Mercedes E-Klasse T-Modell
Premiumauto mit viel Platz

Seit 45 Jahren gehört der große Kombi zur mittleren Mercedes-Baureihe wie die Kehrwoche zu Stuttgart – möglicherweise zum letzten Mal in der Modellgeschichte. Wir waren mit 300e und 220d unterwegs.

Mercedes E-Klasse T-Modell All Terrain
Foto: Mercedes

Zahlen verraten mitunter mehr über neue Autos, als es beim flüchtigen Hinschauen scheinen mag. Beginnen wir also mit ein paar: Auf eng beschriebenen 61 Seiten erklärt der Pressetext die Vorzüge des neuen Mercedes-Kombi der E-Klasse – von der nun dynamischeren Dachlinie über die nun serienmäßig luftgefederte Hinterachse bis zur bilanziell CO₂-neutralen Produktion in Sindelfingen.

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Und nun zwei weitere Zahlen: 2.795 und 2.961. Das sind die Radstände der Mercedes-Kombis der Baureihen 123 von 1978 sowie 214 von heute. Das aktuelle T-Modell verfügt demnach über 16,6 Zentimeter Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse. Und wenn die beiden Autos vor dir stehen, scheint es sogar noch mehr zu sein.

Fast fünf Meter lang und zwei Tonnen schwer

Der neue Kombi wirkt mehr als nur eine Klasse stattlicher als der zierliche Oldtimer. Das soll nun kein Vergleich zwischen T-Modell alt und neu werden. Sie lesen es hier nur, weil die Mercedes Klassikabteilung einen 280 TE neben den 300e 4Matic stellte und sagte: Fahren Sie doch eine Runde mit dem 123er. Macht man natürlich gern, wenn man gerade aus dem Mercedes E 220d T ausgestiegen ist. Auch wenn es zuerst gilt, die Eindrücke von der Fahrt mit dem großen T-Wagen zu sortieren.

Es gehören schon etwas Zuversicht und Mut dazu, einen fast fünf Meter langen und zwei Tonnen schweren Kombi auf den kurvigen, engen Passstraßen Tirols und Südtirols zu präsentieren. Schließlich sind alpine Straßen nicht gerade das Geläuf für das so ein Mercedes-Kombi entwickelt wird. Und dann fegst du mit dem E 220d über Timmels- und Grödnerjoch und bist erstmal platt.

Schiebe- und Lastbetrieb

Nun hat ja ein Diesel-Kombi von heute nicht mehr viel mit seinen Vorkammer-Vorfahren gemeinsam. Doch wie mühelos und fix der Zweiliter-Diesel mit Startergenerator-Unterstützung hier den Wagen über das anspruchsvolle Terrain scheucht, das ist schon großartig. Ansatzlos spurtet der Mercedes von Kehre zu Kehre, gefühlt mit weit mehr PS als den 197 plus 23 aus dem Startergenerator, die das Datenblatt verspricht.

Nur selten verhaspelt sich die 9G-Tronic bei Übergängen aus dem Schiebe- in den Lastbetrieb. Es fällt nur auf, weil der Antriebsstrang sonst so gefällig auftritt. Und wenn du es nicht wüsstest, kämst du nicht auf die Idee, dass vorn ein Diesel arbeitet. Der Selbstzünder läuft so geschmeidig und leise, dass man schon sehr genau hinhorchen muss, um einen Unterschied zum 300e-Benziner herauszuhören.

Mäßiges Feedback

Wenn der Blick dazu auf die Verbrauchsanzeige fällt, die Werte mit einer Sechs vor dem Komma anzeigt, dann fragt man sich, ob der Diesel an sich nicht doch etwas vorzeitig in Verruf geriet. Jedenfalls gelingt es im normalen Straßenverkehr kaum, den Verbrauch wesentlich höher zu treiben. Das gelänge allenfalls auf einer nicht tempolimitierten, freien Autobahn.

Falls Sie nun denken, es sei genug mit der E-Klasse-Lobhudelei, müssen wir Sie enttäuschen. Denn der große Kombi kann sogar Handling. Er turnt leichtfüßig durch enge Kehre und schnelle Bergabkurven, lenkt dabei präzise und gefühlvoll. Kein Vergleich übrigens zum kleineren und leichteren 280 TE (1.915 zu 1.560 kg), der schwerfällig seiner Lenkung hinterher kurbelt. Was auch bei den diesmal gefahrenen neuen Mercedes-Modellen auffällt, ist übrigens das nur mäßige Feedback der Rekuperationsbremse.

Bei 64.498 Euro geht es los

Neben den 220d und 300e gibt's zum Marktstart den E 200 Benziner als Einstiegsmodell. Zudem kommt gleichzeitig der All Terrain mit seinen den rustikalen Radlaufverkleidungen und mit bis zu 46 Millimeter mehr Bodenfreiheit. Der verfügt zusätzlich über serienmäßigen 4-Matic-Antrieb und ist dazu voll luftgefedert. Zum Marktstart wird er als 220d, 300e sowie als 450 verfügbar sein. Große Unterschiede sind im direkten Fahrvergleich mit dem E220d ohne All-Terrain-Ornat nicht auszumachen. Komfort und Fahrdynamik zeigen sich auf gleichermaßen hohem Niveau. Dass E-Kombi und All-Terrain nicht besonders billig zu haben sein werden, überrascht zwar keinen mehr, dennoch zum Schluss ein paar weitere Zahlen: Den E220d wird es ab 64.498 Euro geben. Für den All-Terrain gibt es noch keinen offiziellen Preis, mit rund 70.000 Euro für den 220er-Diesel wird man nicht so ganz falschliegen.

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Fazit

Das Raumangebot eines Vans, den Komfort einer Oberklasse-Limousine, die Agilität eines Sportcoupés und die Fahrdynamik eines Sportcoupés – all das gibt es beim E-Kombi. Es gibt wenig Autos, die hier so viel zu bieten haben, wie ein Kombi der E-Klasse von Mercedes. Der S 214 zeigt zudem, wie gelungen ein aktuelles Premiumauto sein kann, wenn ein Konzern wie Mercedes so richtig alle Register zieht.

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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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