Mitsubishi ASX Plus
Wird man auch ohne Luxus glücklich?

Autos werden immer teurer, auch weil immer mehr Komfort einzieht. Kann man mit der Konzentration auf das Wesentliche gegensteuern? Das klären wir im Fahrbericht des Mitsubishi ASX Plus.

8/2023, Mitsubishi ASX Plus Fahrbericht
Foto: Bernd Conrad

Autos werden immer teurer. Das ist nicht nur der allgemeinen Preisentwicklung und stetig schärferen Sicherheitsvorschriften sowie strengen Abgasnormen geschuldet, sondern auch den Bedürfnissen der Käufer.

Sie entstehen mit der Zeit aufgrund eines Angebots, das die entsprechende Nachfrage generiert. Aus den Entwicklungs- und Marketingabteilungen der Autohersteller werden regelmäßig neue Ideen gemeldet. Über die Jahrzehnte kamen somit nicht nur sicherheitsrelevante Dinge wie Klimaanlagen und Assistenzsysteme zusammen, sondern auch allerlei Luxuszeugs.

Unsere Highlights

Renault-Klon mit Mitsubishi-Logo

8/2023, Mitsubishi ASX Plus Fahrbericht
Bernd Conrad

Auf den Mitsubishi ASX wird im September der neue Colt folgen, der den Renault Clio als Basis nutzt.

Mal ganz ehrlich: Wie konnten unsere Eltern damals auf Kurz- und Langstrecken ohne Sitzheizung (und -lüftung), Holzdekor, Lederbezügen auf elektrisch einstellbaren Sitzen, Soundsystem mit Subwoofer und elektrischer Heckklappe überhaupt zurechtkommen? Es ging, wie wir wissen. Und es geht auch heute, wie der Selbstversuch zeigt.

Stellvertretend rollt ein Mitsubishi ASX als Testwagen heran. Der kompakte SUV-Segment ist nicht anderes als ein Renault Captur mit dem Logo der japanischen Marke. Unter dem Schirm der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz bringt er – zusammen mit dem kommenden Colt auf Basis des Renault Clio – frischen Wind ins Programm und vielleicht auch neue Kunden in die Verkaufsräume der Mitsubishi-Händler.

Als 4,23 Meter langer SUV ist der ASX ein typisches Privat-Kunden-Modell. Hier werden also nicht alle möglichen Extras in die Leasingrate hineingerechnet, sondern bewusst gewählt. Vier Ausstattungslinien, darunter ein Sondermodell zum Marktstart, hält die Preisliste vor. Nur teilweise kann man sie frei mit einer der vier Antriebsvarianten kombinieren. Vom Dreizylinder-Benziner mit 91 PS über Mildhybride und einen Vollhybrid reicht die Palette bis zum Plug-in Hybrid mit einer Systemleistung von 159 PS.

Ausreichend kräftiger Mildhybrid-Benziner

Unsere Wahl fiel auf den Mildhybrid mit 140 PS. Der 1,3 Liter große Vierzylinder-Benziner ist ein guter alter Bekannter. In verschiedenen Ausbaustufen steckt er auch in Modellen wie Dacia Duster und Nissan Qashqai, zudem in den Kompakten von Kooperationspartner Mercedes-Benz.

Mit einem maximalen Drehmoment von 260 Nm, das ab 1.750/min. anliegt, ist der knapp 1,3 Tonnen schwere ASX ausreichend flott unterwegs. Bei Bedarf spurtet er in 10,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h. Der Startergenerator unterstützt den Verbrenner beim Anfahren und Beschleunigen. Als 12-Volt-System ermöglicht die Mildhybrid-Technologie im ASX aber kein "Segeln", also das Abschalten des Benziners im Schubbetrieb.

Für die Kraftübertragung ist ein manuelles Sechsganggetriebe zuständig. Geschmälert wird das Komfortempfinden durch den langen Schalthebel. Ein kürzerer Stab würde besser zu den präzisen Schaltgassen passen.

Den Komfort einer Automatik bietet der 140 PS starke Mildhybrid leider nicht. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gibt es nur in Verbindung mit 158 PS, dann aber auch erst mit den höheren Ausstattungslinien Intro Edition und Top. Man könnte auch zum Hybrid ohne Stecker greifen. Der Drei-Motoren-ASX (ein Sauger und zwei E-Maschinen) mit 143 PS Systemleistung bringt das Multi-Mode-Getriebe mit. 2.600 Euro Aufpreis im Vergleich zum manuell gerührten Mildhybrid könnten aber viele Budgetgrenzen sprengen.

6,9 Liter E10 fließen im Fahralltag alle 100 Kilometer durch die Leitungen, womit der WLTP-Normwert von 5,8 Litern überboten wird. Der Hybrid ist, das zeigten frühere Probefahrten, etwa einen Liter sparsamer. Man muss also schon fleißig Kilometer sammeln, um den Mehrpreis wieder hereinzuholen.

Im Mitsubishi ASX Plus sitzt man, nachdem man den Fahrerplatz manuell eingerichtet hat, auf gut gepolstertem Mobiliar mit optisch und haptisch ansprechenden Stoffbezügen. Die Leder-Kunstleder-Welten der teureren Varianten erscheinen verzichtbar.

