Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid
Erste Fahrt mit dem 700-PS-Topmodell

Porsche bereitet den Marktstart eines neuen Cayenne-Topmodells vor. Wir durften mit einem Erprobungsträger des Plug-in Hybriden auf Probefahrt gehen.

Porsche gilt als Meister in der Kreation von Modellvarianten, bei den Stuttgartern traditionell "Derivate" genannt. Da erschien es nur logisch, dass es nicht bei den drei Versionen bleibt, die zum umfangreichen Facelift des SUV-Bestseller Cayenne vorgestellt wurden.

In wenigen Wochen feiert der nominell stärkste Cayenne aller Zeiten seine Premiere. Wie jetzt? Wurde der Turbo GT mit 640 PS nicht in der EU und weiteren Märkten (Japan, Hongkong, Singapur, Taiwan) aus dem Programm genommen, da aktuelle Abgasnormen einen Riegel vorschoben? Da hilft der Weg der Elektrifizierung.

Unsere Highlights

V8-Benziner und Elektromotor

7/2023, Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid Vorserien-Testfahrt
Bernd Conrad
Fahrdynamik garantieren u.a. 900 Newtonmeter maximales Drehmoment.

Über 700 PS Systemleistung soll das vierte Cayenne-Derivat für unsere Breitengrade bereitstellen. Sie werden vom, aus dem Cayenne S bekannten, Vierliter-V8 mit Biturbo-Aufladung und einem Elektromotor erwirtschaftet. Die Daten des Verbrenners bleiben aktuell noch unter Verschluss, die Elektroabteilung des Hybrid-Antriebsstrangs bietet bekannte Ware: Der E-Motor leistet 130 kW (177 PS), bestromt wird er mit der Energie aus einem 25,7 kWh großen Lithium-Ionen-Akku.

Die Kraft der zwei Herzen soll das neue Topmodell in unter vier Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h katapultieren und für eine Höchstgeschwindigkeit von über 290 km/h sorgen. Wie viel genau? Das verraten die Porsche-Sprecher auf der ersten Ausfahrt noch nicht. Klar erscheint aber das Vorhaben, nicht nur die Daten des einstigen Cayenne Turbo S E-Hybrid zu übertreffen – sondern auch Konkurrenz in Form des BMW XM Label Red zu deklassieren.

Das Cockpit verrät den Namen

7/2023, Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid Vorserien-Testfahrt
Bernd Conrad
Im digitalen Kombiinstrument zeigt sich bereits der "Turbo"-Schriftzug.

Wie heißt der starke Hybrid-Cayenne eigentlich? Dazu gibt es noch keine offizielle Stellungnahme. Ein Blick in das Cockpit bietet Aufklärung. Die digitalen Instrumente zeigen den "Turbo"-Schriftzug. Damit ist klar: Die neue Variante wird Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid heißen. Namen sind Schall und Rauch? Immerhin, denn beim Start der Testfahrt fehlt beides. Der Hybrid setzt sich elektrisch und beinahe lautlos in Bewegung. Die Pirelli P Zero krallen sich anstandslos auch bei Nässe in den Asphalt.

70 Kilometer elektrische Reichweite im WLTP-City-Modus stellt Porsche in Aussicht. Ein reiner Statistikwert, denn dieses Auto gehört nicht in den Stopp-and-Go-Verkehr einer Metropole. Gierig erschnüffelt der Cayenne die nächste Kurve, die direkte Lenkung hilft beim Anpeilen von Einlenk- und Scheitelpunkt.

Längst ist auch der V8 mit von der Partie, grummelt entspannt im Hintergrund. Per Fingerwisch auf dem Touchscreen lässt sich die Sportabgasanlage mit armdicken Titan-Endrohren zu mehr Akustik hinreißen. Der passende Soundtrack für die einsame Landstraße, die sich vor uns durch Felder und Wälder windet.

Die zum Cayenne-Facelift überarbeitete Luftfederung mit Zweiventil-Technologie bietet auch im Sportmodus guten Komfort, die Hinterachslenkung lässt den großen SUV unterwegs erneut zwei Klassen kleiner wirken. Über 900 Newtonmeter Drehmoment liegen im besten Fall an, erzählt der Porsche-Mann auf dem Beifahrersitz. Man glaubt ihm jedes einzelne davon.

GT-Paket als neue Option

7/2023, Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid Vorserien-Testfahrt
Bernd Conrad
Die 22 Zoll großen Felgen werden beim Serienauto mit GT-Paket blau sein.

Der Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid wird in beiden Karosserievarianten kommen. Der Vorserien-Testwagen trägt zum Coupé-Kleid das ebenfalls neue GT-Paket. Mit dieser Option sollen auch Kunden bedient werden, die dem Turbo GT nachtrauern (siehe oben).

Das Paket wird nur für das Cayenne Coupé lieferbar sein. Zu den 22-Zoll-Rädern, auf Wunsch mit Performance-Bereifung, und der Keramik-Bremsanlage bringt es ein neues Fahrwerks-Steup mit größerem Sturz an der Vorderachse und einer um zehn Millimeter tiefergelegten Karosserie mit. Das Dach und die Luftleitelemente am Dachspoiler sind aus Kohlefaser-Material. Wie die ovalen Endrohre und die Karbon-Einlagen im Interieur werde auch die Leichtmetallfelgen blau sein. Beim Erprobungsfahrzeug tragen sie noch schwarzen Lack.

Auch noch nicht final sind kleine Details im Innenraum. Die 12-Uhr-Markierung des Lenkrads wird in gelber Farbe ausgeführt werden, der Boost-Knopf auf dem Fahrmodusschalter trägt beim Serienmodell Rot.

Im September dürfte der Porsche Cayenne Turbo GT seine Premiere feiern. Neben den exakten technischen Daten erfährt man spätestens dann wohl auch den Preis. Der dürfte beim Coupé mit Gt-Paket bei rund 220.000 Euro liegen.

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Fazit

Als viertes Derivat des Cayenne-Facelifts bringt Porsche im Herbst einen Plug-in Hybriden mit Biturbo-V8 und über 700 PS Systemleistung. Das macht den Cayenne Turbo E-Hybrid zum bislang stärksten Vertreter seiner Art. Die ersten Kilometer mit einem Vorserienauto zeigen, dass (auch) diese Cayenne-Spielart Fahrdynamik auf höchstem Niveau bietet.