Lexus LM 350h im Fahrbericht
So viel Luxus kann der teuerste Lexus

So ändern sich die Zeiten. Der teuerste Lexus ist ab sofort keine Luxuslimousine, sondern der Luxury Mover, kurz LM. Wie der optisch expressive Van fährt oder besser chauffiert, berichten wir hier.

Lexus LM 350h Viersitzer
Foto: Harald Dawo

Paff, da steht er der neue Lexus-Bus und so live blickt er noch krasser drein als auf den ersten Bildern im Web. Was für ein Statement. Aber Design ist nun mal Geschmackssache, also weiter im Text. Es gibt viel zu erzählen. Als erstes: der Preis. So wird klar, an welch großem Rad Lexus dreht. Grundpreis des LM 350h: 122.700 Euro! Und für die Luxury-Variante kassiert Lexus 147.100 Euro. Paff. Selbst das elitäre Cabriolet LC 500 mit V8-Sauger (136.900 €) oder der souveräne LS 500h (144.850 €) kommen da nicht ran.

Unsere Highlights

Umso wichtiger natürlich die Einrichtung des über fünf Meter langen Luxury Mover. Hier lassen sich die Japaner nicht lumpen und schrauben alles rein, was geht – in zwei unterschiedlichen Ausprägungen. Mit sechs Sitzen plus Notplatz, oder so richtig exklusiv: mit zwei First-Class-Sesseln plus Trennwand, die einen mächtigen Fernseher und eine versenkbare Glasscheibe in sich trägt. Dass die Sessel lüften, heizen, massieren und sich in Liegepositionen begeben, versteht sich von selbst. Entsprechend großartig der Sitzkomfort. Eine Vierzonen-Klimaautomatik, die per Infrarotsensoren Körpertemperaturen misst und entsprechend kühlt oder wärmt, ist ebenfalls an Bord. Weitere Zutaten in Kurzfassung: beheizte Armlehnen, Nackenheizung, Glasscheiben im Dach, elektrisch betriebene Rollos, Tischchen, Kühlfach und ein Touch-Controller, über denn die Reisenden intuitiv alles verstellen können. Ladevolumen im Heck: immerhin 752 Liter.

Lexus LM 350h Viersitzer
Harald Dawo

Laut Lexus soll der Fond des LM wie ein Business-Class-Abeteil im Flugzeug sein.

Mehr Nutzwert bietet der Siebensitzer

Nicht so üppig ausstaffiert (ohne Mittelwand), dafür mit zusätzlicher Bestuhlung fährt der Siebensitzer vor. Etwas weniger opulente Sessel in der Mitte, dahinter längs verschiebbare Plätze, mit einem Reisekomfort auf dem Level eines VW Touran, können hier auch mal weitere Passagiere an Bord.

Der Zustieg selbst gelingt ohne größere Verrenkungen und das Raumangebot ist immer noch gut. Manko: Zwischen den Mittelsitzen ist kein Zentimeter Luft, um nach hinten zu klettern und das Ladevolumen fällt, je nach Stellung, dürftig aus. 110 Liter reichen gerade mal für zwei Bord-Trolleys. Aber: Die Sitze lassen sich vorklappen, oder auch zur Seitenwand hin aufstellen. So kommt auch größeres Gepäck gut unter.

Ganz Lexus trumpft der LM in beiden Varianten mit meist vorzüglichen und sauber eingepassten Materialien auf. Dröge Kunststoffe? Hier nicht. Nur wer ganz tief in den Wagen blickt, findet etwas zu meckern. Das eingelegten Kunstholzelemente im Dachhimmel wirken eher wie ein Baumarkt-Plagiat und die geteilten zarten Ladebodenplatten sitzen nicht sauber im Rahmen. Die Fächer selbst wiederum schlucken bemerkenswert viel Utensilien. Ja, selbst Feuerlöscher und Notrad lagern hier unten. Trotz Hybridantrieb, Nickel-Metallhydrid-Akku und der erwähnten Innenarchitektur – nicht schlecht in diesen Zeiten.

