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Mercedes T-KLasse (2022): Was kann der Citan-Nachfolger?

Mercedes T-Klasse (2022)
Was kann der Citan-Nachfolger?

Als umgeschminkter Renault Kangoo kam der Kasten-Daimler Citan weniger gut an bei der Mercedes-Kundschaft. Jetzt startet die neue Kastenwagen-Generation mit spürbar mehr Benz inside. Gelingt es nun, die Konkurrenz zu T-klassieren?

Mercedes T-Klasse
Foto: Mercedes-Benz AG

Ich packe meinen Kofferwagen – Pardon – Hochdachkombi und nehme mit: einen Kinderwagen, die große Kühlbox, den Campingtisch und die Hundebox – puh, damit sind die 520 Liter Kofferraumvolumen der T-Klasse fast ausgereizt. Also die zweigeteilte Fondbank umklappen und den Raum auf 2.127 Liter (mit Gepäcknetz) erweitern – aber wohin dann mit den Kindersitzen? Das Kiteboard schnalle ich auf den integrierten Dachgepäckträger. Und die Fahrräder reisen auf der Anhängerkupplung? Oder lieber den Wohnwagen (mit bis zu 1.500 kg) anschnallen?

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So, und jetzt Sie: Ich packe meine T-Klasse und nehme mit… Ja, ein Hochdachkombi wie die neue Mercedes-Benz T-Klasse hat jede Menge Platz für das Leben und alles, was so dazugehört. Klar, das hatte schon der alte Citan drauf und erst recht der neue Renault Kangoo. Auch die T-Klasse ist kein rein schwäbisches Gewächs, sondern hat wie der Vorgänger eine deutsch-französische Seele. Dabei betonen die Stuttgarter aber, dass man für die aktuelle Generation nun das Zepter bereits bei der Entwicklung mit in der Hand gehalten habe, anstatt es erst im Nachhinein überreicht bekommen zu haben.

Mehr Lametta mit Stern

Klar, aus einem Transport-Entlein macht das noch lange keine Schwanen-Klasse. Doch an der Front trägt der T reichlich A-B-klassige Schminke auf und leuchtet optional mit LED-Scheinwerfern. Innen möbelt Mercedes die Sitze mit Alcantara sowie dem segmenttypisch robusten Kunststoff mit Neopren-Elementen auf und setzt markentypische Akzente mit runden Lüftungsausströmern.

Doch halten wir uns nicht länger mit Oberflächlichkeiten auf, sondern starten gleich den 1,5-Liter-Diesel. Der T 180 d mit Automatik leistet 116 PS und 270 Nm, kostet ab 34.962 Euro und kommt ohne Mildhybridisierung aus. Trotzdem schaltet er recht sanft und zügig im Münchner Stop-and-go-Betrieb ab und wieder an. Überhaupt spürt man, dass Mercedes mehr Dämmstoffe unter das T-Klasse-Blech steckt als Renault unter die Kangoo-Haut. Das soll nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern sorgt auch dafür, dass einen die Sprachsteuerung genauso gut versteht wie in anderen Modellen mit Stern.

So gar nicht Mercedes-like ist jedoch die mangelnde Souveränität des Topdiesel: In der City gefällt der zwar mit geschmeidigem, ja fast schon reaktionsfreudigem Anfahren. Doch alles, was sich außerhalb der Stadtgrenzen abspielt, erfordert mehr als nur etwas Geduld, wie schon die offizielle Nullhundert-Sprint-Angabe von 13,2 Sekunden illustriert. Oder andersherum formuliert: 5,5 l/100 km WLTP-Verbrauch erscheinen bei dieser Behäbigkeit durchaus realistisch.

Mercedes T-Klasse
Mercedes-Benz AG
Der Diesel im T 180 d zeigt sich nur wenig souverän. Der Turbobenziner mit Partikelfilter hängt williger am Gas und spurtet spürbar zügiger.

Nehmen Sie also lieber den Topbenziner mit Automatik (ab 33.058 Euro): Denn der T 180 ohne d leistet nicht nur auf dem Papier mit 131 PS mehr. Der 1,4-Liter-Turbobenziner mit Partikelfilter hängt auch williger am Gas und spurtet spürbar zügiger als der mit NOX-Speicherkatalysator, Partikelfilter sowie SCR-Katalysator tiefengereinigte Diesel – und zwar ohne dabei viel mehr Sprit zu verbrauchen.

Womit wir bei den Dingen sind, die man erst so richtig vermisst, wenn sie nicht da sind. So fasst man einem Mercedes automatisch hinter das Multifunktionslenkrad, um "Drive" einzulegen. Bei der T-Klasse greift man dabei jedoch ins Leere. Doch auch mit klassischem Wählhebel in der Mittelkonsole schaltet das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe Pkw-haft zügig und geschmeidig. Dazu halten den Kasten-Benz Assistenzsysteme serienmäßig in der Spur; ein Adaptivtempomat ist jedoch noch nicht verfügbar. Dafür überblickt man das Verkehrsgeschehen durch große Fensterscheiben – lediglich die A-Säule stört beim Kurvenfahren. Denn auch das beherrscht der T auf den Straßen zwischen Starnberger und Ammersee.

