Facelift Polestar 2
Motor nach hinten, Reichweite rauf

Die schwedische Elektro-Limousine erhält zum Modelljahr 2024 neue Motoren, einen aufgefrischten Look und Hinterradantrieb für die Single Motor-Varianten. Wir haben eine Runde im Facelift-Modell gedreht.

Nach seinem Debüt im Jahr 2019 und der Modellpflege im April 2022 verpassen die Schweden ihrer E-Limousine nicht nur einen neuen Look, sondern verlagern für die Single Motor-Varianten den Motor ins Heck.

Der große E-Ratgeber

Was das Exterieur betrifft, ist der überarbeitete Polestar 2 an seiner neuen Frontpartie zu erkennen. Die heißt nun Smart Zone und beherbergt unter anderem die nach vorn gerichtete Kamera und das Mid-Range-Radar. Außerdem neu: die 20-Zoll-Schmiedefelgen, die Teil des optionalen Performance-Pakets sind. Ansonsten bleibt optisch alles beim Alten.

Stärkere Motoren treiben die Hinterräder an

Deutliche Veränderungen gibt’s in Sachen Antrieb. Der Polestar 2 erhält erhebliche Leistungssteigerungen durch neue Elektromotoren, die laut Hersteller auch die Effizienz erhöhen sollen. Premiere dabei: Bei den Single-Motor-Varianten treiben erstmals neu entwickelte Permanentmagnetmotoren mit Siliziumkarbid-Inverter die Hinterräder an. In der Standard-Version steigt die Leistung von 170 kW auf 200 kW, in der Long Range-Variante bietet der Motor 220 kW (vorher 170 kW) und ein höheres Drehmoment von 490 Nm (vorher 330 Nm). Die Zeit für den Sprint von null auf 100 km/h sinkt damit auf 6,4 respektive 6,2 Sekunden.

Und das merkt man auch. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt die neue Variante spürbar leichtfüßiger, gerade, wenn die Tachonadel jenseits der 120 km/h wandert. Ab dem Facelift verspricht die E-Limousine laut Datenblatt außerdem 205 km/h Spitze und der Single-Motor Long Range hält sich auf der Probefahrt auch daran – allerdings immer noch mit den gewohnten, doch recht lauten Windgeräuschen. Beim Beschleunigen bleibt es am Lenkrad dank des neuen Hinterradantriebs allerdings schön ruhig, der Schub von hinten ist angenehm.

Der Polestar 2 bietet noch immer ein sportlich-straffes Fahrwerk, ist aber ab dem Modelljahr neu abgestimmt und lässt es bei kleineren Asphaltverwerfungen nicht mehr ganz so rumpeln, bei gröberen Unebenheiten poltert das Fahrwerk hingegen immer noch recht unsanft und lautstark.

In der Stadt läuft es beim Rekuperieren dafür umso geschmeidiger, auch mit dem One-Pedal-Mode verzögert der Polestar wie gehabt zuverlässig, das Bremspedal braucht es hier quasi gar nicht.

Größere Reichweite, mehr Effizienz

Alle Polestar 2-Varianten sind jetzt mit verbesserten Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. Die Long Range-Varianten verfügen über 82 kWh-Batterien von CATL mit 27 Modulen. Die Batterie für die Standard-Range-Varianten hat weiterhin eine Kapazität von 69 kWh mit 24 Modulen und wird nun von LG Chem geliefert. Die neuen Batterien profitieren auch von schnelleren Laderaten mit einer Leistung von bis zu 205 kW Gleichstrom für den Long-Range-Akku und 135 kW für die Standard-Range-Batterie. Freuen werden die Kundschaft aber auch die gesteigerten Reichweiten. Die Long Range Dual Motor-Version schafft nun bis zu 593 Kilometer (WLTP), die Standard Range Single Motor-Variante kommt auf bis zu 546 Kilometer (WLTP), die Long Range Single Motor-Variante sogar auf bis zu 655 Kilometer (WLTP).

Zu Effizienz bzw. Verbrauch lässt sich noch nicht viel sagen. Auf der Proberunde bei ebener Fahrstrecke und einer Geschwindigkeit von 120 km/h zeigt der Bordcomputer moderate 15 kWh/100 km, aber Genaueres wird sich im Test zeigen.

Die Ausstattung des Polestar 2 ist nach dem Facelift besser. Fahrerassistenzsysteme wie das Blind Spot Information System (BLIS) mit Lenkunterstützung, Cross Traffic Alert mit Bremsunterstützung und Rear Collision Warning and Mitigation sowie die 360-Grad-Surround-View-Kamera und die automatisch abblendenden Außenspiegel gehören jetzt zur Serienausstattung. Die kabellose Lademöglichkeit für Mobiltelefone ist jetzt ebenfalls serienmäßig in allen Varianten enthalten.

Marktstart und Preis

Die neuen Polestar-2-Modelle sind ab sofort bestellbar. Die Preise starten ab 50.775 Euro für die Single Motor-Version. Mit größerer Reichweite werden 54.475 Euro fällig. Allradantrieb gibt es ab 58.775 Euro, das Performance-Paket ist ab 65.275 Euro zu haben. Die Lieferzeit beträgt laut Polestar aktuell zwei bis drei Monate.

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Fazit

Ungewöhnlich für eine Modellüberarbeitung: Polestar versetzt den Single-Motor von vorn nach hinten. Das nimmt Antriebseinflüsse aus der Lenkung. Das ruppige Fahrwerk ist allerdings nur ein bisschen geschmeidiger geworden. Der Basispreis von gut 50.000 Euro dürfte die massenhafte Verbreitung der chinesisch-schwedischen E-Limousine nicht fördern.

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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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