Neue Elektro-Pick-ups
Das sind die Rivalen des Cybertrucks

Der Tesla Cybertruck ist endlich offiziell da. Er trifft auf zahlreiche andere Elektro-Pick-ups, die bereits erhältlich sind oder demnächst auf den Markt kommen. Ein Überblick von den großen Herstellern wie GM, Ford und Stellantis mit seiner Pick-up-Marke Ram bis zu Start-ups wie Rivian und Co.

Tesla Cybertruck Rivalen Konkurrenten Ford F-150 Lightning GMC Hummer EV Rivian R1T
Foto: Collage: Hersteller / ams

Sie sind Start-ups. Sie heißen Rivian, Alpha Motors oder Canoo. Und sie wagen die Revolution: Pick-ups, diese uramerikanische Fahrzeuggattung, die man sich ohne hubraumstarke, bollernde und spritschluckende V8-Motoren kaum vorstellen kann, sollen künftig von Elektromotoren angetrieben werden und ihre Energie aus Batterien ziehen. Konkurrenz (oder Unterstützung, je nach Sichtweise) erhalten die Start-ups von etablierten Herstellern. Ford, General Motors und der Stellantis-Konzern planen dasselbe oder sind längst mit E-Pick-ups am Markt vertreten. Auch Tesla hat mit dem Cybertruck seinen lange angekündigten Pick-up endlich in der Serienproduktion. Einige kleine Firmen mit mehr oder weniger geringen Erfolgsaussichten mischen ebenfalls mit bei der Casting-Show "Amerika sucht den Super-Elektro-Pick-up".

Unsere Highlights

Tesla Cybertruck

An der Spitze der Bewegung stand ursprünglich Tesla mit dem Cybertruck (siehe Fotoshow oben im Artikel). Das fahrende Dreieck schlägt mit seinem Design völlig aus dem Rahmen und verfügt über eine Karosserie aus gehärtetem Edelstahl, die schlag- und schusssicher sein soll. Mit seinen Dimensionen (5,68 Meter lang, 2,20 Meter breit und 1,79 Meter hoch) orientiert sich der Cybertruck am US-Pick-up schlechthin, dem Ford F-150. Die Pritsche ist 1,98 Meter lang, im Fahrerhaus ist Platz für Sechs und die Zuladung gibt Tesla mit 1.134 Kilogramm an. Drei Modellvarianten soll es geben: Eine mit Hinterradantrieb, eine Allradversion und den Hardcore-Ableger Cyberbeast, der mit 630 kW (866 PS) in 2,7 Sekunden von null auf 60 mph (96,6 km/h) beschleunigen soll. Dass der ursprünglich angedachte Preis von 39.900 Euro nicht zu halten sein wird, war schnell nach der ersten Präsentation im November 2019 klar. Nun nennt Tesla Mindestpreise von 49.890 (RWD), 68.890 (AWD) und 96.390 Dollar (Cyberbeast), was aktuell umgerechnet einem Spektrum von gut 45.600 bis fast 88.200 Euro entspricht.

Ford F-150 Lightning

Dass sich Tesla-Chef Elon Musk den Ford F-150 als direkten Gegner ausgeguckt hat, kommt nicht von ungefähr: Der Pick-up ist schließlich seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto der USA. Nicht nur in seinem Segment, sondern überhaupt. Und er ist seit Frühjahr 2022 endlich in einer Elektroversion, die den Beinamen "Lightning" trägt, erhältlich. Allradantrieb und zwei Motoren sind bei ihm obligatorisch; sie liefern im Höchstfall eine Gesamtleistung von 563 PS und ein Drehmoment von 775 Newtonmetern. Die maximale Reichweite beziffert Ford mit 482 Kilometer. Und den Grundpreis mit 55.974 Dollar (53.000 Euro) für die auf gewerbliche Kunden zugeschnittene Basisversion F-150 Lightning Pro.

