Dacia Spring 65
Wenn Spring, dann mit 65 PS!

Der Spring stromert bislang mit mageren 33 kW vorwiegend durch die Städte. Nun hilft Dacia seiner kleinsten Baureihe auf die Sprünge –und spendiert ihr eine zweite Antriebsvariante mit knapp 50 Prozent mehr Leistung. Wir sind sie gefahren.

Dacia Spring 65
Foto: Dacia

Egal, welche Preise die Konkurrenz aufbietet – Dacia unterbietet sie. An diesem Credo hält die Marke aus dem Renault-Konzern seit ihrem Start in Deutschland vor über 20 Jahren bis heute fest. Daran ändert sich auch nichts beim ersten Dacia mit Elektroantrieb: Der Spring ist seit dem Start vor zwei Jahren das günstigste E-Auto auf dem Markt. Für ihn haben sich bislang weltweit knapp 110.000 Käufer entschieden. Hierzulande sind es 20.000, darunter 14.000 Privatkunden.

Der große E-Ratgeber

Allerdings ist der Antrieb des in China produzierten Viersitzers eher für kurze Strecken ausgelegt. Mit dem kleinen Akku (26,8 kWh) kommt der Spring laut WLTP nur 230 Kilometer weit, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 125 km/h begrenzt. Für die meisten Kunden kein Problem, sie fahren laut Dacia nur 31 km pro Tag mit 26 km/h – im Durchschnitt. Trotzdem erscheint dafür der bisherige – und weiter angebotene – Antrieb mit 33 kW (umgerechnet 44 PS) gerade bergauf doch etwas schwach, obwohl der Spring nur 1.045 Kilogramm wiegt und nur 255 kg zuladen darf.

Traktionsprobleme auf nasser Fahrbahn

Deshalb kommt nun zusätzlich der Spring Extreme 65 – ja, er heißt tatsächlich so – mit 48 kW (65 PS). Der neue Motor dreht viel höher als der bisherige (14.700 statt 8.500/min), wodurch zusammen mit der geänderten Getriebeübersetzung wesentlich mehr Drehmoment an den Vorderrädern ankommt. Auf Nässe reicht des locker aus, um die Traktion der mit Eco-Gummis bestückten 14-Zöller rasch an ihre Grenzen zu bringen.

Damit der Spring in seinem urbanen Revier ausreichend zügig mitschwimmt, ist nun viel seltener ein kräftiger Tritt aufs Fahrpedal nötig. So vermittelt der Spring 65 das gute Gefühl, in kritischen Situationen – etwa beim Einfädeln zwischen schnelleren Autos auf die Stadtautobahn – noch eine Schippe drauflegen zu können. Das zeigt der Vergleich mit der schwächeren Version: Von Null auf 50 km/h in 3,9 statt 5,8 Sekunden, auf Tempo 100 in 13,7 statt 19,1 und von 80 auf 120 km/h in 13,5 statt 26 Sekunden (alles Werksangaben).

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Geschmeidigere Federung

Trotzdem verwandelt sich der Spring auch als Extreme nicht in einen Stadtflitzer. Schon bei moderatem Tempo neigt er sich in Kurven kräftig zur Seite, wobei das ESP die Leine sehr kurz hält. Gegen eine auch nur etwas flottere Gangart spricht auch die synthetische Lenkung. Obwohl sie nun um die Mittellage steifer sein soll, wirkt sie beim Einlenken zu leichtgängig, dazu indirekt und gefühllos.

Dafür spricht die Federung nun geschmeidiger an, ein Verdienst der modifizierten Stoßdämpfer. Querfugen oder Löcher müssen schon gröber ausfallen, um sich bei den Passagieren unangenehm in Erinnerung zu rufen. Allzu groß sollten die Insassen aber nicht sein, speziell im engen und mühsam zugänglichen Fond. Vorn sitzen sie zwar auf den haltarmen Sitzen auch eng beieinander, steigen aber auch nach zwei Stunden ohne Beschwerden aus.

Lange Ladezeiten an der Wallbox

Beim Schließen klingen die Türen aber arg blechern. Der mit 290 Litern ausreichend große Gepäckraum ist auf der Innenseite der hohen Ladekante unverkleidet, auch die nicht sehr weit öffnende Heckklappe trägt verwiegend lackiertes Blech – hier ist der Kostendruck unverkennbar. Unter dem wenig stabilen Ladeboden liegt optional noch ein Ersatzrad.

Das einfach bedienbare Cockpit hüllt sich vorwiegend in solide verbautes Hartplastik. Kupferfarbene Zierelemente mühen sich um Ambiente und sind im Extreme-Aufschlag von 1.800 Euro ebenso inbegriffen wie der stärkere Motor, elektrische Außenspiegel, hintere Parksensoren samt Rückfahrkamera sowie das Multimediasystem mit Smartphone-Integration. Die Batteriegröße bleibt mit 26,8 kWh hingegen unverändert, die WLTP-Reichweite fällt mit 220 statt 230 km nur geringfügig niedriger aus als bei der 45-PS-Version. Wichtig: Nur der Extreme 65 lässt sich auch an einer DC-Ladesäule (800 Euro, bis zu 30 kW) laden – an der Wallbox sind es einphasig nur klägliche 3,7 kW.

Bleibt der Preis. Nach Abzug der Umweltprämie von 7.178 Euro kostet der Spring Extreme 65 ab 17.372 Euro. Und ist damit durchaus ein Schnäppchen – aber nur für ein Elektroauto.

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Fazit

Wenn Spring, dann den Neuen mit dem stärkeren 65-PS-Motor – damit fährt der elektrische Dacia deutlich souveräner als bisher. Richtig wohl fühlt er sich aber weiterhin nur in der Stadt. Und besonders günstig ist er nur im Vergleich zu anderen E-Autos.

Technische Daten
Dacia Spring Electric 65 Extreme Electric 65
Grundpreis24.550 €
Außenmaße3734 x 1579 x 1516 mm
Kofferraumvolumen290 bis 1100 l
Höchstgeschwindigkeit125 km/h
Verbrauch14,5 kWh/100 km