Tauziehen um Red-Bull-Stardesigner
Wer bekommt Adrian Newey?

Nicht nur Max Verstappens Zukunft bei Red Bull ist ungewiss. Die Konkurrenz macht auch Jagd auf Adrian Newey. In der Verlosung sind Ferrari und Aston Martin. Newey wäre aber erst 2026 frei.

Adrian Newey - Red Bull - Formel 1 - 2024
Foto: Red Bull

Wenn man die Vorgeschichte nicht kennen würde, dann müsste man sich über die Spekulationen rund um Red Bull wundern. Die Hauptakteure des Machtkampfes benehmen sich an der Rennstrecke, als hätte es im Meisterteam nie irgendwelche Turbulenzen gegeben.

Man könnte fast von heiler Welt oder wenigstens Business as usual sprechen, wenn Christian Horner, Helmut Marko, Max Verstappen oder Adrian Newey sich unterhalten oder sogar gemeinsam am Tisch essen. Da fragt sich so mancher Beobachter, ob er das, was seit Wochen die Sportseiten oder Internetportale mit Storys füllt, nur geträumt hat.

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Tatsächlich gibt es zwei Welten bei Red Bull. An der Oberfläche versucht jeder seinen Job so professionell wie möglich zu machen, damit die Erfolgsmaschinerie weiter gut geölt läuft. Doch hinter den Kulissen geht das Tauziehen um die Neuordnung der Firma und des Rennbetriebs unvermindert weiter.

Adrian Newey & Christian Horner - Red Bull - Formel 1 - 2024
Red Bull

Wer Adrian Newey kennt, der weiß, dass der Ingenieur keine Lust auf politische Spielchen hat.

Angst, dass ein Imperium zerbricht

Christian Horner sieht sich mit Unterstützung der thailändischen Mehrheitseigner als neuer General und will dabei den österreichischen Part so weit wie möglich an den Rand drängen. Sämtliche Versuche der Gegenpartei Horner daran zu hindern, schlugen bis jetzt fehl.

Nicht wenige im Team haben die Sorge, dass die Revolte das Imperium ins Wanken bringen könnte. Max Verstappen und Adrian Newey zählen dazu. Der dreifache Weltmeister hat bereits klar zum Ausdruck gebracht, dass sein Verbleib im Team davon abhängt, was mit Red-Bull-Sportchef Helmut Marko passiert.

Der Grazer ist der Schlüssel zu Verstappens Zukunft. Geht Marko oder muss er gehen, kann Verstappen weg. Mercedes wartet nur auf diesen Moment. Die beste Versicherung für Red Bull ist, dass Mercedes im Moment keine attraktive Option ist. Red Bull gewinnt. Mercedes fährt hinterher.

Lewis Hamilton & Frederic Vasseur - Formel 1 - 2023
Motorsport Images

Kann Frederic Vasseur nach Lewis Hamilton noch einen zweiten Coup landen?

Abgang wäre doppelter Verlust

Verstappen wäre für Red Bull ein Verlust, der nicht zu kompensieren ist. Auch, weil die Alternativen immer dünner werden. Lewis Hamilton hat sich langfristig an Ferrari gebunden, Fernando Alonso bleibt bei Aston Martin, Lando Norris ist mit McLaren verheiratet. Und Carlos Sainz wird von Audi bedrängt, eine Entscheidung zu treffen.

Genauso groß wäre der Verlust von Adrian Newey. Auch wenn der Stardesigner nur noch Teilzeit für die Formel 1 arbeitet und die Red-Bull-Autos der letzten Jahre alle ein Gemeinschaftsprodukt eines top-besetzten Konstruktionsbüro waren, darf man den Wert des 65-jährigen Engländers nicht unterschätzen.

Newey bringt als einer der wenigen Ingenieure in der Szene das komplette Verständnis eines Rennauto-Konzepts und mehr Erfahrung mit als alle anderen. Die Groundeffect-Ära hat gezeigt, dass diese beiden Eigenschaften der Schlüssel zum Erfolg sind.

Der Verlust von Newey würde Red Bull doppelt treffen. Dem Team selbst ginge die höchste technische Instanz verloren. Noch schlimmer ist, dass die Konkurrenz mit ihm eine Expertise bekommt, die sie dringend braucht.

Helmut Marko, Amanda Smerczak & Adrian Newey - Red Bull - Formel 1 - 2024
Red Bull

Die Zukunft von Adrian Newey hängt auch von Helmut Marko ab. Und natürlich hat auch Ehefrau Amanda Smerczak ein Wörtchen mitzureden.

Ferrari oder Aston Martin?

Newey lebt zwar in seiner eigenen technischen Welt, doch seine Antennen hatten immer ein feines Gespür dafür, wenn etwas im Team schiefläuft. Es gibt nichts, was er mehr hasst als interne Politik. Seit bei Red Bull der Haussegen schief hängt, hat die Konkurrenz Blut geleckt. Wenn es je eine Chance gab, Newey bei Red Bull herauszubrechen, dann jetzt.

Der dienstälteste Konstrukteur im Feld soll Angebote von Ferrari und Aston Martin haben. Mercedes hat sich bis jetzt noch nicht an der Jagd auf das Superhirn beteiligt. Offenbar aus Angst, eine Ikone wie Newey könnte intern für zu viel Unruhe sorgen. Dabei wäre gerade sein Knowhow jetzt gefragt und für Verstappen ein weiterer Grund, Mercedes sein Ja-Wort zu geben.

Aston Martin hätte mit Sitz in England zwar einen Standortvorteil, doch bei Ferrari könnte sich für Newey eine bislang unerwiderte Liebe erfüllen. 30 Jahre lang gab es aus Sicht von Newey immer gute Gründe nicht für den Rennstall aus Maranello zu arbeiten. Am Ende seiner Karriere wäre es aber ein krönender Abschluss. Und ganz offenbar ist es diesmal ernst. Newey wurde kürzlich auf dem Flughafen in Bologna gesichtet.

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Bei Aston Martin lockt viel Geld und die Zusammenarbeit mit Alonso.
Ein Titel mit Ferrari und Newey wäre der Größte - am besten noch mit Hamilton.

Newey erst 2026 frei

Wer auch immer ihn bekommt, muss warten. Der Mann, dessen Autos zwölf Konstrukteurstitel gewonnen haben, hat noch einen Vertrag bis Ende 2025. Zuerst muss Newey das Red Bull Straßen-Hypercar RB17 abliefern. Es soll im September 2025 auf den Rädern stehen.

Sollte es danach wirklich zur Traumehe mit Ferrari kommen, dann prophezeit Gerhard Berger Ferrari eine zweite Schumacher-Ära. "Mit Hamilton statt Michael." Und wenn es doch Aston Martin werden sollte, dann hätte Fernando Alonso richtig gepokert. Newey erzählte vor ein paar Monaten in einem Interview, dass er bedauere nie mit Alonso zusammengearbeitet zu haben. Das ließe sich ändern.