Ford Maverick und Ranger Lightning

Bei der Präsentation des F-150 Lightning verriet Ford-Boss Farley in einem Nebensatz, dass der Autobauer ein weiteres elektrisches Pick-up-Modell in der Pipeline hat. Zusätzlich hat der US-Hersteller in Europa Mitte Juli 2022 zwei vielsagende Pick-up-Namen für den europäischen Markt schützen lassen: Maverick Lightning und Ranger Lightning. Sollte Ford seiner Nomenklatur treu bleiben, erhalten also auch die kleineren Pick-up-Baureihen rein elektrisch angetriebene Ableger.

Fragt sich, welche Plattformen Ford unter die Modelle steckt. Ford-Produktvorstand Hon Thai-Tang kündigte im vergangenen Jahr gleich zwei neue Elektro-Plattformen an, darunter eine für Mid-Size-Pick-up-Modelle. Einer der Baukästen trägt die Bezeichnung GE2. Er dient künftig als Basis für fast das gesamte Ford-Elektro-Portfolio, kann sowohl Hinter- als auch Allradantriebe abbilden und kommt speziell für den elektrischen Ranger infrage. Der kleinere Elektro-Maverick könnte dagegen den modularen Elektro-Baukasten (MEB) des VW-Konzerns nutzen, auf den der Hersteller im Rahmen einer Kooperation Zugriff hat.

Scout Elektro-Pick-up

Apropos Volkswagen: Die Wolfsburger wollen ebenfalls in diesem Wachstumsmarkt mitmischen. Allerdings nicht unter VW-Flagge: Der Elektro-Pick-up soll als Scout in den USA auf den Markt kommen; den Markennamen kann der Konzern seit der Übernahme des US-Lkw-Herstellers Navistar nutzen. Zu technischen Einzelheiten ist allerdings noch gar nichts bekannt. Es heißt lediglich, Volkswagen strebe eine Markteinführung des Scout-Elektro-Pick-ups 2026 zu Preisen ab etwa 40.000 Dollar (fast 38.000 Euro) an.

VW Scout Teaser
Scout Motors
VW plant neben einem Scout Pick-up auch einen robusten SUV.

Canoo Pick-up Truck

2023 soll der Pick-up-Truck von Canoo auf den Markt kommen – wenn das Start-up bis dahin seine finanzielle Turbulenzen in den Griff bekommt. Das in Los Angeles ansässige Unternehmen nutzt eine Skateboard-Plattform, deren Antriebskomponenten in der zweimotorigen Variante mehr als 608 PS und maximal 746 Newtonmeter bereitstellen. Die Reichweite erscheint mit gut 322 Kilometern zwar recht schmal; dafür überzeugt der Canoo mit vielen praktischen Details, die das Leben von Handwerkern und Outdoor-Enthusiasten enorm erleichtern dürften. Hinzu kommt das Design mit steil abfallender Front, durch die der Kalifornier aus der Masse der neuen Elektro-Pick-ups heraussticht.

Alpha Motors Wolf und Superwolf

Mit einem eher lifestyligen Anstrich kommen die Elektro-Pick-ups des Start-ups Alpha Motors daher. Mit ihrem Design erinnern der Wolf mit Single- oder Extended-Cab sowie die Crew-Cab-Variante Superwolf an die kompakten, eher dynamisch ausgerichteten Pick-ups der Siebziger- und Achtzigerjahre. Da sie sich eine Plattform teilen, gleichen sich die technischen Details: Auf Wunsch sitzt an jeder Achse ein Elektromotor, was die Pritschenwagen zu Allradlern macht. Die Reichweite soll im Bereich zwischen 450 und 500 Kilometer liegen. Skepsis ist allerdings angebracht, denn bisher präsentierten die Amerikaner nur Renderings von ihren Elektro-Pick-ups, für die schon eine ganze Zubehör-Palette – vor allem für Camper und andere Outdoor-Abenteurer – geplant ist. Genaue technische Daten sind bisher ebenso unbekannt wie der Zeitpunkt der Markteinführung. Bestellungen (zu vollen Preisen übrigens) nimmt Alpha Motors allerdings schon jetzt freudig entgegen.

