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Audi E-Tron GT Facelift: Mehr Leistung und Reichweite

Audi E-Tron GT Facelift
So fühlt sich die RS-Power im Taycan-Bruder an

Analog zum Plattform-Bruder Taycan bekommt auch der Audi E-Tron GT zur Hälfte seiner Modelllaufzeit eine Modellpflege verpasst. Wir haben die technischen Details, waren bereits mit einem Prototypen unterwegs und haben uns das stärkste RS-Performance-Modell genau angeschaut.

Wäre das Leben nur ein Spiel nach Zahlen, läge der Taycan weit vorn. Zwischen 2020 und 2023 wurden in Deutschland über 18.000 Porsche Taycan, nur knapp 6.000 Audi E-Tron GT zugelassen. Dabei – da waren sich nicht wenige Beobachter einig – ist der Audi das schönere, elegantere Auto.

Exterieur-Design

Beim Design gab’s also nicht viel zu verbessern, nur Details werden verändert: So umgibt nun eine schwarze Maske den mit Wabenstruktur geprägten Single-Framegrill. Die Air Curtains, die für eine verbesserte Umströmung des Vorderrades in der Bugschürze sorgen, treten stärker hervor. Am Heck dominiert aerodynamischerer Diffusor mit vertikalen Finnen.

Unsere Highlights

Beim Facelift differenziert Audi das RS und das neue RS-Performance-Modell optisch nun stärker vom E-Tron GT, der mit dem Facelift als Basis-Version ein S im Namen trägt. Die RS-Modelle unterscheiden sich optisch durch sogenannte Blades in L-Form an der Front und einen stärker ausgeprägten sowie durchbrochenen Diffusor am Heck samt vertikalem F1-artigem Reflektor. Dazu setzt Audi optional ein mattiertes Carbondach oder ein Glasdach mit Verdunklungsfunktion ein.

Optional klebt Audi dem RS E-Tron Performance Schnipsel-Carbon à la Mansory und Lambo an Front, Heck und Flanken. Auf Wunsch verteilt Ingolstadt das "Camouflage"-Carbon auch großzügig im Innenraum. Der Gang zum Tuner ist also in Zukunft nicht mehr nötig. Da ist es doch schade, dass die vier Ringe im Grill nicht beleuchtet sind, sondern im 2D-Look weiß oder grau erstrahlen.

Apropos, neun Exterieurfarben: vom Uni-Ton Arkonaweiß über die Metallic- beziehungsweise Perleffektfarben Ascariblau, Daytonagrau, Florettsilber, Kemoragrau, Mythosschwarz und Progressivrot sind bestellbar. Exklusiv für die RS-Modelle ist Nimbusgrau und für den Performance die neue Farbe Bedfordgrün im Angebot. Auf Wunsch kann dazu auch ein Optikpaket mit geschwärzten Akzenten geordert werden.

Auch das Räderprogramm wurde überarbeitet. Es gibt ein neues 20-Zoll-Vielspeichenrad für den S E-Tron GT. Für die RS-Modelle legt Audi zusätzlich zwei geschmiedete und gefräste 21-Zoll-Räder im Sechs-Doppelspeichen-Design auf.

Interieur mit neuem Touch-Lenkrad

Kleine Updates gibt's auch innen: Sitze, Lenkrad, Einstiegsleisten und digitale Inhalte wurden neu gestaltet. Dazu kommen neue hölzerne Dekoreinlagen und anthrazitfarbener Effektlack. Etwas auffälliger ist das oben und unten abgeflachte Lenkrad. Bei den RS-Modellen heftet Audi zwei roten Bediensatelliten an – einen für die Fahrmodiwahl und einen für die Boost-Funktion: Die für zehn Sekunden 70 kW Mehrleistung entfesselt. Schade nur, dass sich der Fahrer jetzt alle übrigen Funktionen auf dem Lenkrad ertouchen muss. Audi hat anscheinend nichts aus dem VW-Touch-Lenkrad-Desaster gelernt.

