Alfa-Upgrade für GP Singapur
Zwei Baustellen für 2024er Auto

Alfa-Sauber hat im Kampf um den siebten WM-Platz schlechte Karten. Williams hat 11 Punkte mehr und das bessere Auto. Mit einer letzten großen Ausbaustufe hofft der Schweizer Rennstall doch noch auf die Wende. Zwei Baustellen am Auto können die Ingenieure aber erst in der kommenden Saison räumen.

Valtteri Bottas - Alfa Romeo - GP Italien 2023 - Monza
Foto: Wilhelm

Die Aussichten für den WM-Sechsten des Vorjahres sind trüb. Williams hat mehr Punkte und das bessere Paket. Wenigstens endete in Monza die Dürre. Nach fünf Rennen ohne Punkterfolg verbuchte Alfa-Romeo-Sauber wieder ein Top-10-Resultat. Valtteri Bottas heimste beim Grand Prix von Italien einen WM-Punkt ein. Und das auf einer Rennstrecke, die eigentlich die Schwächen des Schweizer Rennwagens gnadenlos offenlegt.

Der C43 baut geradeaus einen zu hohen Luftwiderstand auf. Auf den langen Geraden des Autodromo zählt aber insbesondere die Windschlüpfrigkeit. Umso erstaunlicher war es, dass Bottas den zehnten Platz erreichte. Das lag mehr am Unvermögen der anderen als an der alternativen Taktik mit der Reifenfolge hart-medium. Oscar Piastri wurde von Lewis Hamilton aus den Punkten gekegelt. Die Alpine lahmten wegen ihres Motoren-Defizits. Haas hatte als einziges Team keine Spezial-Flügel im Gepäck. Yuki Tsunoda war mit Antriebsschaden bereits vor dem Start raus.

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Valtteri Bottas - Alfa Romeo - Formel 1 - GP Italien - Monza - 1. September 2023
xpb

Vom 14. Startplatz kam Valtteri Bottas in Monza noch in die Punkte.

Neuer Unterboden für Singapur

Die schlechte aerodynamische Effizienz schleppt Alfa-Sauber seit Saisonbeginn mit sich herum. Den zu hohen Luftwiderstand wird das Auto in diesem Jahr auch nicht mehr los. Das ist eine Baustelle, welche die Ingenieure erst mit dem C44 für die Formel-1-Saison 2024 räumen können.

Die bisherigen Upgrades haben die Schwäche jedenfalls nicht ausgemerzt. Mit Retuschen versuchen die Ingenieure, so gut wie möglich gegenzusteuern. In Monza wurde die Aufhängung vorne umgebaut, was vor allem der aerodynamischen Effizienz zugutekommen sollte. Zudem brachte Alfa-Sauber wie neun andere Teams einen modifizierten Heckflügel. Die Ingenieure beschränkten sich dabei nicht nur auf das Hauptblatt, sondern verpassten auch den Endplatten ein neues Profil.

Für den GP Singapur wird der Rennstall aus Hinwil noch einmal nachlegen. Es heißt, Alfa-Sauber bringe zum Nachtrennen die letzte große Ausbaustufe der Saison. Neu sein sollen der Unterboden und auch Teile der Verkleidung. Der Kurs sollte einer nach dem Geschmack des C43 sein. Die 19 Kurven erfordern viel Anpressdruck. Es fehlen die wirklich langen Geraden. Ein zu hoher Luftwiderstand fällt daher in Singapur nicht so sehr ins Gewicht.

Und im Stadtstaat nahe dem Äquator ist es für gewöhnlich heiß. Das ist für Alfa-Sauber in dieser Saison doppelt wichtig. Kein Team hat so große Probleme, die Reifen anzuzünden. Das ist ein Grund, warum Valtteri Bottas und Guanyu Zhou sich in der Qualifikation oft schlechte Startplätze einhandeln. Mit einem Auto, das langsam auf den Geraden ist, wird es im Rennen dann doppelt schwer Plätze zu gewinnen.

Alfa Romeo - Technik - GP Italien 2023
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Alfa widmete sich der Vorderradaufhängung: Sie wurde neu eingekleidet.

Alfa-Sauber in Reifenfalle

Bis jetzt hat es Sauber nicht geschafft, das Reifenproblem zu lösen. Es ist wie die schwache aerodynamische Effizienz ein Projekt für die nächste Saison. Die Ingenieure müssen dafür an die Geometrie der Aufhängungen ran. Derzeit sind hier nur kleinere Kurskorrekturen möglich, wie in Monza. Ein großer Eingriff an der Kinematik geht ins Geld und kostet wesentlich mehr Zeit.

Die Produktionsabteilung in Hinwil hat im Vergleich zur Vorsaison zwar ihr Tempo gesteigert, doch es besteht weiter Handlungsbedarf. Von daher kommt es wohl erst 2024 zu einer wirklich nachhaltigen Lösung, die dabei helfen soll, die Pirellis zuverlässig in ihr kleines Arbeitsfenster zu zwingen.

Der neue Unterboden für Singapur, der mehr Anpressdruck erzeugen soll, könnte bereits helfen. Mit mehr Last lässt sich schneller und leichter Temperatur im Reifen erzeugen. Bei Sauber beten sie, dass es an den letzten acht Grand-Prix-Wochenenden möglichst trocken bleibt. Die hohe Dichte an verregneten Qualifikationen in dieser Saison schmerzte den Rennstall besonders. Weil man auf feuchter Strecke noch mehr mit den Reifen zu kämpfen hat als üblich.

Es muss schon alles zusammenpassen, dass Hinwil in diesem Jahr noch Williams abfängt. Der WM-Siebte sammelte in Monza dank Alexander Albon sechs WM-Punkte ein. Inzwischen hat Williams 21 Zähler auf dem Konto. Alfa-Sauber steht bei zehn. Zwischen den beiden Traditonsteams liegt noch Haas mit elf Punkten. Problem für die Ferrari-Kunden: Williams ist inzwischen auch auf kurvenreichen Rennstrecken schnell. Und mit Albon hat man einen zuverlässigen Punktelieferanten im Cockpit.

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