GMC Hummer EV

Der elektrisch angetriebene General Motors-Pick-up, mit dem der Konzern die Modellbezeichnung Hummer reaktiviert, hat bei seiner Vorstellung ähnlich viel mediale Aufmerksamkeit erregt wie seinerzeit der Cybertruck. Ist ja logisch bei diesen beeindruckenden Daten: Für die dreimotorige Topversion nennt GMC (unter dem Dach der Marke firmiert der Hummer künftig) mehr als 1.000 PS und ein Drehmoment-Maximum von knapp 15.600 Newtonmetern (an den Rädern gemessen; kombinierter Wert beider Achsen). Das Robust-Design ist Hummer-typisch und halbautonome Fahrfunktionen sind ebenso an Bord wie innovative Offroad-Features, darunter Unterboden-Kameras sowie eine Allradlenkung samt Crab-Mode: Hier lassen sich per Tastendruck die vorderen und hinteren Räder diagonal stellen, um das Fahrzeug fast seitlich zu bewegen. Das seit Dezember 2021 erhältliche, 112.595 Dollar (fast 107.000 Euro) teure Einführungs-Modell "Edition 1" ist längst vergriffen. Deshalb nimmt GMC aktuell keine Bestellungen für den Hummer EV entgegen. Interessenten müssen wohl bis Frühjahr 2024 warten; für diesen Zeitpunkt ist die 79.995 Dollar (knapp 76.000 Euro) teure Einstiegsversion geplant.

GMC Sierra Denali EV

Bei einem E-Pick-up bleibt es für die General-Motors-Marke nicht. Im Oktober 2022 hat GMC mit dem Sierra Denali EV einen elektrischen Pritschenwagen der "Full-Size-Klasse" angekündigt, der direkt den Ford F-150 Lightning angreift. Er nutzt analog zum Hummer die Ultium-Plattform des Konzerns. Die Maximalwerte: 562 kW (764 PS), 1.064 Newtonmeter und 640 Kilometer Reichweite. Allerdings liegt der Marktstart noch weit in der Zukunft: Anfang 2024 kommt zuerst die 107.000 Dollar (101.500 Euro) teure Einführungsversion "Edition 1", bevor in der zweiten Hälfte des genannten Jahres die regulären Modellvarianten zu den Händlern rollen werden.

Chevrolet Silverado EV

Wie die bisherigen Pick-up-Modelle der Markenschwestern wird der elektrische GMC weitgehend baugleich mit dem ebenfalls lokal emissionsfrei angetriebenen Chevrolet Silverado EV sein. Diesen hat General Motors im April 2021 offiziell bestätigt, kurz nach der Elektronikmesse CES im Januar 2023 ist die Markteinführung geplant. Seinen Batterieantrieb übernimmt er vom GMC Hummer EV und dessen Ultium-Plattform, der neben den Antriebskomponenten auch einen Akku beinhaltet, der für eine Reichweite von über 640 Kilometern gut sein soll. Auch die für den Silverado EV konkret angekündigte Allrad-Lenkung kennen wir bereits vom Hummer. Da ist es nur logisch, dass die Produktion parallel zum Hummer und Sierra-Ableger in der Factory Zero in Detroit-Hamtramck aufgegleist werden soll.

Ram 1500 Rev

Der Stellantis-Konzern hat sich aus dem Ankündigungs-Wettrennen in Sachen Elektro-Pick-ups lange herausgehalten. Im Rahmen der Ankündigung der Stellantis-Elektro-Offensive im Juli 2021 wurde dann endlich ein Elektro-Ram in Aussicht gestellt. Wie der Konzern bekannt gab, soll der inzwischen Ram 1500 Rev getaufte E-Pick-up Ende 2024 in Serie gehen. Inzwischen kennen wir dessen Design und auch einige technische Eckdaten. Er nutzt die neue STLA-Frame-Plattform, kommt mit zwei E-Motoren (und damit Allradantrieb) und soll dank 800-Volt-Technik zu besonders schnellen Stromladungen fähig sein. Gerüchteweise soll der Ram 1500 Rev übrigens in einer Modellversion auf den Markt kommen, bei der ein Verbrenner als Range Extender fungiert.