Erhellender sind da schon die Sportsitze mit beleuchtetem Logo und nun serienmäßiger 14-Wege-Einstellung sowie optionaler Massagefunktion. Natürlich lassen sich diese mit allerlei Ziernaht-Farben oder lederfreien Materialien bestellen. Das Virtual Cockpit zeigt jetzt zusätzlich die Batterietemperatur und in Echtzeit die gerade mögliche maximale Ladeleistung an. Im RS E-Tron GT können Sie die Anzeigen zudem weiß einfärben, was an den RS2 Avant erinnern soll.

Mehr Power und Reichweite

Natürlich wurde auch am Antrieb gearbeitet: Mehr Performance, mehr Reichweite und fixeres Laden standen dabei im Fokus. Die permanentmagneterregten Synchronmaschinen (PSM) an der Vorder- und Hinterachse sind laut Audi effizienter und erzielen deutlich mehr Leistung. Die Gesamtleistung liegt beim S E-Tron GT bei maximal 500 kW (679 PS). Der RS E-Tron GT erreicht eine elektrische Maximalleistung von 630 kW (856 PS). Bis zu 680 kW (925 PS) stehen beim RS E-Tron GT Performance zur Verfügung. Er ist damit das stärkste Serienauto, das Audi je gebaut hat.

In allen drei Modellvarianten bietet der Gran Turismo so bessere Fahrleistungen. Der S E-Tron GT beschleunigt in 3,4 Sekunden von null auf 100 km/h, der RS E-Tron GT in 2,8 Sekunden und der RS E-Tron GT Performance in nur 2,5 Sekunden. Allerdings wird die Höchstgeschwindigkeit auf 245 km/h (S-Modell) und 250 km/h (RS-Modelle) begrenzt.

Bremse gut, alles gut?

Beim Facelift installiert Audi nun eine größere Stahl-Bremsanlage. Die beiden RS-Modelle erhalten mit Wolframcarbid beschichteten Bremsscheiben, die für das S-Modell optional sind. Zur Auswahl stehen Bremssättel in Schwarz, Rot oder Orange. Für die gesamte E-Tron GT-Familie sind Bremsen aus Kohlefaser-Keramik wählbar. Deren Zehnkolben-Sättel sind serienmäßig anthrazit, auf Wunsch aber auch in Rot lackiert.

Alternativ wird weiterhin nicht gebremst, sondern Energie zurückgewonnen. Die Rekuperationsleistung steigt von 290 auf 400 kW. Die Rekuperationsstärke lässt sich im MMI zwischen manuell oder automatisch einstellen sowie zusätzlich über die Schaltpaddels in drei Stufen regeln.

Bis zu 320 kW Ladeleistung und maximal 609 km Reichweite

Die Batterie ist mit 625 kg immer noch ein dicker Brocken verfügt nun aber wie im neuen Taycan über eine Speicherkapazität von 105 kWh (netto 97 kWh). Insgesamt wuchs die maximale Ladeleistung um 50 kW auf bis zu 320 kW. Damit lässt sich an einer HPC-Schnellladesäule die HV-Batterie unter idealen Bedingungen in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. In lediglich zehn Minuten sollen so unter idealen Bedingungen umgerechnet also bis zu 280 Kilometer-Reichweite nachgeladen werden. Ausgestattet mit Plug & Charge, autorisiert sich das Fahrzeug an kompatiblen Ladesäulen beim Einstecken des Ladekabels selbst und schaltet den Ladevorgang an der Säule frei. Gleichzeitig konnte das Schnellladefenster der neuen HV-Batterie laut Audi deutlich erweitert werden. Sehr hohe Ladeleistungen werden somit bereits ab 15 Grad Celsius erreicht, was den Energieaufwand des Thermomanagements zusätzlich reduziert. Optional kann auch Wechselstrom mit bis zu 22 kW geladen werden. Die serienmäßige Wärmepumpe sorgt für eine energieeffiziente Klimatisierung des Innenraums und erhöht auf diese Weise die Reichweite – vor allem im Winter. Maximal stromert der S E-Tron GT somit 609 km weit.

