Toyota Corolla
Leiser, moderner und viel teurer

Mit neuer Batterie und mehr Elektropower soll der ausschließlich als Hybrid erhältlich Toyota Corolla leiser, stärker und sparsamer werden. Innen wird er großzügig digitalisiert. Wie schlägt sich das Facelift-Modell?

Toyota Corolla
Foto: Toyota

Wenn das meistverkaufte Auto aller Zeiten ein Facelift bekommt, wirkt das Ganze gleich bedeutungsschwangerer, als wenn man einem VW Taigo die LED-Leisten etwas zuspitzt. Tja, nun muss man ehrlicherweise zugeben, dass Toyota genau das ebenfalls beim Corolla gemacht hat, denn das Design ließ man bis auf Details (Kühlergrill, Scheinwerfer, Heckstoßstange, Räder) unangetastet. Unter dem Blech ging es dafür rund: mehr Assistenz, mehr Power, mehr Digitalkompetenz.

Unsere Highlights

Die beiden in Deutschland angebotenen Hybridantriebe erhielten neue Batterien. Der große Zweiliter vollzog den Wechsel von Nickel-Metallhydrid- auf Lithium-Ionen-Technik, die der kleinere 1.8er schon bei Erscheinen der aktuellen Corolla-Generation erledigt hat. Rund 14 % mehr Kapazität sowie mehr Leistung verspricht Toyota. Ein neuer Zelltyp, die damit verbundene veränderte Rahmenstruktur der Batterie und eine platzgünstigere Verkabelung reduzieren das Volumen des Akkus beim 1.8 um rund 30, beim 2.0 sogar um 40 Prozent.

Toyota Corolla
Toyota
Das Cockpit des neuen Toyota Corolla.

Mehr Platz bringt das verbesserte Packaging zwar nicht, aber der Antrieb kann nun mehr elektrische Antriebsenergie verwenden, und den Verbrenner weiter zu entlasten. Das hilft nicht nur der Effizienz – beide Antriebe verbuchen CO₂-Reduzierungen nach WLTP – sondern auch der Leistung. Die stieg beim 1.8 von 122 auf 140 PS und beim 2.0 von 184 auf 196 PS. Auf der Straße profitiert vor allem der 1.8er vom Update. Der bisher als Plärrer bekannte kleine Antriebsstrang dreht nun in fast allen Fahrsituationen rund 500 Umdrehungen weniger und wird durch eine verbesserte Geräuschdämmung akustisch gezähmt.

Ruhiger und kraftvoller

Klar, das leicht angestrengte, gleichbleibende Geräusch bei hoher Last bleibt, aber das Aggregat geht deutlich kräftiger und gleichzeitig etwas ruhiger zu Werke. Die Werksangabe für den Standardsprint fällt von 10,9 auf 9,2 Sekunden. Er reagiert direkt auf Gaspedalbefehle und ein B-Gasse des Getriebes erhöht die Rekuperation beim Gaswegnehmen. Apropos Rekuperation: Die aktiviert der Corolla nun auch abhängig vom Verkehrsgeschehen und bremst mit deren Hilfe vor Kurven und beim Aufschließen im Verkehr ab. Das geschieht relativ harmonisch, flüssig und nachvollziehbar, was auch für die Fahrassistenz gilt – größtenteils. Abstandstempomat und Spurhalter arbeiten zuverlässig und harmonisch auch dank neuer Kameratechnik und einem neuen Frontradar. Beim Annäheren an den Fahrbahnrand lenkt der Corolla spät aber sanft zurück in die Spur und wirkt nicht übergriffig oder hektisch. Einzig der Verkehrszeichenerkennung sollte man nicht immer vertrauen, arbeitet sie doch ähnlich wie viele Konkurrenzprodukte nicht mit allzu hoher Trefferquote.

Mehr Druck, mehr Sicherheit

Trotz der gestiegenen Souveränität: Beim Umstieg in den Zweiliter-Hybrid wird schnell deutlich, dass er der Antrieb der Wahl für den Corolla bleibt. Zwar läuft er einen Hauch rauer und lauter, liefert dafür aber stets mehr Druck, muss daher seltener in hohen Lagen arbeiten und liegt zumindest nach WLTP beim Verbrauch auf einem Niveau mit dem kleinen Bruder. Die Null-Hundert-Werksangabe fällt bei ihm von 7,9 auf 7,5 Sekunden. Wie beim 1.8er sorgt die gestiegene E-Power für ein niedrigeres Drehzahlniveau. Ein B-Modus im Getriebe fehlt, dafür gibt es eine S-Gasse, die den Verbrenner stets aktiv und bei etwas höherer Grunddrehzahl mitlaufen lässt, was das Ansprechverhalten verbessert. Die Schaltwippen am Lenkrad haben eher eine dekorative Funktion, schließlich kann das System Schaltstufen nur simulieren und tut das auch nicht in bei jeder Betätigung. Aber der Corolla war eh nie ein Sportler und wird es auch mit dem Facelift nicht. Die Lenkung bleibt gleichmäßig aber ohne Maßstäbe bei Präzision oder Feedback zu setzen. Federungskomfort? Ist vorhanden, in Kurven mit kurzen Absätzen stoßen die teilweise aber trocken in den Vorderbau. Die Seitenneigung hält sich in Grenzen und in flott gefahrenen Kurven bleibt der Corolla erfreulich lange neutral, regelt im Grenzbereich die überschüssige Geschwindigkeit sanft und nicht übergriffig via ESP weg. Ein weiteres Sicherheitsplus bieten neue Sicherheitssysteme wie der Ausstiegswarner und ein Kreuzungsassistent, die zusammen mit der restlichen Fahrassistenz serienmäßig an Bord sind.