Nikola Badger

Das Start-up Nikola aus den USA darf man durchaus als Frontalangriff auf Tesla verstehen, schließlich war dies der Vorname des berühmten Erfinders, Physikers und Elektroingenieurs, nach dem Elon Musk seine Firma benannt hat. Doch die Attacke verpuffte: Nachdem ein Investor Betrugsvorwürfe gegen Nikola veröffentlichte, musste erst Firmenchef Trevor Milton zurücktreten. Danach zog sich ein Investor nach dem anderen zurück, und General Motors blies die geplante tiefgreifende Technik-Kooperation ab. Bedeutet: Der Elektro-Pick-up namens Badger, dessen Marktstart ursprünglich für September 2020 geplant war, kommt nun gar nicht. Das Besondere: Nikola plante nicht nur eine batterieelektrische Variante mit 460 PS Dauer- und 920 PS Spitzenleistung, sondern auch eine Kombination aus elektrischem Antriebsstrang, Lithium-Ionen-Batterie, Superkondensatoren und Brennstoffzelle als Range Extender. Doch daraus wird nun nichts. Die Konkurrenz wird's freuen.

Rivian R1T

Rivian dürfte den schnellen Niedergang des Konkurrenten Nikola mit positiven Gefühlen aufgenommen haben – ein Konkurrent weniger! Das Start-up aus dem US-Bundesstaat Illinois kam zudem am besten aus den Startlöchern und produziert seinen R1T bereits in Serie. Das Modell ist damit der erste rein elektrisch angetriebene und in Serie produzierte Fullsize-Pick-up auf dem US-Markt. Seine vier radnah installierten Elektromotoren sollen eine Gesamtleistung von 588 kW (800 PS) und im Höchstfall 1.120 Newtonmeter liefern. Die maximal mögliche Batteriegröße (180 Kilowattstunden) soll für eine Reichweite von bis zu 640 Kilometern sorgen. Als Basispreis ruft Rivian für den 5,50 Meter langen R1T 73.000 Dollar (69.200 Euro) auf.

Atlis XT

Aus der Rubrik "Bei der Geburt getrennt" hätte neben dem Rivian bis vor Kurzem der Atlis XT stammen können, denn beide Elektro-Pick-ups ähnelten sich stark. Offenbar zu stark nach dem Geschmack des Start-ups aus Arizona: Die ersten Atlis-Prototypen sehen nun völlig anders aus und ähneln eher dem Cybertruck. Die technischen Analogien zum Rivian R1T bleiben aber erhalten: Beim XT verfügt ebenfalls jedes Rad über einen eigenen E-Motor und liefern drei Batterieoptionen bis zu 805 Kilometer Reichweite. Das zulässige Gesamtgewicht soll bei knapp 16 Tonnen liegen, was auf eine enorm große Anhängelast hindeutet. Im Gegensatz zu den aktuellen Lowtech-Pick-ups soll der Atlis mit XXL-Bildschirmen, Apple Carplay- und Android Auto-Konnektivität und irgendwann auch autonomem Fahren auf Level 5 sehr fortschrittlich ausgerüstet sein. Die Markteinführung des ab 45.000 Dollar (fast 42.700 Euro) erhältlichen Atlis XT war ursprünglich für 2021 geplant. Doch daraus wurde nichts, und einen neuen Termin nennen die Amerikaner noch nicht.

Bollinger B2

Der Bollinger B2 sollte eigentlich seit Jahresbeginn 2021 auf dem Markt sein. Aber auch hier warf die Realität die Köpfe hinter dem Start-up auf den harten Boden der Tatsachen. Nachdem der Hersteller dessen Markteinführung wegen Geldmangels sogar auf unbestimmte Zeit verschoben hatte, soll die Baureihe nach der Übernahme durch den kalifornischen E-Auto-Hersteller Mullen Automotive wahrscheinlich 2024 anlaufen. Der B2 ist ein Pritschenwagen mit extremer Kantenoptik, dessen an jeder Achse positionierte Elektromotoren zusammen 458 kW (623 PS) leisten und genug Kraft (906 Newtonmeter) liefern, um den B2 mit 2,3 Tonnen zu beladen und maximal 3,4 Tonnen an den Haken zu nehmen. Die 120-Kilowattstunden-Batterie sollte genug Energie für 332 elektrisch gefahrene Kilometer bereitstellen. Sicherheit und Komfort werden im Elektro-Pick-up von Bollinger dagegen eher kleingeschrieben.

