Nio ET5 (2023) Elektro-Limousine aus China
Model-3-Konkurrent wird billiger

Nio bringt gerade die ersten Exemplare seiner elektrischen Mittelklasse-Limousine ET5 nach Deutschland. Den Akku muss man jedoch extra kaufen – oder mieten.

Nio ET5 Elektro-Limousine 2021
Foto: Nio

Wie bei jedem anderen Autohersteller ist im Windschatten eines Flaggschiffs auch bei Nio noch jede Menge Platz für volksnähere Autos. Wie eines davon aussehen wird, zeigten die Chinesen im Rahmen des sogenannten Nio Days. Mit der großen Auto-Party feiert sich das Unternehmen jedes Jahr selbst und nutzt die Bühne traditionell zur Präsentation neuer Modelle. Dort haben die Chinesen neben dem Serienmodell des Flaggschiffs ET7, das in Deutschland bereits auf dem Markt ist (siehe Video), auch die nächstkleinere Elektro-Limousine gezeigt. Diese heißt ET5.

Unsere Highlights

Design und Dimensionen

Mit seinen Abmessungen (4,79 Meter lang, 1,50 Meter hoch, 1,96 Meter breit, Radstand 2,89 Meter) positioniert sich der ET5 leicht oberhalb des Wirkungsbereichs des Model 3 (4,69 Meter Länge) von US-Wettbewerber Tesla, dem er auch optisch ähnlich ist. Das Leergewicht beträgt je nach installierter Batterie zwischen 2.140 und 2.160 Kilogramm. Beim Nio ET5 lassen sich neun Außen- und vier Innenraumfarben frei kombinieren. Das Fassungsvermögen des Kofferraums beträgt 386 Liter.

Antriebs- und Akkuvarianten

Der ET5 wird ausschließlich mit Allradantrieb ausgeliefert; jede Achse verfügt also über einen eigenen Motor. Der vordere Induktionsmotor leistet 150 kW (204 PS), das hintere Pendant mit Permanent-Magnet-Technik steuert 210 kW (285 PS) bei. Das Gesamtsystem liefert demnach 360 kW (489 PS) und beschleunigt den ET5 in bis zu 4,0 Sekunden von null auf 100 km/h.

Zum Marktstart in Deutschland sind zunächst zwei Batteriekonfigurationen verfügbar: Der Standardakku ermöglicht laut Nio bei einer Kapazität von 75 kWh rund 550 Kilometer Reichweite (ermittelt nach dem chinesischen CLTC-Fahrzyklus, vergleichbar mit dem NEFZ). Darüber rangiert ein Akkupaket mit 100 kWh, das einen Aktionsradius von über 700 Kilometern möglich machen soll. Mit der später erscheinenden 150-kWh-Batterie sollen sogar mehr als 1.000 Kilometer pro Ladung möglich sein. Zu den von Nio genannten großen Reichweiten soll auch der cW-Wert von nur 0,24 beitragen. Ob der ET5 ebenso wie der ET7 mit Feststoffbatterien kommen soll, die laut Nio über eine Energiedichte von bis zu 360 Wattstunden pro Kilogramm verfügen, ist aktuell nicht bekannt.

Assistenzsysteme

Der ET5 wird laut Nio mit allem ausgestattet sein, was man für's autonomen Fahren braucht. Dazu gehört das aus insgesamt 33 Einheiten bestehende "Aquila"-Sensorpaket (Lidar, Kameras, Radar, Ultraschall, V2X-Kommunikationsmöglichkeit) und ein entsprechend leistungsstarker Zentralrechner, der bei Nio "Adam" heißt. Der volle Funktionsumfang wird nach weiterer Entwicklung und Validierung sukzessive eingeführt und den Usern in China über ein monatliches Abonnement zur Verfügung stehen. Kostenpunkt dort: umgerechnet etwa 107 Euro. Ob das Autonom-Paket mit allem im ET5 serienmäßig ist oder Kunden die Hardware explizit dazubestellen müssen, ist aktuell noch nicht bekannt.

Fahrwerk und Fahrdynamik

Hardware-seitig tritt der Nio ET5 mit einem Fünflenker-Fahrwerk an, das dem Hersteller zufolge über eine sportliche Abstimmung verfügt. Die Chinesen attestieren ihrem Model-3-Konkurrenten zudem eine exakt ausgeglichene Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Die Bremsanlage arbeitet mit Vierkolben-Sätteln, die das Elektroauto in 33,8 Metern von 100 auf null km/h verzögern sollen. Der ET5 soll zudem über acht verschiedene Fahrmodi verfügen.

Interieur

Bei der Einrichtung des ET5-Cockpits wollen sich die Nio-Designer Inspiration aus der Möbel-, Mode- und Schuhbranche geholt haben. Mode-Begabte mögen das bitte selbst beurteilen. Auffällig ist auf jeden Fall die ausgeprägte Aufgeräumtheit, die Tesla-Fahrern nicht unbekannt vorkommen dürfte. Das große Panorama-Dach lässt viel Licht in den Innenraum. Sämtliche Lüftungsdüsen sind versteckt ausgeführt. Ein Teil der verwendeten Materialien basiert auf recycelten PET-Flaschen, andere Kunststoffe basieren auf Pflanzenfasern. Laut Nio reduziert der Einsatz dieser Komponenten die Kohlenstoffemissionen bei der Produktion um 30 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Stoffen und Kunststoffen. Praktisch alle Oberflächen im ET5 lassen sich per LED be- und hinterleuchten. Insgesamt stehen 256 Farben zur Verfügung, um das Licht im Auto an die Stimmung der Passagiere anzupassen.

