Mercedes One-Eleven Konzeptstudie
Der AMG GT der Zukunft ist ein elektrischer C111

Die Mercedes-Designabteilung beschäftigt sich mit der Zukunft des Sportwagens. Und der Vergangenheit. Aus dem Wankel von einst wird ein Axialflussmotor. Der ist realistischer als AR-Brille und Autonom-Fahr-Modus.

Irgendwann musste es soweit kommen. Da hast Du als Marke einen unfassbar tollen und zeitlosen Sportwagen gemacht – und bringst ihn nicht. Nur als Konzeptfahrzeug und um Geschwindigkeits- sowie Streckenrekorde zu holen. Aber kaufen, das konnte ihn niemand. Wir reden vom Mercedes C111, der Ende der 60er-Jahre des letzten Jahrtausends zeigte, wie ein Sportwagen aussieht. Extrem flach, Mittelmotor, Flügeltüren, Wankelmotor, Kunststoffkarosserie.

IAA 2023

Das Ganze noch in Orange und Schwarz (bei Mercedes nennen sie die Farbe gern auch Weißherbst) lackiert, fertig ist der zeitlose Hammer. Den nicht mal Menschen bekamen, die Blankoschecks in die Daimler-Zentrale schickten.

Flügeltürer als Vorbild für E-Sportwagen

Dafür holten die Experimental-C111 mit Wankel- und Diesel-Motoren in diversen Varianten (und in diversen Farben) diverse Rekorde. Im Gedächtnis von uns Autofreaks blieb das Gerät aber wegen der hinreißenden Gestalt, die so gar nicht nach Ende der 60er aussieht. Ergo: Irgendwann musste es ja soweit kommen, dass sich die Mercedes-Designtruppe um Boss Gorden Wagener den Spirit des C111 zurückholt und neu interpretiert. Immer auf der Suche nach den sogenannten Ikonen haben er und sein Team vor allem den SL 300 und den C 111 als Inspirationen ausgeguckt. Beides Flügeltürer, was die Sache an sich schon ziemlich einzigartig macht.

Doch auch die Technik soll was können. Zeitgemäß, futuristisch. Was bedeutet: elektrisch, digital, autonom. Vor allem aber erst einmal: flach. Nur 1,17 Meter hoch schimmert das Gerät selbst bei bedecktem Himmel wie bei der Präsentation in Carlsbad/Kalifornien, als ob die Sonne lachte. Sie haben den Farbton modifiziert. Tieforange, mit Kupferanteil und im Licht changierend. Das allein fasziniert schon an dem "One Bow Auto", das quasi mit einer Linie gezeichnet ist. Bündig eingefasste Flügeltüren mit von außen blickdichter, spiegelnder Verglasung kommen besonders futuristisch rüber, ergänzt durch die großen Räder.

Showcar-Spielereien und Außen-Display

Schön, wenn man sich bei einem Einzelstück nicht um Petitessen wie die weltweite Homologation oder Reparaturfreundlichkeit scheren muss. Die großen Aero-Elemente an Front und Heck würden in der Praxis vermutlich gern mal schürfenden Kontakt zur Realität aufnehmen, hier dürfen sie einfach nur gut aussehen, sodass die Pressemappe unbesorgt davon sprechen darf, dass der Wagen quasi mit dem Untergrund verschmilzt. Im besten optischen Sinne.

Verschmelzen dürfen Realität und Fiktion auch an der Front, wo beim C111 ein flaches rechteckiges Element mit zwei außen liegenden Nebelscheinwerfern sitzt, bei der Vision ein Display in 3D-Pixeloptik. Es kann wahlweise die Nebelscheinwerfer imitieren oder aber Botschaften absetzen.

Interieur mit Liegesitzen und AR-Brillen

Botschaften setzt auch das Display im Auto ab. Flach, querformatig, grobpixelig. Perfekt passend zum Hardcore-Seventies-Stil der Farbgebung in Orange, Weiß und glänzendem Silber. Ohne Aviator-Brille geht hier nix. Tief und flach rutscht man auf das fest montierte Polster und greift zum eckigen Lenkrad mit den integrierten Bedienrädern. Jetzt wird’s modern im Gegensatz zum sachlich schwarzen und kantigen C111-Interieur. Sachliche Klarheit war einmal, heute und in Zukunft predigt Gorden Wagener sinnliche Klarheit. In diesem Fall unter anderem mit einem Lounge-Konzept für den Sportwagen, der sich je nach Einsatz wandelbar zeigt. In jedem Fall aber jede Menge Platz bietet. Aufrecht sitzend beim dynamischen Fahren verschmelzen die Sitzpolster im autonomen Modus mit Schweller, Mitteltunnel und Gepäckraum zu einer Einheit.

Zu einer Einheit verschmelzen Realität und Fiktion endgültig, sobald die Insassen ihre Brillen aufsetzen. Nicht irgendwelche, sondern Magic Leap 2 Augmented Reality-Geräte. Sie mischen die echte Umgebung mit kontextabhängigen Inhalten, können Benutzeroberflächen ebenso simulieren wie Navigationskarten oder ein perfektes Bild der Umgebung, etwa bei starkem Nebel oder Dunkelheit. Röntgenblick inklusive sozusagen, der Designern und Ingenieuren enorme Möglichkeiten sowohl bei der Innenraumgestaltung als auch der Bedienoberflächen gibt.

Antrieb durch den künftigen AMG-Elektromotor

Enorme Gestaltungsmöglichkeiten hält auch der Axialfluss-Motor bereit. Klingt futuristisch, ist aber im Prinzip bekannt: Bei diesem speziellen Elektromotor läuft der elektromagnetische Fluss parallel zur Drehachse des Motors und nicht wie sonst üblich senkrecht dazu. Heraus kommt eine E-Maschine, die nicht nur kräftiger ist, sondern deutlich schmaler und leichter als konventionelle Radialfluss-Motoren bauen soll. Er soll den Bauraum bei gleicher Leistung etwa auf ein Drittel.

So fällt es leichter, sie an Stellen im Auto zu positionieren, die für andere zu klein wären. Etwa an den äußeren Enden der Hinterachse, wie beim One Eleven. Den Motor entwickelt Mercedes gemeinsam mit der Firma Yasa, die inzwischen zu Mercedes gehört und produziert ihn für zukünftige Performance-Modelle im Werk Berlin-Marienfelde.

Zum Einsatz kommen sollen sie vor allem bei künftigen, elektrischen AMG-Modellen, die ab 2025 in Sindelfingen auf der speziellen Elektroplattform AMG.EA. Sie soll Spitzenleistungen verkraften und richtet sich an die technologieaffinen sowie leistungsorientierten AMG-Kunden.

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Fazit

Realität trifft Zukunft. Und wenn dabei etwas so Tolles wie der C111 zitiert wird – umso besser. Wir sind jedenfalls gespannt auf die Zukunft mit AR, Axialflussmotor und Loungekonzept. Das Orange passt schon mal hervorragend.