Lordstown Endurance

Lordstown (die Marke ist nach der Stadt benannt, in der sie ihr Modell Endurance fertigt) ereilte ein ähnliches Schicksal wie Canoo und Nikola: Shortseller-Attacken, finanzielle Probleme und technische Rückschläge sorgten dafür, dass sich der Marktstart des Elektro-Pick-ups Endurance immer weiter nach hinten verschob. Ende 2022 war es dann so weit, doch nur wenige Wochen und 40 gebaute Serienautos später musste Lordstown die Fertigung schon wieder pausieren; arge Qualitätsprobleme zwangen das Start-up zu diesem Schritt. Nach der Mehrheitsübernahme durch den iPhone-Fertiger Foxconn hat Lordstown frisches Kapital generiert und die Endurance-Produktion soll inzwischen wieder laufen. Bei ihm liefern vier radnah installierte E-Motoren zusammen bis zu 608 PS und beschleunigen ihn von null auf 60 mph (96,6 km/h) in 5,5 Sekunden sowie auf maximal 128 km/h. Als maximale Reichweite nennt Lordstown 402 Kilometer, der Grundpreis soll bei 52.500 Dollar (etwa 49.800 Euro) liegen.

Foxtron Model V

Apropos Foxconn: Der Apple-Partner geht unter die Autohersteller. Und nimmt mit seiner Fahrzeugmarke Foxtron sowie dem Model V den Markt der Elektro-Pick-ups der Ein-Tonnen-Klasse ins Visier. Die ersten Bilder zeigen ein Modell mit viertüriger Doppelkabine, kurzer Ladefläche und elektrisch betätigter Heckklappe. Die Reichweite wird mit 420 Kilometern angegeben. Wasserdurchfahrten dürfen bis zu 80 Zentimeter tief sein. Gebaut werden soll das Model V in Taiwan, Thailand und in den USA.

Foxconn Foxtron Model V Pick-up
Foxconn
Mit dem Model V hat Foxtron einen Elektro-Pick-up im Ford-Ranger-Format präsentiert.

Workhorse W-15

Eines hatte der Workhorse W-15 den zuvor präsentierten Elektro-Pick-ups voraus: Man konnte ihn bereits kaufen und erste Exemplare sollen auch schon veräußert worden sein. Aber wohl nicht genug: Das Start-up soll 2019 bereits Verluste im mittleren zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich verzeichnet haben und schweigt den W-15 derzeit tot. War er mit zwei zusammen 460 PS starken E-Motoren zu schwach auf der Brust? Oder die Elektro-Reichweite von 108 Kilometern zu gering? Letzteres sollte ein als Range Extender fungierender Benzinmotor ausbügeln, der den Aktionsradius auf rund 500 Kilometer erhöhte. Offenbar ohne Erfolg.

Neuron EV T/One

Noch ganz am Anfang steht das E-Auto-Start-up Neuron EV. Im Herbst 2019 stellten die Kalifornier bei einer Messe in China ihre ersten Modelle vor. Darunter den T/One, einen Pickup mit aerodynamisch geformter Karosserie. Konkrete Daten nennt Neuron EV bislang zwar noch nicht, aber die Firma will ihre Autos mit modularen Antriebssträngen ausstatten. Zudem sollen die Plattformen hochgradig flexibel und skalierbar sein, was unterschiedliche Fahrzeuglängen gewährleisten und die Kosten für die Produktion niedrig halten soll. Wann Letztere startet und zu welchen Preisen der T/One erhältlich sein soll, ist noch nicht bekannt.

