Ora Lightning Cat
Elektrischer Volks-Panamera aus China

Die Great-Wall-Marke Ora verliert bei ihrer Expansion nach Deutschland keine Zeit. Mit dem Lightning Cat steht das nächste Modell in den Startlöchern.

Ora Lightning Cat
Foto: Digital Fuel Productions Pty Ltd

Die chinesische Automarke Ora, die zum Great-Wall-Konzern gehört, hat in Europa schon mehrfach auf sich aufmerksam gemacht. Zum Beispiel bei der IAA Mobility in München 2021, bei der sie ein Modell namen Ora 03 Cat (siehe Video und Fotoshow unten im Artikel) vorstellte. Etwa ein Jahr später folgte auf dem Pariser Autosalon eine seriennahe Studie mit leicht weiterentwickeltem Design – und damit ein konkreter Hinweis, dass die Fließheck-Limousine mit Elektroantrieb nach Europa kommen wird. Inzwischen kennen wir ihren endgültigen Namen: Lightning Cat, also Blitzkatze. Außerhalb Europas heißt die E-Limousine schlicht Ora Sport.

Unsere Highlights

Design

Die Katzenfamilie – das Erstlingswerk, ein kleiner E-SUV namens Funky Cat, kam kürzlich in Deutschland auf den Markt – wird also um ein Modell ergänzt, das in der Seitenansicht aussieht wie ein etwas zu heiß gewaschener Porsche Panamera der ersten Generation. Das Scheinwerfer- und Fronthauben-Design ist eine Adaption des Funky Cat, die vordere Schürze ist glattflächiger gestaltet als beim kleineren Pendant. Der Lightning Cat verzichtet zudem auf die mit Plastik ummantelten Radläufe. Hinten präsentiert er ein klassisches Fließheck mit tropfenförmigen Leuchten und einer sensorgesteuerten Kofferraumklappe, die die Heckscheibe horizontal zerschneidet. Die 19-Zoll-Felgen sind mit Michelin-Reifen bezogen.

Dimensionen

Viel kleiner als ein echter 1st-Gen-Panamera ist der Chinese jedoch nicht: Er ist 4,87 Meter lang und weist einen Radstand von 2,87 Meter auf. Die Breite beträgt etwa 1,85 Meter, die Höhe ungefähr 1,50 Meter. Rahmenlose Türen sollen ein wenig Coupé-Feeling verströmen. Ein adaptiver elektrischer Heckspoiler fährt bei Geschwindigkeiten oberhalb von 70 km/h aus. Ist dieser versenkt, soll der Luftwiderstandsbeiwert bei cW=0,22 liegen. Das Leergewicht beträgt etwa 2,2 Tonnen.

Interieur

Innen präsentiert der Ora Lightning Cat viel Leder. Auf der zierlichen, im 45-Grad-Winkel Richtung Armaturenbrett ansteigenden Mittelkonsole befinden sich einige Drehregler und Drucktasten. Darüber thront ein querformatiges, 12,3 Zoll großes Infotainment-Display. Fahrrelevante Informationen stellen drei (halb-)runde Digitalinstrumente dar, die hinter dem Multifunktionslenkrad untergebracht sind. Die Lüftungsdüsen sitzen kaum wahrnehmbar im Armaturenbrett, während unter der Mittelkonsole ein riesiges Ablagefach um Befüllung bittet. Die Kopfstützen sind in die vorderen Sitze ebenso integriert wie eine Belüftung; die Fahrstufen werden mit dem rechten Lenkstockhebel eingelegt.

Wie bei einem chinesischen Auto üblich bietet der Ora Lightning Cat allerlei Digital- und Konnektivitäts-Funktionen. Laut Hersteller sollen sich hier Sportereignissen erleben, Nachrichten verfolgen sowie mit Freunden und Freundinnen in Kontakt treten lassen. Der passende Sound schallt über die elf Lautsprecher der Harman-Kardon-Anlage ins fünfsitzige Interieur, über dem ein Panorama-Sonnendach schwebt. Ein UV-Sterilisationssystem soll Bakterien, Viren und sonstige unerwünschte Dinge eliminieren.

Antriebe und Batterien

Ora sieht zwei Antriebsvarianten für den Lightning Cat vor, wobei die genannten Daten noch nicht final homologiert sind. Das Einstiegsmodell mit auf die Vorderräder wirkendem Elektromotor leistet 150 kW (204 PS). Bei der Topversion macht ein zweiter Motor an der Hinterachse den Lightning Cat zum 300 kW (408 PS) und maximal 680 Newtonmeter starken Allradler mit intelligenter Drehmomentverteilung. Damit soll der Null-auf-Hundert-Sprint in 4,3 Sekunden gelingen. Etwas Dynamik soll ferner im Super-Sport-Modus der künstlich erzeugte Motoren-Sound vermitteln.

Auch bei den Energiespeichern gibt es zwei Alternativen: Der schwächere Lightning Cat verfügt über eine 63-Kilowattstunden-Batterie, die für 550 Kilometer Reichweite (nach dem chinesischen Fahrzyklus CLTC) reichen soll. Beim stärkeren beträgt die Kapazität 85 Kilowattstunden. Die Reichweite hier: 705 (CLTC) beziehungsweise 405 Kilometer (WLTP). Geladen wird mit maximal 80 kW, weshalb es recht lange 55 Minuten dauert, bis der größere Akku von null auf 80 Prozent Füllstand gebracht ist.

Fahrassistenten

An Bord des Lightning Cat befindet sich das Fahrassistenz-Paket Ora-Pilot 3.0, das zehn Kameras (eine im Interieur für die Gesichtserkennung) mit fünf Radarkomponenten und zwölf Ultraschallsensoren kombiniert. Neben Fahrzeugen soll es ebenso Fußgänger, Fahrräder und andere Hindernisse erkennen können und bei einem zu geringen Abstand zu diesen nicht nur einen Warnton auslösen, sondern auch selbstständig Fahrmanöver durchführen. Apropos: Der Ora Lightning Cat soll auf Zuruf eigenständig vorfahren können, wenn er gebraucht wird.

Marktstart und Preis

Noch verrät Great Wall Motors nicht, wann der Ora Lightning Cat in den Showrooms des europäischen Importeurs (Emil-Frey-Gruppe) auftauchen wird. Über die Preise kann bislang ebenfalls nur spekuliert werden. Ein Discount-Angebot wird er sicher nicht. Der viel kleinere Funky Cat startet schließlich bereits bei 38.990 Euro.

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Fazit

Nach dem Markteintritt mit dem Funky Cat steigt die Great-Wall-Marke Ora mit dem Lightning Cat eine Stufe höher. Die elektrisch angetriebene Fließheck-Limousine orientiert sich stilistisch am ersten Porsche Panamera und bietet – zumindest in ihrer stärkeren Version – ähnlich viel Power. Wann genau das Elektroauto nach Europa kommt und was es kosten wird, ist aber noch nicht bekannt.