Konnektivität und Digitalfunktionen

Im Mittelpunkt steht das 12,8-Zoll große Hochkant-AMOLED-Display, das einen weiteren Bildschirm (10,2 Zoll) vor dem Lenkrad ergänzt. Als erstes Nio-Modell bietet der ET5 serienmäßig Nomi Halo; einen dezent ins Armaturenbrett integrierten digitalen Sprachassistenten, der mit den Passagieren interagiert. Optionale und 600 Euro teure Alternative ist der bekannte Nomi Mate, der seinen kleinen Display-Kopf auf dem Instrumententräger nach oben streckt. In dieser Form wendet sich Nomi dem jeweils Sprechenden zu, kann zwinkern und bei Bedarf sogar ein Selfie knipsen.

Nio ET5 Elektro-Limousine 2021
Nio
Aufgeräumtes, lichtdurchflutetes Cockpit.

Auf Wunsch liefert Nio den ET5 mit einer neuen High-Tech-Brille von Nreal aus, die eine virtuelle Bildschirmgröße von 201 Zoll (etwa 5,10 Meter) projizieren kann. Die AR-Brille soll exklusiv für den Gebrauch mit Autos von Nio entwickelt worden sein und es perspektivisch möglich machen, die Anzahl der Displays im Auto zu reduzieren. Über die Brille könnten, ähnlich wie bei einem Head-up-Display, der Tachostand oder Navigationsanweisungen angezeigt werden. Bei einer Ladepause (oder während des autonomen Fahrens) wäre es ebenso möglich, Filme auf dem Bildschirm in der Brille anzuschauen. Zusätzlich kündigte Nio-Gründer William Li bei der Präsentation des ET5 an, dass das Fahrzeug mit einer "nativen" Virtual-Reality-Funktion angeboten werden soll. Dafür kooperiert Nio mit dem chinesischen VR-Hersteller Nolo, der für den Hersteller eine schlanke VR-Brille mit Pancake-Linsen und 4K-Display entwickelt.

Preise und Batteriemiete

Nio nannte für den ET5 noch bis März 2023 einen Vorverkaufspreis von 49.900 Euro für den deutschen Markt. Nun, da die Einführung des Modells hierzulande direkt bevorsteht, kommuniziert der Hersteller einen geringeren Basispreis von 47.500 Euro. Damit rutscht das Basismodell unter einen Nettolistenpreis von 40.000 Euro, der bei der E-Auto-Förderprämie Voraussetzung ist für den vollen Bundesanteil von 4.500 Euro. Von weiteren 1.800 Preisvorteil profitiert, wer an der First-Mover-Launch-Aktion teilnimmt. Frühbucher erhalten den Nomi Mate und die 1.200 Euro teure Anhängerkupplung kostenfrei dazu.

Der Preis bezieht sich allerdings auf das Modell ohne Batterie, bei der sich die Kunden zwischen Miete und Kauf entscheiden müssen. Bei der sogenannten BaaS-Option (Battery as a Service) mietet der Kunde die Traktionsbatterie, statt sie zu kaufen. Zugleich können BaaS-Kunden Nios Batteriewechsel-System nutzen, bei dem an "Power Swap Stations" in wenigen Minuten leere gegen volle Akkus getauscht werden. Die Kosten für die Batteriemiete liegen monatlich bei 169 (75 kWh) oder 289 Euro (100 kWh). Alternativ lassen sich die Energiespeicher auf dem deutschen Markt auch kaufen; wer diese Option wählt, muss jedoch auf die Akkutausch-Option verzichten. Die kleinere Batterie, für die die Tauschoption vorerst exklusiv zur Verfügung steht, kostet 12.000 Euro. Für die größere werden 21.000 Euro fällig.

Nio ET5 im Abomodell

Nio bietet den ET5 über sein Subscription-Konzept aber auch im Abonnement an, das Dinge wie Zulassung, Wartung, Winterräder, Abholung und Rücklieferung im Servicefall, einen Leihwagen oder Versicherungsleistungen enthält. Dabei bieten die Chinesen flexible Modelle ebenso an wie ein Abo mit fester Laufzeit. Die Preise variieren je nach gewählter Variante und betragen im Höchstfall 1.238 Euro im Monat.

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Fazit

Nio setzt auf Expansion. In China und Europa. Die Marke kombiniert global gefälliges Design mit bewährter Fahrzeugtechnik, etablierten Zulieferern und Hightech-Komponenten aus China. Das kann international tatsächlich funktionieren. Vor allem dann, wenn es die Chinesen schaffen, ihr Batteriewechselsystem global auszurollen.