Wolfgang L.A. Thundertruck EV

Die in Los Angeles beheimatete Firma Wolfgang hat mit dem Thundertruck EV ihr erstes Auto-Projekt vorgestellt. Die Kalifornier präsentierten neben einer zwei- auch eine dreiachsige Version des extrem gestylten Pritschenwagens, der sehr wandelbar sein und über eine im Stand ausklappbare Photovoltaikanlage verfügen soll. Die Daten der 6x6-Variante lassen aufhorchen: 953 PS, höchstens 1.627 Newtonmeter, eine Anhängelast von bis zu fünf Tonnen und gut 900 Kilometer Reichweite. Die Serienchancen sind jedoch überschaubar: Die zwischen Beratungs- und Werbeagentur angesiedelte Firma will mit dem bisher lediglich virtuell existierenden Projekt wohl engere Bande mit der Autoindustrie knüpfen.

Hercules Alpha

Ebenfalls noch Zukunftsmusik ist der Alpha des 2018 in Detroit gegründeten Herstellers Hercules EV. Obwohl es bislang nur Ankündigungen gibt, soll der Elektro-Pick-up schon bald in Serie gehen. Und zwar mit bis zu 1.000 PS und maximal 1.100 Newtonmetern sowie skalierbarer Batterie, deren Reichweite sich dank der festen und mit Solarzellen versehenen Ladebett-Abdeckung erweitern lassen soll. Wie der Hercules Alpha aussehen könnte, zeigen bisher nur Computer-Renderings. Das Serien-Design soll jedoch das renommierte Studio Pininfarina verantworten, das erst nach Veröffentlichung der Bilder an Bord geholt wurde.

Hercules Alpha EV Pickup
Hercules EV
Das Rendering zeigt einen Design-Stand aus der Vor-Pininfarina-Zeit.

Kandi K32 EV

Viel konkreter wird da Kandi America, ein derzeit aus China in die USA expandierender E-Auto-Hersteller. Das Modell Kandi K32 EV ist 5,44 Meter lang, wiegt ungefähr 1,9 Tonnen und verfügt über Allradantrieb. Ein ausgewachsener Elektro-Pick-up, oder? Stutzig machen die technischen Daten: Der zweimotorige Pritschenwagen leistet gerade einmal 42 kW / 57 PS, fährt höchstens 105 km/h schnell und kommt mit seiner Standard-Batterie nur 97 Kilometer weit. Etwas schwachbrüstig für einen Pick-up – nicht aber für ein UTV. Das sind eigentlich Quads mit Nutzfahrzeug-Anspruch und Ladefläche, und Kandi positioniert den K32 EV als "geländegängiges, vollelektrisches UTV mit Doppelmotor und Allradantrieb". Wir sind gespannt, ob sich dieses Konzept den leistungsstarke Modelle gewöhnten US-Pick-up-Käufern erschließt. Skepsis ist zumindest angebracht.

Geely Radar RD6

Geely, der Mutterkonzern von Volvo, Polestar und Lotus, hat extra die Submarke Radar aufgelegt, um elektrisch angetriebene Outdoor-Lifestyle-Fahrzeuge anzubieten – darunter neben SUV-Modellen und ATVs auch einen Pick-up. Der heißt RD6, befindet sich in China inzwischen auf dem Markt und nutzt mit der SEA-Plattform jenen technischen Unterbau, den wir beispielsweise vom neuen Smart #1 kennen. Dass damit trotz 5,20 Meter Länge kein XXL-Arbeitstier möglich ist, überrascht kaum. Mit einer Zuladung von nur 450 Kilogramm bleibt der Radar RD6 weit unter der klassenüblichen Tonne. Der Preis liegt umgerechnet bei etwa 36.600 Euro.

