Neuer Porsche Macan im Detail
Elektro-Porsche mit 1.130 Nm

Nach ziemlich genau zehn Jahren schickt Porsche die zweite Generation des Macan an den Start und die kommt vollelektrisch. Wir haben alle Details zur Technik, zum Antrieb und zum neuen Infotainment – und schon einmal im neuen Macan Platz genommen.

Eigentlich sollte der neue Porsche Macan mit E-Antrieb schon 2023 vorgestellt werden und das erste Fahrzeug sein, dass auf der von Porsche und Audi gemeinsam entwickelten Premium Plattform Electric (PPE) aufbaut. Allerdings gab es bei VW-Tochter Cariad, die für die Entwicklung der Software verantwortlich ist, einige Verzögerungen, sodass die zweite Generation des Porsche Macan erst 2024 zu den Kunden rollt.

Der große E-Ratgeber

Design und Maße des elektrischen Macan

Schon auf den ersten Blick erkennt man die Verwandtschaft zum Vorgänger des kleineren Porsche-SUV. Dennoch wurden nahezu alle Details des Viertürers neu gezeichnet, angefangen bei der Front. Die startet deutlich tiefer als früher und sperrt das Kühlergrill-Maul nicht mehr ganz so weit auf. Denn der neue Macan muss – vermutlich aerodynamisch optimiert – die Zähne zusammenbeißen und mit deutlich weniger Gitterfläche vorn auskommen. So wandert der Grill beim Neuen unter das Kennzeichen. Den unteren Abschluss der Frontschürze bildet eine markante Spoilerlippe.

Ebenfalls neu: die Leuchten. Die Tagfahrlichter fügen sich deutlich stärker in die Karosserie ein, sind flacher und bringen eine ganz neue Grafik mit. Aus dem Vier-Punkte-Design wird beim neuen Elektro-Macan eine Vier-Strich-Signatur. Die Hauptscheinwerfer (optional als Matrix LED zu haben) wandern in den unteren Teil der Front.

SUV mit Coupéanleihen

Schon in der Seitenansicht gut erkennbar, aber vor allem beim Blick aufs Heck deutlich: Die extrem flache Heckscheibe – zumindest im Reigen der SUV. Beinahe coupéaartig fällt das Heck ab, was durch das breite, durchgehende und gleichförmige LED-Band am Kofferraum noch einmal unterstützt wird. Passend zur Coupé-Line – und ein Fest für die Freunde ausgefeilter Ingenieurskunst: Der neue Macan kommt mit rahmenlosen Seitenscheiben. In diesem Segment ist das keine Selbstverständlichkeit.

Insgesamt wirkt der neue Macan etwas flacher, wobei die Abmessungen im Vergleich zum Vorgänger vor allem bei der Länge zulegen. Mit 4,78 Metern ist er knapp zehn Zentimeter länger als die erste Generation. In der Höhe legt sogar rund fünf Zentimeter zu und misst 1,66 Meter und in der Breite sind es mit dem Vorgänger vergleichbare 1,94 Meter. Der Radstand wächst in diesem Zuge ebenfalls. Mit einem Plus von 86 Millimeter kommt der elektrische Porsche Macan fortan auf 2,89 Meter zwischen den Achsen. Auf die werden ab Werk Optionsräder mit Mischbereifung bis 22 Zoll aufgesteckt.

Aerodynamisch setzt der neue Macan auch Maßstäbe. Mit aktiven und passiven Aerodynamikelementen optimiert, kommt er auf einen cW-Wert von 0,25. Damit wurde der Luftwiderstandsbeiwert vom Vorgänger um 10 Punkte von 0,35 gesenkt, was sich primär auf die Reichweite positiv auswirken dürfte.

Innenraum, Platzverhältnisse und Variabilität

Von den neuen Abmaßen profitieren vor allem die Passagiere. Denn selbst in der zweiten Reihe ist im elektrischen Macan ausreichend Platz – wenngleich das flach abfallende Dach großgewachsenen im Fond zu Kompromissen zwingt. Denn auch wenn die tiefere Sitzposition (bis zu 28 mm vorn und 15 mm hinten) mehr Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen verspricht, ein Raumwunder wird der Macan damit nicht. Es heißt also Rumlümmeln mit Kopffreiheit und Enge bei den Knien oder eben Beinfreiheit und dafür weniger Luft zum Dach.