Ein Gespräch auf Zeit

Im Innenraum bleibt der Corolla als 5-Türer gewohnt eng geschnitten. Weder der mit hoher und breiter Ladekante schwer zu beladene und mit der Stufe im Ladeboden bei umgelegten Sitzen wenig praktische Kofferraum (361 bis 1.052 Liter) noch der klaustrophobische Fond überzeugen. Beim Touring Sports genannten Kombi hingegen kann das Raumangebot und der Kofferraum (596 bis 1.606 Liter) mit der Konkurrenz mithalten. Qualitativ bleibt es beim bewährt robusten, ordentlich zusammengefügten Toyota-Materialmix, der Langlebigkeit vor Handschmeicheleien stellt. Fortschritte gibt es weiter vorn zu verzeichnen, denn wie der RAV4 erhält auch der Corolla das neue 10,5-Zoll große, cloudbasierte Infotainmentsystem und das 12,3-Zoll große, vielfach konfigurierbare Tachodisplay. Die Grundbedienung via Touch ist logisch, die stets erreichbaren Direktwahlfelder am Rand erleichtern das Springen durch die Menüs. Einzig in den Einstellungen wird es schnell schachtelig und zum Teil unlogisch, da sich viele Fahrzeugeinstellungen nicht im Touchscreen sondern im Tachodisplay befinden. Die intelligente Sprachsteuerung versteht freie Sprache und agiert flink – so wie das ganze System. Klimaeinstellungen, Fenster öffnen, ein Sprung in ein bestimmtes Einstellungsmenü – alles kein Problem. Wenn die Internetverbindung aber nicht passt – und das tat sie während der Fahrt durch das eigentlich mit einer sehr guten Netzabdeckung gesegnete Spanien oft – sind viele Sprachfunktionen nicht mehr verfügbar, inklusive der wichtigen Sprachbedienung der Navigation. Ähnliches passiert, wenn man das vier Jahre nach Auslieferung ablaufende Online-Service-Abo nicht verlängert. Die Sprachbedienung entfällt dann vollständig.

Das neue Tachodisplay überzeugt mit seinen flüssigen Grafiken und der hohen Konfigurierbarkeit. Die Fahrassistenzeinstellungen hingegen müssen im Display mit den Lenkradtasten verstellt werden, was für viel langwierige Klickerei sorgt und von den zahlreichen undurchschaubaren Abkürzungen für die einzelnen Systeme nicht gerade erleichtert wird.

Empfindlicher Aufschlag

Trotzdem tun die Konnektivitäts- und Antriebsupdates dem Corolla richtig gut, werten ihn gezielt an den richtigen Stellen auf. Nur muss man jetzt irgendwie das eigene Konto aufwerten, damit das mit dem Corolla klappt, denn die Preiserhöhungen haben es wirklich in sich. Der Grundpreis steigt von 27.550 auf 33.340 Euro für das Basismodell mit kleinem Motor. Aber auch die beim 5-Türer ab der beliebten Ausstattungslinie Team Deutschland startende große Motorvariante legt um immense 5.390 Euro zu. Weiterhin lohnend: der Aufpreis von 1.900 Euro für den Zweiliter-Hybridantrieb und für platzbedürftige der 1.200-Euro-Aufschlag für den Kombi. Ob Toyota mit den so stark gestiegenen Preisen die für 2023 angepeilten 12.000 Autos verkauft, muss sich zeigen. Wenn nicht, wird es der riesige Konzern wohl verkraften, schließlich entspricht der deutsche Markt gerade Mal rund einem Prozent des weltweiten Corolla-Absatzes.

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Ja. Wenn er nur halb so gut ist wie der GR Yaris, wird er der Hammer!Nein. Bei diesem Auto ist in Sachen Emotion Hopfen und Malz verloren.

Fazit

Das Facelift verbessert den Antriebskomfort spürbar, ändert aber nichts am insgesamt pragmatischen Charakter des meistverkauften Autos der Welt. Digitaler wird er dank Infotainment und Display-Updates, die Sprachsteuerung überzeugt, bräuchte aber mehr Offline-Funktionen. Die Preiserhöhungen wirken – wie bei vielen anderen Herstellern derzeit auch – unverhältnismäßig.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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