Maxus T90 EV

Maxus ist Teil des Autogiganten SAIC, zu dem auch MG Roewe gehört. In Europa bieten die Chinesen mit dem T90 EV einen Elektro-Pick-up an, der auf dem in China angebotenen T90 mit Verbrennungsmotoren basiert. Der E-Motor leistet 130 kW (177 PS) und treibt die Hinterräder an. Energie liefert eine 89 kWh große Batterie. Die Zuladung beträgt 925 Kilogramm, das Ladebett misst 1,51 mal 1,49 Meter. In Deutschland kostet der Maxus T90 EV 54.990 Euro netto, also etwa 65.440 Euro mit Mehrwertsteuer und vor Abzug der E-Auto-Förderprämie.

Maxus GST Concept

Die SAIC-Nutzfahrzeug-Marke Maxus plant aber bereits ihren E-Pick-up der Zukunft. Auf der Shanghai Auto Show 2023 zeigten die Chinesen den GST Concept, der ein deutlich moderneres und spektakuläreres Design als der T90 EV aufweist. Beim Antrieb setzt er auf vier radnahe E-Motoren, die zusammen 1.014 PS liefern und den GST zu einem "Tank Turn" befähigen. Die Batterie soll eine Reichweite von 1.000 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Zyklus ermöglichen. Im Gelände soll der Maxus GST ebenfalls weit kommen – wenn er denn je in Serie produziert wird. Letzteres ist nämlich noch längst nicht sicher.

Kaiyun Motors Pickman

Muss ein Pick-up immer riesig sein? Der chinesische Hersteller Kaiyun Motors beantwortet diese Frage klar mit "nein". Mit dem Pickman hat der Hersteller einen gerade einmal 3,57 Meter kurzen Elektro-Pritschenwagen im Programm, der immerhin 600 Kilogramm Zuladung erlaubt. Das Maximaltempo wird mit 50 km/h angegeben, die Reichweite mit maximal 120 Kilometern. Als Traktionsbatterie kommt ein Blei-Säure-Akku, wie man ihn als Starterbatterien bei Verbrenner-Fahrzeugen kennt, zum Einsatz. Entsprechend lange Ladezeiten sind zu erwarten.

Dongfeng Rich 6 EV

Ebenfalls aus China kommt der bereits erhältliche Dongfeng Rich 6 EV. Der Pick-up basiert auf dem Navara-Fahrgestell des Joint-Venture-Partners Nissan und bezieht seine Energie aus einem 68-Kilowattstunden-Akku, der eine NEFZ-Reichweite von 402 Kilometern erlauben soll. Der 119 kW (162 PS) starke Dongfeng ist mit 109 km/h Topspeed allerdings nicht besonders schnell. Erhältlich ist er bisher nur in seiner Heimat, wo er nach Abzug von staatlichen Subventionen umgerechnet ungefähr 16.900 Euro kostet.

JAC iEV 330P

Ebenfalls aus China kommt der JAC iEV 330P. Der Hersteller, der unter anderem ein Joint Venture mit Volkswagen unterhält, bietet seinen Elektro-Pickup seit April 2020 an – vorerst allerdings nur in Brasilien. Der 5,60 Meter lange iEV 330P verfügt über eine 67-Kilowattstunden-Batterie und kommt damit bis zu 300 Kilometer weit. Die Motordaten: 150 PS und maximal 324 Newtonmeter, die den maximal 2,2 Tonnen schweren JAC in neun Sekunden von Null auf Hundert beschleunigt.

Vinfast Elektro-Pick-up

Vinfast könnte einen rein elektrisch angetriebenen Pick-up ins Programm nehmen. Dies hat ein Manager der vietnamesischen Marke im Sommer 2022 bestätigt. Ein solches Modell hat der Hersteller 2020 bereits patentieren und gestalten lassen. Allerdings müssten die Marktbedürfnisse stimmen. Sollten die ursprünglichen Entwürfe des Ex-Italdesign-Zeichners Filippo Perini in die Serie überführt werden, bahnt sich ein Pritschenwagen mit eher lifestyligem Anspruch an. Die Entwürfe stammen noch aus dem Verbrenner-Zeitalter und zeigen unter anderem Auspuff-Endrohre. Vinfast ist aber inzwischen eine rein elektrische Marke, sodass auch ein möglicher Pick-up auf einen Stromantrieb setzen würde.

