbesondere bei Elektroautos. Tesla hat damit bei der ersten Generation des Model S vor über zehn Jahren angefangen – Mercedes hat in den USA nachgezogen. Die Schwaben bieten seit November 2022 auf dem nordamerikanischen Markt für die elektrische E-Klasse EQE und die elektrische S-Klasse EQS nachbuchbare Leistungssteigerungen an. Bisher gab es diese Leistungssteigerungen nur im Monats- oder Jahresabo. Jetzt ist auch per Einmalzahlung ein lebenslanges Leistungsupgrade möglich.

Der große E-Ratgeber

Beim EQE 350 kostet das jährliche Upgrade 600 Dollar (546 Euro), bei einer Einmalzahlung verlangt Mercedes 1.950 Dollar (1.774 Euro) – nach 3,25 Jahren ist also die Einmalzahlung günstiger. Beim EQS 450 kosten das jährliche Upgrade 90 Dollar (82 Euro) und die Einmalzahlung 2.950 Dollar (2.684 Euro). Hier ist die Einmalzahlung erst nach 3,28 Jahren die günstigere Alternative.

US-Preise Mercedes-Performance-Upgrade EQ-Modelle

Model

Leistungs-Zuwachs

Beschleunigungs-Verbesserung (0 auf 60 mph/97 km/h)

US-Preis

Mercedes EQE 350 4Matic

215 kW (292 PS) auf 260 kW (353 PS) (+ 45 kW/61 PS)

6,0 s auf 5,1 s (- 0,9 s)

monatlich: 60 $ (55 €)

jährlich: 600 $ (546 €)

einmalig: 1.950 $ (1.774 €)

Mercedes EQE 350 4Matic SUV

215 kW (292 PS) auf 260 kW (353 PS) (+ 45 kW/61 PS)

6,2 s auf 5,2 s (- 1,0 s)

monatlich: 60 $ (55 €)

jährlich: 600 $ (546 €)

einmalig: 1.950 $ (1.774 €)

Mercedes EQS 450 4Matic

265 kW (360 PS) auf 324 kW (441 PS) (+ 59 kW/81 PS)

5,3 s auf 4,5 s (- 0,8 s)

monatlich: 90 $ (82 €)

jährlich: 900 $ (819 €)

einmalig: 2.950 $ (2.684 €)

Mercedes EQS 450 4Matic SUV

265 kW (360 PS) auf 324 kW (441 PS) (+ 59 kW/81 PS)

5,8 s auf 4,9 s (- 0,9 s)

monatlich: 90 $ (82 €)

jährlich: 900 $ (819 €)

einmalig: 2.950 $ (2.684 €)

Erfahrene Tuner wissen längst: Wenn ein Neuwagen vom Band rollt, ist das Ende der Leistungs-Fahnenstange meistens längst nicht erreicht. Doch bei den Elektroautos ist die Branche noch nicht allzu stark in der Materie. Offenbar schlummern in den Stromern, zumindest was die EQ-Familie von Mercedes betrifft, aber noch Kraftreserven. In den USA bietet der Hersteller den Kunden nun ein Power-Upgrade im Abo an. Wer jährlich 1.200 Dollar (rund 1.160 Euro) zahlt, erhält bis zu 24 Prozent mehr Leistung und kann die Sprintzeit seines Autos um bis zu eine Sekunde verbessern.

Das Angebot richtet sich laut des Onlineportals Motortrend an die Besitzer von EQE 350, EQS 450 4Matic, sowie deren SUV-Pendants. Die EQE-Modelle hebt das bezahlte OTA-Update von 215 auf 260 kW, bei EQS und EQS SUV steigt der Output von 265 auf 330 kW. Dabei soll die zusätzliche Puste nicht nur im Sport-Modus abrufbar sein, sondern in allen Fahrmodi greifen. Aussagen über die Auswirkung auf die werksseitigen Reichweitenangaben macht Mercedes nicht. Der Effekt dürfte sich aber in Grenzen halten, sofern nicht jeder Ampelstart in ein Drag Race umgemünzt wird.