Mehr Platz bietet der Elektro-Macan fürs Gepäck. Im Heck schluckt der Porsche SUV bis zu 540 Liter, wenn die Fondsitze in der aufrechten Cargo-Position stehen, im Frunk, vorn unter der Haube finden sich weitere 84 Liter Stauraum und damit bereits 136 Liter mehr Ladevolumen als bei der ersten Macan-Generation. Wird die dreigeteilte Rücksitzbank umgeklappt, wächst das Ladevolumen auf 1348 Liter.

Infotainment auf Android-Basis

Am eigentlichen Ort des Geschehens, auf dem Fahrersitz, ist von Knappheit nichts zu spüren. Hochwertige Materialien und klare Linien treffen auf gewaltige Display-Landschaften, die sich bis auf den Beifahrersitz erstrecken und das Interieur dominieren. Tief ins Cockpit integriert, ist der Fahrer von vier Displays umringt: vorn das 12,6 Zoll große, volldigitale Kombiinstrument mit gebogenem Bildschirm. Auf derselben Höhe rechts daneben das Zentraldisplay (10,9 Zoll Bildschirmdiagonale) für die üblichen Infotainment- und Navigationsfunktionen. Noch ein paar Zentimeter weiter rechts gibt es nach dem Vorbild des Taycan und Cayenne fortan auch im Macan ein eigenes, optionales Display für den Beifahrer. Das misst ebenfalls 10,9 Zoll in der Diagonale und ermöglicht es dem Beifahrer Einstellungen am Infotainment vorzunehmen oder während der Fahrt Videoinhalte zu streamen.

AR-Headup-Display und Android Automotive OS

Als vierter Screen fungiert das neue Head-up-Display, das auf Augmented Reality-Inhalte setzt. Das heißt, die angezeigten Informationen werden nicht starr auf einen Punkt projiziert, sondern passen sich der Umgebung an. So zeigen beispielsweise Animationen bei der Navigation die Fahrspur auf der Straße an oder geben Aufschluss darüber, in welche Straße abgebogen werden muss. Entsprechend groß muss für so viel Fläche auch die Projektion sein. So er scheint das Bild in rund 10 Metern Entfernung in der Größe eines 87-Zoll-Displays.

Erstmals bei Porsche ist ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Technologie verfügbar.

Als Basis fürs Infotainment setzt der neue Elektro-Macan auf Android Automotive OS und erreicht laut Porsche damit neue Dimensionen in Sachen Rechenleistung. Möglich machen das moderne Samsung-CPUs mit mehreren Kernen. Das Ergebnis: der Sprachassistent "Hey Porsche" schlägt ohne lange Wartezeiten Navirouten inklusive Ladestopps vor. Außerdem können die Passagiere dank Android Automotive über das Porsche App Center direkt auf Apps von Drittanbietern zugreifen und diese im Macan installieren. Dazu zählen in Europa die Musikdienste wie "Spotify", "Amazon Music" und "TuneIn Radio", die Streaming-Plattformen "YouTube" und "DAZN", das Konferenzsystem "Cisco WebEx" sowie Spiele wie "Beach Buggy Racing" und die Smarthome-App "Home Assistant".

Der E-Antrieb von Macan 4 und Macan Turbo

Zum Start gibt es den neuen Elektro-Macan in zwei Varianten. Das Einstiegsmodell bildet dabei der allradgetriebene Macan 4, der auf zwei permanenterregte Synchronmaschinen (PSM) an Vorder- und Hinterachse setzt. Zusammen mit der Launch Control kommt der elektrische Macan 4 so auf 300 kW (408 PS) Overboost-Leistung. Das maximale Drehmoment liegt bei 650 Nm. Der stärkere, ebenfalls mit zwei PSM ausgestattete Macan Turbo bringt es so sogar auf 470 kW (639 PS) Leistung. Noch einmal deutlich darüber liegt sein maximales Drehmoment. Das gibt Porsche beim elektrischen Macan Turbo mit 1.130 Nm an.

Für den Sprint von null auf 100 km/h vergehen beim Macan Turbo so gerade einmal 3,3 Sekunden. V-Max erreicht der Turbo bei 260 km/h. Im Macan 4 mit Elektroantrieb vergehen 5,2 Sekunden für den Standardsprint, bei 220 km/h wird abgeriegelt.