Dabei kapituliert der unbeladene Testwagen samt optionaler 17-Zoll-Felgen nicht vor Gullydeckeln oder Querfugen und federt auch welligen Asphalt geschmeidig ab. Durchaus engagiert wirft sich der Kastenkombi so mit harmonisch austarierter MacPherson-Konstruktion vorn und Verbundlenkerachse hinten in Kurven. Ja er bleibt auch dann stabil, wenn die drei Kids, die theoretisch nebeneinander auf der Rückbank Platz fänden, schon längst die Spucktüten füllen würden. Schade nur, dass wie im Kangoo die äußeren Sitze für Erwachsene mit breiten Schultern etwas zu schmal geschnitten sind und dem Mittelplatz Isofix-Verankerung fehlt. Was man noch vermisst? Sanft anziehende Schiebetüren wie im VW Caddy oder eine elektrisch öffnende Heckklappe – die lässt sich aber optional teilen.

Mercedes T-Klasse
Florian Gerlach
Anstelle des MBUX-Touchpads thront der Wählhebel in der Mitte satt hinter dem Lenkrad. Top: die französische Klimabedieneinheit.

Mäusekino im Großraumbüro

Den Fahrer grüßt gegen Zuzahlung das MBUX-Infotainment-System. Allerdings führt es einem mit dem minimalistischen Sieben-Zoll-Monitörchen im wahren Wortsinn vor Augen, dass der Display-Größenwahn in puncto Touchbedienungs-Freundlichkeit durchaus seine Berechtigung hat. Was man hingegen nicht vermisst, sind die touchsensiblen Oberflächen neuerer Mercedes-Lenkräder. Ja, man weiß nicht nur die guten alten Kipptasten und Walzen, sondern sogar die etwas fummeligen Mini-Touchpads zu schätzen.

Ebenso wenig fehlt einem das Touchpad in der Mitte. Dafür gibt es vorne zwei hippe USB-C-, hinten zwei oldschoolige USB-Anschlüsse und sogar noch ein paar klassische Tasten zum Beispiel für den Parkassistenten – der beim ersten Antesten jedoch nicht immer zielsicher in Parklücken trifft. Fast schon blind bedienen sich da schon die Dreh-Drück-Ringe der Klimaautomatik. Dass diese von Renault stammen, ändert nichts an ihrer simplen Genialität. Apropos: Wie beim Vorgänger und Plattform-Partner gibt es für das grüne Gewissen demnächst den hier EQT genannten Stromer. Und für alle, die noch mehr in ihr Leben stopfen wollen, folgt eine längere Variante mit dritter Sitzreihe. Dann spielen wir noch mal: Ich packe meinen Koffer …

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Fazit

Fehlt zum Schluss noch die Kasten-Nutzen-Rechnung: Die T-Klasse startet mit dem Basis-Benziner T 160 unter 30.000 Euro. Im Falle der 180er Benziner- sowie Diesel-Testwagen samt Automatikgetriebe und ein paar, aber längst nicht allen Extras, sind deutlich über 40.000 Euro fällig. Elektrifizierte Antriebe fehlen jedoch völlig und der EQT startet erst Ende 2022. Okay, die T-Klasse mutet feiner an als der genauso variable Kangoo, der dafür bei rund 25.000 Euro startet. Klar, der teurere Kasten-Benz fährt und federt geschliffener und entscheidet so die Frage, wer den besseren Premium-Familien-Transporter baut, für sich. Blöd nur, dass diese Frage in einem schrumpfenden sowie äußerst preissensiblen Segment mit Gut-&-Günstig-Gegnern wie dem Dacia Jogger vielleicht keiner gestellt hat.

Technische Daten
Mercedes T 160 StandardMercedes T 160 d StandardMercedes T 180 StandardMercedes T 180 d Standard
Grundpreis32.737 €34.855 €33.986 €36.117 €
Außenmaße4498 x 1859 x 1811 mm4498 x 1859 x 1811 mm4498 x 1859 x 1811 mm4498 x 1859 x 1811 mm
Kofferraumvolumen517 l517 l517 l517 l
Hubraum / Motor1332 cm³ / 4-Zylinder1461 cm³ / 4-Zylinder1332 cm³ / 4-Zylinder1461 cm³ / 4-Zylinder
Leistung75 kW / 102 PS bei 4500 U/min70 kW / 95 PS bei 3750 U/min96 kW / 131 PS bei 5000 U/min85 kW / 116 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit168 km/h164 km/h183 km/h176 km/h