Radkappen im Stil von Alus

8/2023, Mitsubishi ASX Plus Fahrbericht
Bernd Conrad

Rechts der Mitsubishi ASX Plus mit Radvollblenden, links die Ausstattungslinie Top mit polierten 18-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Im Vergleich zum Basismodell bringt die Plus-Ausstattung des ASX für 1.900 Euro Mehrpreis eine Klimaautomatik, Heizung für Lenkrad und Vordersitze sowie eine Schlüsselkarte für den Zugang zum Auto und Motorstart per Knopfdruck mit. Verzichtbar sind Dinge wie eine silberne Dachreling und schwarze Hochglanz-Flächen an den Stoßfängern vorne und hinten.

17 Zoll große Stahlfelgen werden von Kunststoff-Kappen bedeckt, Mitsubishi (und auch Renault) sprechen von "Flexfelgen". Optisch unterscheiden sie sich auch auf den dritten Blick nicht von Leichtmetallrädern, erst der Klopftest gibt Auskunft über das Material. Der Vorteil: Im engen Stadtverkehr verzeihen diese Räder mit günstigerem Ersatz mögliche Bordsteinkontakte eher als weiches Alu.

Zurück nach innen. Hinter dem Multifunktionslenkrad blickt man auf zwei analoge Rundinstrumente und ein 4,2 Zoll großes Display für Bordcomputerangaben und weitere Informationen. Auf einen Blick weiß man auch während der Fahrt, was Sache ist. Die klassische Anordnung der Uhren steht einem digitalen Kombiinstrument also in nichts nach.

Navigation? Klappt mit dem Smartphone besser

8/2023, Mitsubishi ASX Plus Fahrbericht
Bernd Conrad

Das sieben Zoll große Display reicht im Alltag aus, Smartphone-Inhalte lassen sich mit Apple CarPlay oder Android Auto kabellos spiegeln.

Das Multimedia-Display im ASX Plus hat eine Bildschirmdiagonale von sieben Zoll. Im Gegensatz zum 9,3-Zoll-Modul der teureren Varianten fehlt ihm ein werksseitig eingebautes Navigationssystem. Das ist verzichtbar, vor allem aufgrund der rustikalen Kartendarstellung und fehlender Echtzeit-Verkehrsdaten.

Smartphone-Apps für die Routenführung sind aktueller und günstiger. Da auch das "kleine" Multimedia-System Apple Car-Play und Android Auto unterstützt, kommt man auch damit ohne Umwege ans Ziel. Die kabellose Einbindung der Smartphone-Inhalte ist praktisch, leider fehlt aber eine Ablage mit induktiver Ladefunktion. Um den Akku des Telefons nicht zu schnell leerzusagen, sollte man es also doch über den USB-Anschluss anstöpseln. Am Ziel erlauben Parksensoren vorne und hinten bequemes Einparken, auch eine Rückfahrkamera ist serienmäßig.

Mehr Ausstattung braucht man im automobilen Alltag eigentlich nicht. Bei der Wahl des Mitsubishi ASX Plus mit 140 PS kann man somit deutlich unter der 30.000-Euro-Grenze bleiben. 28.390 Euro kostet das Modell laut Liste. Die hier gezeigte Metalliclackierung in "Royal-Blau" kommt mit 750 Euro dazu, ein dunkleres "Nacht-Blau" ist Serie.

Im Zubehörprogramm des Importeurs sollte man noch 90 Euro für die Haifischantenne als Ersatz für die Stabantenne auf dem Dach investieren. Somit spart man sich vor jedem Waschgang das Abschrauben der Empfangshilfe.

Fährt man mit dem Original günstiger?

8/2023, Mitsubishi ASX Plus Fahrbericht
Bernd Conrad

An Front und Heck trägt der Mitsubshi ASX eigene Logos und Schriftzüge, sonst gleicht er äußerlich dem Renault Captur.

Wenn wir schon über das liebe Geld sprechen – kann man mit dem baugleichen Renault Captur nicht vielleicht eher ein Schnäppchen machen? Schließlich kostet er mit 140 PS in der Ausstattungslinie Evolution samt Navigationssystem 26.450 und damit fast 2.000 Euro weniger als der Klon mit Mitsubishi-Logo?

Um den Captur mit dem ASX Plus zu vergleichen, muss man bei ihm Optionen wie Sitz- und Lenkradheizung, Klimaautomatik, Einparksensoren und Rückfahrkamera hinzubuchen. Mit diesen Extras kommt der Renault auf 28.050 Euro. Der Mitsubishi ist also 340 Euro teurer. Dafür bringt er eine Neuwagengarantie für den Zeitraum von fünf Jahren (bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern) mit, Renault bietet zwei Jahre.

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... hochinteressant. Ein bodenständiges Auto - mehr braucht kein Mensch.... uninteressant. Technisch und optisch ein Auto von gestern.

Fazit

Eine Klimaanlage, am besten mit automatischer Steuerung, gehört heutzutage in jeden Neuwagen. Sitzheizung, Einparksensoren und Smarthone-Integration sind auch Ausstattungselemente, auf die man nicht verzichten sollte. Alles, was darüber hinaus geht, ist Kür statt Pflicht.

Das zeigt der Alltag mit dem Mitsubishi ASX Plus. Der geräumige Klein-SUV kostet unter 30.000 Euro und ist mit 140 PS starkem Mildhybrid-Benziner ausreichend motorisiert. Was fehlt? Eigentlich nur die Option einer Getriebe-Automatik ohne Zwangs-Upgrade zu mehr Leistung oder Ausstattung.