Renault Scénic E-Tech
Unterwegs mit bis zu 170 Sachen im E-SUV-Kleid

Erste Fahrt im Renault Scénic E-Tech, der bisher als Van an den Start ging. Wir zeigen, wie sich der SUV mit E-Antrieb im Alltag schlägt. Bis zu 625 km ohne Zwischenladen sollen möglich sein.

"Das soll der neue Scenic sein?" So oder ähnlich war es rund um die Vorstellung der Neuauflage auf der IAA zu hören. Denn wie schon beim größeren Espace hat sich Renault auch beim Scenic vom bewährten Van-Design verabschiedet.

Die fünfte Generation des nun 4,47 Meter langen Familienkreuzers erfuhr nicht nur beim Antrieb eine tief greifende Wandlung, sondern auch äußerlich und tritt jetzt, na klar, im angesagten Softroader-Stil auf. Das muss für die angepeilte Zielgruppe nicht per se schlechter sein, zumal sich der Neue beim Radstand eher an der Langversion des Vorgängers orientiert. Die gibt es künftig allerdings nicht mehr, ebenso wenig deren optionale dritte Sitzreihe im Heck – bei den Renault-Personenwagen ab sofort ein Alleinstellungsmerkmal des Espace.

Unsere Highlights

Bis zu 625 km-Reichweite

Parallel dazu mustern die Franzosen beim Scenic den Verbrennungsmotor aus. Die neue Generation kommt ausschließlich als E-Auto, und zwar in zwei jeweils gekoppelten Leistungs- und Akkuvarianten: 125 kW/170 PS mit 60-kWh-Akku (ab 41.400 Euro) und 160 kW/218 PS mit 87-kWh-Akku (ab 48.900 Euro). Die Basisvariante Comfort Range schafft eine Normreichweite von 430 Kilometern, beim Long Range sollen es sogar 625 km sein. Die können wir bei unserer ersten Begegnung zwar noch nicht überprüfen, zumal bei den aktuell winterlichen Bedingungen die Heizsysteme kräftig am Akku saugen. Doch es reicht für einen ersten Eindruck vom Rest des Autos.

Und der ist zunächst einmal: geräumig. Knapp 2,80 Meter auseinanderliegende Achsen ermöglichen ein beinraumfreundliches Arrangement der Sitzmöbel und ein tiefes Ladeabteil dahinter. Das Raumgefühl sowohl in Reihe eins als auch zwei ist großzügig, das Glasdach (1.500 Euro, ab Techno) ermöglicht durch den Verzicht auf ein Rollo drei Zentimeter mehr Kopffreiheit. Es lässt sich in mehreren Stufen zwischen transparent und undurchsichtig einstellen.

Mindestens 545 Liter großer Kofferraum

Einige Zentimeter mehr sind leider bei der Innenbreite des Kofferraums verloren gegangen: Angesichts einer Karosseriebreite von 1,86 Metern fällt der Laderaum mit 96 Zentimetern etwas schmal aus. Sei’s drum, mindestens 545 Liter passen trotzdem ins Heck, die dreiteilige Rückbanklehne erlaubt flexible Erweiterungen. Das Cockpit entspricht dem aktuellen Stil der Marke mit breitem Infodisplay als Kombi-Instrument und großem Hochkant-Touchscreen mit Google-Navigation in der Mitte.

Gegenüber dem Megane E-Tech wanderten Getriebewählhebel und Fahrmodustaster ans Lenkrad, was Platz zwischen Fahrer und Beifahrer schafft. Eine Leiste mit Kurzwahltasten erleichtert die Bedienung, zahlreiche Ablagen bieten Platz für Handy und Co. Alles verstaut? Also los.

Hinreichend präzise Lenkung

Beim Einschalten signalisiert unser Scenic mit großem Akku 100 Prozent Ladung, aber nur etwa 460 Kilometer Reichweite – möglicherweise angesichts der frostigen Temperaturen oder der vorangegangenen Überführungsfahrt auf der Autobahn. Wir starten aber zunächst einmal ganz gemütlich auf dem Weg aus der Stadt, erfreuen uns am schnellen Ansprechen von Heizung (die serienmäßige Wärmepumpe schafft hier Effizienz) und der angenehm agierenden, hinreichend präzisen Lenkung.

Allerdings machen schon die ersten Straßenbahnschienen klar, dass der Scenic die Beschaffenheit des Untergrunds zwar nach Kräften filtern, aber nicht verheimlichen kann. Daran haben auch die 20-Zoll-Pirellis in 235/45 der Linie Esprit Alpine ihren Anteil, die im Gegenzug dafür sorgen, dass der Scenic in Kurven unbeirrt und spurtreu seine Bahn zieht.

Bis zu 170 km/h möglich

Nach dem Ortsschild die erste Durchzugskostprobe: Hier beschleunigt der rund 1,9 Tonnen (Werksangabe) schwere Scenic zügig, aber nicht wild. Ein Eindruck, der sich später im Fahrprogramm Sport und auf der Autobahn bestätigt. Während im Comfort-Modus kaum Unterschiede spürbar sind, dämpft "Eco" das Ansprechverhalten deutlich. Per Kick-down ist aber stets die volle Kraft abrufbar. Wenn es sein muss, sind 170 km/h möglich – wobei Höchsttempo und Kurvengier auch beim Scenic in der neuen Form nicht den Charakter prägen.

Der wurde bislang von der Familienfreundlichkeit geprägt, was sich nicht zuletzt in Details wie Bodenfächern, Sonnenrollos oder einer besonderen Variabilität äußerte. Diese sind leider ebenso Vergangenheit wie die Van-Form. Als Elektro-SUV muss sich der Scenic nun gegen ein anderes, weitaus größeres Konkurrenzumfeld beweisen – und Renault muss gegebenenfalls auf die Markenkollegen Espace oder Kangoo verweisen.

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Fazit

Umdenken gefragt: Der Scenic ist jetzt ein Elektro-Crossover. Antrieb und Akku bringen gute Erstwagen-Voraussetzungen mit; leider sind viele Familiendetails der Vorgänger nun passé.

Technische Daten
Renault Scènic e-Tech Paket Techno
Grundpreis48.900 €
Außenmaße4470 x 1864 x 1571 mm
Kofferraumvolumen545 bis 1670 l
Höchstgeschwindigkeit160 km/h
Verbrauch6,6 kWh/100 km