Vor allem auf kurvigem Terrain von Vorteil: Der Elektro-Macan bekommt mit PTV Plus (Porsche Torque Vectoring Plus) eine elektronisch geregelte Quersperre an der Hinterachse. Hinzu kommt eine optionale Luftfederung (Serie beim Turbo) und eine elektronische Dämpferregelung (Porsche Active Suspension Management, kurz PASM). Die gibt es optional auch mit der Stahlfederung, neuerdings aber immer mit Zwei-Ventil-Technik, wodurch sich das Dämpferkennfeld erweitert und eine größere Bandbreite zwischen Komfort und Performance ermöglicht wird. Die Gewichtsverteilung des Fahrzeugs liegt bei 48 zu 52 Prozent.

Ebenfalls neu im elektrischen Macan: Die optionale Hinterachslenkung. Ihr maximaler Einschlagwinkel liegt bei fünf Grad. Das soll das Rangieren im Stadtverkehr erleichtern und den Wendekreis auf 11,1 Meter senken. Zudem erhöht sie bei höheren Tempi die Fahrstabilität.

Reichweite und Ladeleistung

Bei der Batterie setzt die PPE und damit auch der elektrische Macan auf eine 800-Volt-Architektur mit 8:1:1-NMC-Technologie (Mischungsverhältnis 8 Teile Nickel, ein Teil Mangan, ein Teil Kobalt). Die Batterie ist als zwölf prismatische Zellen aufgeteilt und kommt auf eine Bruttokapazität von 100 Kilowattstunden, von denen 95 kWh aktiv genutzt werden können. In Fahrkilometer umgerechnet entspricht das einer Reichweite von bis zu 613 km beim Macan 4 und 591 km beim Macan Turbo. Der Verbrauch lässt sich damit auf knapp 16,1 kWh/100 Kilometer beim Macan Turbo ableiten und etwa 15,5 kWh/100 Kilometer beim elektrischen Macan 4, wenn man die 95 kWh zugrunde legt. Den WLTP gibt Porsche aber beim Macan 4 mit 17,9 bis 21,1 kWh an und beim Macan Turbo mit 18,8 bis 20,7 kWh pro 100 Kilometer.

Die Spitzenladeleistung gibt Porsche mit 270 kW am DC-Schnelllader an. So klettert der Ladezustand (State of Charge, kurz SOC) in 21 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Das funktioniert systembedingt aber nur an 1.000-Volt-Gleichstrom-Ladern. Am 500-Volt-Lader-Schnelllader muss auf das sogenannte Bank-Laden gewechselt werden. Dafür wird die Batterie elektronisch in zwei Teile zu je 400 Volt Nennspannung geteilt. Das Fahrzeug übernimmt das automatisch – allerdings wird die Ladezeit so fast doppelt so lang und die Spitzenladeleistung liegt nur noch bei 135 kW. Fürs Wechselstromladen, etwa an der heimischen AC-Wallbox, bringt der Elektro-Macan einen Inverter mit bis zu 11 kW Ladeleistung mit. Perspektivisch sind aber auch Varianten mit 22-kW-Lader möglich.

Marktstart und Preise des Elektro-Macan

Die Produktion des zweiten Macan in Leipzig ist schon angelaufen. Die ersten Auslieferungen an die Kunden sollen in der zweiten Jahreshälfte starten. In Europa fährt der Macan aufgrund neuer EU-Vorgaben ausschließlich elektrisch. In anderen Märkten wird der Vorgänger mit Verbrenner aber noch weiter angeboten.

Die Preise für den Elektro-Macan liegen deutlich über denen der ersten Generation. Denn mit einem Basispreis von 84.100 Euro für den elektrischen Macan 4 kostet der Allradler knapp 15.000 Euro mehr als der Basis-Verbrenner mit Reihenvierzylinder (69.895 Euro für den Porsche Macan, Stand 25.1.2024). Den elektrischen Macan Turbo gibt es ab 114.600 Euro – und damit für ebenfalls über 18.000 Euro mehr als das Verbrenner-Top-Modell, den Macan GTS (ab 96.075 Euro, Stand 25.1.2024).

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Fazit

Porsche bringt 2024 den elektrischen Macan auf der PPE-Plattform mit 800-Volt-Ladetechnik und 100-kWh-Akkus auf den Markt. Technisch bietet das zweite Elektromodell der Zuffenhausener einige Leckerbissen – darunter eine komplett neue Software-Architektur auf Android Automotive OS. In der Topversion liefert der kompakte E-SUV bis zu 639 PS und extreme Fahrdynamik-Reserven.