Truckla-Pick-up auf Tesla Model 3-Basis

Einige Leute können die Premiere des Tesla-Pick-ups nicht erwarten. Youtuberin Simone Giertz gehörte anscheinend zu diesen Menschen, weshalb sie sich einfach selbst einen solchen baute. Zusammen mit drei weiteren Youtubern und einigen anderen Helfern entstand der Truckla. Ein Tesla Model 3 mit Ladefläche, Gerüst für den Holztransport, Zusatzscheinwerfern und 110-Volt-Stromanschluss. Bislang planen Giertz und Co. keine Serienproduktion ihrer Tesla-Kreation. Aber das übernimmt Elon Musk ja in absehbarer Zeit selbst.

Fisker Alaska

Der bevorzugte Kommunikationskanal des Tesla-Chefs ist bekanntlich Twitter. Ähnlich scheint es bei Henrik Fisker zu sein. Der Däne nutzte den Kurznachrichtendienst, um ein weiteres Elektroauto anzukündigen. Dazu veröffentlichte er ein Foto, dass eindeutig einen Pick-up von hinten zeigt. Wenige Wochen später setzte er einen Tweet ab, der den Namen des elektrisch angetriebenen Pritschenwagens verriet: Alaska. Technische Einzelheiten blieb der Däne schuldig. Nur so viel: Die neuen Modelle sollen auf der Plattform des bereits vorgestellten SUVs Ocean basieren. Dieses zeichnet sich durch E-Motoren an jeder Achse, eine Systemleistung von bis zu 410 kW (557 PS) und einen maximal knapp über 100 Kilowattstunden großen Lithium-Ionen-Akku aus, der eine Reichweite von höchstens 630 Kilometern garantieren soll.

Fisker Pickup
Fisker
Der elektrische Fisker Pick-up dürfte eine SUV-Plattform nutzen.

Karma EREV Conversion Project

Plant auch das Elektroauto-Start-up Karma einen Elektro-Pick-up? Das im Rahmen der LA Auto Show 2019 präsentierte EREV Conversion Project legt es nahe. Auf ersten Bildern ist klar ein Pick-up mit eckigem, viertürigem Fahrerhaus samt Solarmodulen auf dem Dach und freier Ladefläche zu sehen. Er basiert auf der Skateboard-Architektur des aktuellen Revero, die sowohl einen rein elektrischen als auch einen Antrieb mit Range Extender darstellen kann. Der vorgestellte Pick-up verfügt über Letzteren mit zwei zusammen 536 PS starken Elektromotoren und einem 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner von BMW. Marktstart? Schwer zu sagen.

Karma Elektro-Pickup Teaser
Karma
Fahrerhaus, Ladefläche, grobstollige Reifen: Auf dem Teaserbild ist klar ein Karma-Pick-up zu sehen.
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Fazit

Elektrisch angetriebene Pick-ups könnten ein riesiger Markt werden. Entsprechend viel tut sich gerade in diesem Segment. Doch sowohl die Start-ups als auch die etablierten Hersteller treffen auf drei zentrale Probleme. Erstens: Amerikanische Pick-up-Käufer gehören wohl zu den konservativsten Autokunden der Welt – ob sie sich vom E-Antrieb überzeugen lassen? Zweitens: Verbrenner-Pick-ups sind in den USA sehr günstig zu haben. Ihre Elektro-Pendants dürften deutlich teurer werden. Fraglich, ob die Klientel bereit sein wird, in manchen Fällen mindestens das Doppelte der aktuellen Preise zu bezahlen. Und drittens: Pick-up-Fahrerinnen und -Fahrer ziehen mit ihren Autos gerne dicke Anhänger durch die Lande. Schaffen es die Hersteller, dafür zu sorgen, dass dieser Einsatzzweck die Batterie nicht allzu schnell leer saugt?

Die aktuelle Ausgabe
AUTO MOTOR UND SPORT 05 / 2024
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Erscheinungsdatum 15.02.2024

148 Seiten