Fahrwerk im Fokus

Inzwischen hat sich Fahrwerksentwickler Carsten Jablonowski dazu gesellt. Er weiß alles über das neue Aktiv-Fahrwerk. Auf der Verbesserung des Fahrwerks habe der Schwerpunkt der Modellpflege gelegen. Gerade das Aktiv-Fahrwerk biete da Möglichkeiten, von denen frühere Fahrwerksingenieure nicht einmal zu träumen wagten.

Gleichzeitig Fahrkomfort und Fahrdynamik zu verbessern, ist so etwas wie die Quadratur des Kreises bei der Chassis-Entwicklung. So böte der neue Audi E-Tron GT nicht nur feinere Ansprache auf Unebenheiten, sondern auch etwa durch die Nutzung der Wankstabilisierungsverteilung deutlich mehr Agilität.

Souveränes Fahren

Und das können wir gleich ausprobieren, ein wenig zumindest. Denn die Wüstenhighways im Oman sind nicht sehr für Tempobolzereien geeignet. Dafür bieten sie allerlei vergnügliche Kurven durch die Berge, jede Menge Unebenheiten aller Art von feinen Asphaltrillen bis zu Bremsschwellen in der Größe schlafender Kamele. All das verarbeitet der getarnte Audi mit der souveränen Gelassenheit, die nun mal gut abgestimmten Luftfahrwerken zu eigen ist.

Bei gerade noch legaler, etwas schnellerer Fahrt lässt sich der Audi nicht weniger souverän durch Biegungen lenken. Die Lenkung spricht sauber und exakt an, vermeldet zuverlässig Gripverlust, falls mal wieder Sand auf die Ideallinie geweht wurde.

Dazu beherrscht das Aktiv-Fahrwerk das komplette Repertoire, das auch die anderen, ähnlich ausstaffierten Konzernfahrzeugen draufhaben. Unter anderem: Kurvenneigungsfunktion, die die Querbeschleunigung für die Insassen in Kurven reduzieren soll, Reduzierung der Nickbewegungen beim Bremsen und Beschleunigen oder Anhebung der Karosserie zum Ein- und Aussteigen.

Inzwischen taucht die Sonne langsam hinter den Dhofar-Bergen ab. Die letzten Kilometer des Tages absolviert der camouflierte Audi zügiger, neigt sich in Kurven leicht nach innen, bleibt stabil beim Bremsen und lässt sich vehement aus den Kehren auf die Geraden zum Arabischen Meer feuern.

Die feinpixeligen LED-Matrix-Scheinwerfer verhindern mit ihren adaptiven Lichtschneisen, dass wir Temposchwellen oder heimische Fauna übersehen. Bestimmt gibt es eine Zahl, die angibt, wie viele Pixel der Wagen ins Dunkel strahlt. Aber das Leben ist nun mal kein reines Zahlenspiel.

Die Preise steigen

Der Preis für den S E-Tron GT startet ab 126.000 Euro, der RS E-Tron GT ab 147.500 Euro und der RS E-Tron GT Performance startet ab 160.500 Euro.

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Dass der Audi E-Tron GT die Technik vom Porsche Taycan hat, finde ich ...
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... unproblematisch und ziemlich clever... der Marke Audi nicht würdig - wo bleibt der Vorsprung durch Technik, wenn das Flaggschiff geklaut ist?

Fazit

Der Audi E-Tron GT erfährt zur Mitte seines Produktlebens eine Modellpflege. Neben sanften Designretuschen, und neuen Leistungs-Varianten bringt das Facelift vor allem technische Updates aus dem neuen Porsche Taycan. Eine modifizierte Batterie soll für mehr als 600 km Reichweite beim Basis-Modell sorgen. Neben der Effizienz steigt auch die Leistung der beiden E-Motoren – Das Top-Modell mutiert mit 925 PS sogar zum stärksten Serien-Audi. Und mit dem neuen Aktiv-Fahrwerk gewinnt der Audi E-Tron GT spürbar an Komfort und Dynamik.