Porsche Mission X
918-Spyder-Erbe – in unter 1,9 Sekunden auf 100

Zum 75. Geburtstag seiner Sportwagen zeigt Porsche die Studie Mission X. Das Hypercar in der Tradition eines 959 oder Carrera GT. Der Neue fährt aber rein elektrisch – mit unglaublichem Leistungsgewicht und blitzartiger Ladegeschwindigkeit.

Der Mission X ist ein rein elektrischer Super-Sportwagen, der für die Marke als Technologieleuchtturm fungieren soll, erklärt Porsche CEO Oliver Blume bei der Präsentation.

Wenn es nach den technischen Daten geht, verspricht Blume beim Porsche Mission X damit nicht zu viel. Er soll dank einer 900-Volt-Systemarchitektur "etwa doppelt so schnell" laden wie der Taycan Turbo S (275 kW), auf ein Verhältnis von Leistung und Gewicht von 1:1 (ein PS pro Kilogramm Fahrzeuggewicht) kommen und die Abtriebswerte des aktuellen Porsche 911 GT3 RS deutlich überbieten. Am Rande der Jubiläumsveranstaltung ist zu hören, dass der Mission X damit in weniger als 1,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen soll.

Goodwood 2023

Mission X soll Nordschleifen-König werden

Und der Mission X soll das schnellste straßenzugelassene Fahrzeug auf der Nürburgring-Nordschleife sein. Spannendstes Wort in dieser Porsche-Ansage: "straßenzugelassen". Denn das ist mehr als ein Hinweis auf eine Serienversion der neuen Elektro-Flunder.

Die extremen Leistungswerte des Akkus, die dafür und die Ladegeschwindigkeit notwendig sind, deuten darauf hin, dass Porsche mit der Entwicklung bei Customcells in Tübingen vorankommt. Dort entstehen Hochleistungsbatterien mit hohem Silizium-Anteil in den Anoden. Ihr Einsatz im Mission X ist allerdings laut Porsche noch nicht final entschieden.

Der Porsche Mission X setzt auf jede Menge Kohlefaser, ins Monocoque integrierte Sitzschalen aus CfK mit Sechspunkt-Gurten und vorn in der A-Säule und am Dach angeschlagene Türen wie die Le-Mans-Boliden. Die Hochleistungsbatterien des Mission X sitzen nicht wie bei den meisten Elektroautos im Boden des Fahrzeugs, sondern dort, wo bei Mittelmotorsportwagen üblicherweise der Verbrenner sitzt: hinter den Passagieren. Diese Anordnung hat Porsche schon beim Elektro-Renner Mission R gezeigt, der wohl andeutet, wie die Technik des kommenden elektrischen 718 aufgebaut ist.

Puristisches Cockpit, kleineres Infotainment

Das Cockpit des Mission X protzt nicht mit großen Screens, sondern setzt auf ein kleines Curved Display, das Lenkrad erinnert an den Motorsport. Das Infotainmentdisplay ist im Hochkantformat angebracht und ungewöhnlich klein für moderne Fahrzeuge. Vor dem Beifahrersitz gibt es eine Uhr und ein weiteres Display, das laut Chefdesigner Michael Mauer vielleicht den Puls des Beifahrers anzeigen könnte.

In den Abmessungen orientiert sich der Mission X an seinem Vorgänger, dem Porsche 918 Spyder und kommt auf eine Länge von 4,5 Meter, ist zwei Meter breit, misst in der Höhe weniger als 1,2 Meter und hat einen Radstand von 2,73 Meter. Vorn steht er auf 233/35 ZR 20 Cup2 von Michelin, hinten auf 255/30 ZR 21-Pneus.

Beim Mission X debütiert das modernisierte Porsche Wappen. Beim Mission X befindet es sich auf Fronthaube und Lenkrad sowie in einer monochromen Ausführung auf den Deckeln der Radnaben.

Mehr Le-Mans-Renner als 911

Auch wenn Porsche noch immer mit dem Einstieg in die Formel 1 liebäugelt, blickt das Hypercar-Design des Mission X eher in Richtung Langstrecken-Rennwagen. Die weit nach unten gezogene Haube, die ausgestellten Radhäuser, das beinahe freistehend wirkende Monocoque sprechen eine klare Sprache. Auf dem Heck sitzt ein großer integrierter Spoiler, die Rückleuchten sind mit einer technisch anmutenden Dreiecksgrafik abgesetzt. In der Mitte des roten Streifens leuchten die Buchstaben Porsche.

"Die Rückleuchten wollten wir so gestalten, als ob das Auto ihnen wegfährt", erklärt Michael Mauer bei der Präsentation. Insgesamt wirkt das Design wie eine Mischung aus technokratischer Perfektion und skulpturaler Ästhetik, mit seinen vielen geschwungenen Linien, die auf harte Kanten und Sichtcarbon treffen, das in Rocketmetallic lasiert ist. Als Gruß aus dem Design platzierten Michael Mauer und sein Team einen kleinen Geparden kurz auf der Höhe des Schwellers, kurz vor den Hinterrädern. "Hier haben wir wieder etwas zum Schmuntzeln untergebracht", erklärt Mauer, der auch schon bei der Studie Porsche 357 einen kleinen Dino an dieser Stelle platzierte.

Die Geschichte der Hypercars bei Porsche beginnt im Jahr 1983. Damals stellte der Sportwagenbauer mit dem Porsche 959 seinen ersten Supersportler vor, der, für die damaligen Verhältnisse beinahe undenkbar, auf eine Spitzengeschwindigkeit von 317 km/h kam. 20 Jahre später erblickte der Porsche Carrera GT das Licht der Welt. Angetrieben von einem V10 Biturbo und Kohlefaser-Monocoque. Seine V-Max lag bei 330 km/h. Weitere 10 Jahre später – zum 65. Geburtstag der Marke, läutete Porsche dann mit dem dritten Hypercar das Zeitalter der Elektrifizierung ein. Mit 887 Hybrid-PS schafft es der 918 Spyder in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und knackte seinerzeit als erstes Auto mit internationaler Zulassung die 7 Minuten auf der Nordschleife. All das soll der Porsche Mission X toppen.

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... komplett sinnlos. Wer soll sowas kaufen und auf der Straße fahren?... als Technologieträger wichtig für die Weiterentwicklung von E-Autos und ein starkes Signal, dass Porsche hier vorne dabei ist.

Fazit

Über 500 kW Ladegeschwindigkeit, ein Leistungsgewicht von 1kg/PS – mit dem Mission X würde Porsche Maßstäbe setzen. Und das nicht nur in Form eines Concept Cars. Der Mission X soll definitiv auf die Straße rollen. Wann und wie – dazu wollten die Verantwortlichen sich noch nicht auslassen. Zum Vergleich: Der Mission E debütierte 2015 auf der IAA, 2019 ging sein Serien-Pendant als Porsche Taycan in Serie. Aber nachdem die Schwaben schon Erfahrung mit elektrischen Sportwagen gesammelt haben, ist mit einer Serienversion des Mission X vielleicht schon vor 2027 zu rechnen. Im September 2023 findet wieder mal eine IAA statt – der richtige Zeitpunkt für eine Ankündigung.