Lexus LM 350h Viersitzer
Harald Dawo

Der Lexus LM 350h Viersitzer dürfte aktuell das einzige Großserienfahrzeug sein, dass serienmäßig mit einem 48-Zoll-Monitor ausgerüstet ist.

Ohne Hektik reist es sich sehr erhaben

Und wie fährt der Wagen? Wie erwartet komfortabel. Im Gegensatz zu den Vans anderer Hersteller basiert der LM nicht auf einem Nutzfahrzeug. Nein, als Plattform dient die GA-K-Architektur, die beispielsweise auch beim RX zum Einsatz kommt. Dazu gönnt Lexus seinem Luxus-Liner ein Adaptiv-Fahrwerk samt unterschiedlicher, sehr komfortbetonter Fahrmodi. Sanftes Wogen, oder doch etwas mehr? Alles möglich. Das geht so weit, dass im Heck selbst einem seetüchtigen Testfahrer schon mal flau im Magen wird. Unsere Empfehlung: der Sport-Modus. Hier halten sich die Aufbaubewegungen etwas in Grenzen und die leichtgängige Lenkung wirkt etwas habhafter. Von Sport selbst hält der Bus wiederum wenig. Unter der Haube werkelt der bewährte 2,5 Liter große Saugbenziner (190 PS), unterstützt von zwei Drehstromsynchronmotoren (134 kW und 40 kW), wobei der 40-KW-Motor seine Power an die Hinterräder schickt und aus Kehren heraus spürbar drückt. Angesichts von 2,35 Tonnen Leergewicht muss sich diese Antriebskombi dennoch gewaltig ins Zeug legen, um die Fuhre zügig (0-100 km/h: 8,7 Sekunden) in Schwung zu bringen. Laut und deutlich beweist sie bei flotter Fahrt, wie hilflos eine stufenlose Automatik agieren kann.

Es empfiehlt sich also ein gemächlicher Fahrstil, der ohnehin besser zum Wagen passt. Dann zeigt der Lexus (wieder einmal), wie ausgereift und geschmeidig die Kraftverteilung in einem Vollhybriden laufen kann. Mal elektrisch, mal mit Verbrenner, alle zusammen – oder auch nicht. In jedem Fall auffallend leise und perfekt für Insassen, die sich wohlig in ihre Sessel kuscheln und dank reichlich Dämmung plus Active Noise Cancellation kaum einen Ton von der Außenwelt vernehmen.

Der Fahrer, oder meist wohl der Chauffeur, lebt nicht ganz so opulent, kann sich aber über seine bequemen Sessel und ein gelungenes Infotainment freuen. Nur an die "Rundumsicht" des Viersitzes muss man sich gewöhnen. Hinter dem Fahrerrücken sitzt schließlich die Trennwand mit ihrer eventuell dunklen Glasscheibe. Ein digitaler Rückspiegel hilft hier weiter.

Und sonst? Sind uns noch zwei Punkte aufgefallen. Dank der massiven geräuschdämmenden Trennscheibe müssen die Fondinsassen in der Not ihren Fahrer eventuell anbrüllen und die Heckklappe öffnet sowie schließt (sehr langsam) mittels zweier Tasten oberhalb der Rückleuchten – trotz klassischem Öffner über dem Nummernschild.

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Fazit

Respekt. Ohnehin kein OEM mit hohen Gewinnen, nimmt Lexus dennoch die Kosten in Kauf und verschifft seinen ersten Van nach Europa. Dessen Preis ist hoch, angesichts der phänomenalen Luxus-Features, die weltweit schwer zu finden sind, aber wohl durchaus fair. Einige kundige Lexus-Anhänger waren sich dessen offenbar bewusst: Die Nachfrage übertrifft offenbar jetzt schon die Schätzungen der Japaner.

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Erscheinungsdatum 15.02.2024

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