Eine Leistungsklasse höher

Beim EQE schließt die Mehrleistung eine Lücke zwischen dem 350er- und dem 500er-4Matic-Modell mit 300 kW, deren Preisdifferenz bei immerhin rund 17.000 Euro liegt. Dafür könnten Sie die Extra-kW schon mehr als 14 Jahre lang buchen. Im Falle des EQS springt das Leistungsniveau vom 450er sogar genau auf jenes des EQS 500 4Matic. Der Preisunterschied beträgt bei der großen E-Limousine rund 12.000 Euro, umfasst neben der Mehrleistung, wie beim EQE auch, aber zudem zusätzliche Ausstattungsmerkmale. Der Vollständigkeit sei noch erwähnt, dass Mercedes die Freischaltung der Zusatz-Performance auch dauerhaft, also ohne Abo-Modell, anbieten wird. Ein Preis dafür ist allerdings noch nicht definiert. Begründet wird das seitens des Herstellers mit unterschiedlichen Kundenprofilen: "Manche Kunden fahren ihren EQE oder EQS nicht ein Auto-Leben lang, sondern vielleicht nur für die Dauer eines Leasing-Angebots. Wer dann temporär mehr Performance möchte, kann sich die eben dazubuchen. Halter, die ihr Auto länger im Besitz haben, können künftig aber auch eine generelle Freischaltung kaufen."

Bislang ist das Power-Abo noch mit dem Zusatz "Coming soon" (dt. "Bald erhältlich) versehen. Ob es auch den deutschen Kunden angeboten wird? "Nein, in Deutschland wird Mercedes die Leistungssteigerung nicht anbieten. Hierzulande sind Leistungssteigerungen als verbrauchsrelevante Modifikation abnahmepflichtig und gegebenenfalls Steuer-relevant. In den USA ist das eben nicht so", erklärt ein Sprecher des Herstellers auf Anfrage von auto motor und sport. Wie sich der EQE im Serienzustand schlägt, erfahren Sie übrigens in unserer Fotoshow oben im Artikel.

Laut Motor Authority lässt sich Mercedes auf einigen Märkten auch eine Erweiterung der bereits in den Fahrzeugen verbauten Hinterradlenkung bezahlen. Mit der Erweiterung steigt der mögliche Einschlagwinkel der Hinterräder von 4,5 auf zehn Grad – in den USA ist die voll freigeschaltete Hinterradlenkung im Serienumfang enthalten. Über den Mercedes Me Connect Store können Kunden zudem jede Menge Dienste zubuchen – dazu gehören unter anderem ein AMG-Performance-Datenrekorder, Motorfernstart und zusätzliche Navigationsfunktionen. Sein Angebot nach nachbuchbaren Funktionen und Diensten möchte Mercedes permanent ausbauen.

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Fazit

Jeder Autohersteller weiß, dass er jedes Auto mindestens zweimal verkauft – das zweite Mal über die irgendwann immer nötigen Ersatzteile und Reparaturen. Jetzt versuchen einige Hersteller, noch mehr Gewinn aus ihren bereits verkauften Autos zu holen – indem sie nachträglich freischaltbare Funktionen/Leistungen/Dienste anbieten. Mercedes bietet für seine Elektromodelle EQE und EQS in den USA beispielsweise Leistungssteigerungen per Abo oder Einmalkauf an. Auf anderen Märkten bekommt die Hinterradlenkung ebenfalls nur gegen Aufpreis ihren vollen Einschlag. Das Angebot an solchen nachbuchbaren Leistungen möchte Mercedes permanent ausbauen. Wer eine derartige Nachbuch-Aufpreispolitik nicht unterstützen möchte, spart sich das Geld – das jeweilige Auto ist auch im Auslieferungszustand voll nutzbar.