Alpine-Vorteil im Duell gegen McLaren
Piastri sammelte Austin-Daten

GP USA 2022

Alpine geht 13 Punkte vor McLaren in die letzten vier Rennen. Der Vorsprung könnte in Austin wachsen. Weil der Alpine auf diesem Typ Strecke stark ist und das Team die neu asphaltierte Strecke dank Oscar Piatri besser kennt als der Rest des Feldes. Nur der geplante Motorenwechsel bei Alonso trübt die Aussichten.

Alpine - GP Singapur 2022 - Formel 1
Foto: ams

Im Duell zwischen Alpine und McLaren um Platz vier geht es hin und her. Innerhalb von nur drei Rennen schlug das Pendel hart in beide Richtungen aus. Aus Sicht von Alpine von 24 Punkten Vorsprung auf vier Zähler Rückstand und jetzt wieder auf 13 Punkte Guthaben. Vier Rennen vor Schluss spricht mehr für Alpine als für McLaren.

Daniel Ricciardo sieht McLaren in dem Duell als Underdog: "Alpines Stärke ist die Konstanz. Unsere die Zuverlässigkeit. Generell haben sie das stärkere Paket. Das letzte Upgrade hat uns überhaupt im Rennen gehalten. Aber wenn wir sie schlagen wollen, müssen wir uns darauf verlassen, dass sie über ihre Schwächen stolpern." Wie zum Beispiel die beiden Motorschäden in Singapur.

Unsere Highlights

Fernando Alonso wird in Austin mit einem frischen Motor ins Rennen gehen. Wie bei Ferrari wird das sechste Triebwerk wahrscheinlich erst am Samstag gezündet. Da es nur den Verbrenner betrifft, kostet es auch nur fünf Startplätze. Somit bleibt Alonso im Rennen um die Punkte.

Fernando Alonso - GP USA 2022
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Fernando Alonso wird in Austin wohl eine Startplatzstrafe wegen eines Motorwechsels kassieren.

Piastri übte im Frühjahr in Austin

Alpine ist zuversichtlich, dass die blauen Autos ähnlich stark sein werden, wie in Suzuka, wo man sogar Mercedes hinter sich gelassen hat. Die Streckencharakteristik mit den schnellen S-Kurven und einigen langsamen Passagen weist viele Parallelen auf.

Der in Singapur erstmals eingesetzte Unterboden zeigte in Suzuka seine Wirkung. Er wird jetzt noch einmal nachgebessert. Teamchef Otmar Szafnauer bestätigte, dass damit das Upgrade-Programm für 2022 abgeschlossen ist. Alpine erwartet auch keine bösen Überraschungen in Bezug auf die Fahrzeugabstimmung. Seitdem Austin 70 Prozent der Strecke neu asphaltiert hat, sind die schlimmsten Bodenwellen glattgebügelt.

Während der renovierte Circuit of the Americas für die meisten Teams Neuland ist, wissen die Ingenieure von Mercedes und Alpine schon, was sie in Austin erwartet. Lewis Hamilton hat im Juni einen alten Mercedes getestet. Alpine-Reservefahrer Oscar Piastri war im Frühjahr mit dem Vorjahresauto auf dem damals schon neu asphaltierten Kurs unterwegs.

Austin wurde mit Bedacht in Piastris Ausbildungsprogramm eingebaut. "Es war letztes Jahr unsere schlechteste Strecke, und wir wollten herausfinden warum", erklärt Einsatzleiter Alan Permane. So hat sich der fahnenflüchtige Piastri am Ende doch noch für Alpine gelohnt.

Esteban Ocon - GP USA 2022
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Esteban Ocon hat sich einen Spiderman-Helm für den Texas-Grand-Prix anfertigen lassen.

Risiko-Strategien sind tabu

Im Kampf um Platz vier wird es auch darauf ankommen, dass McLaren und Alpine ohne große operative Pannen durch das Wochenende kommen. Das wird dadurch erschwert, dass die zweite Trainingssitzung als Test für die 2023er Pirelli-Reifen geopfert werden muss. McLaren wird das Auto von Daniel Ricciardo im ersten Training an Alex Palou abtreten. Damit ist der britische Rennstall bei der Setup-Arbeit nur mit halber Kraft unterwegs.

Alpine verschiebt seine Rookie-Tests auf Mexiko und Abu Dhabi. Auch, weil der Fall Piastri immer noch nicht ganz geklärt ist. Piastri hätte im Rahmen seines Ausbildungsprogramms eigentlich noch Anspruch auf die beiden Freitagstrainings, doch bei Alpine besteht wenig Interesse einem künftigen McLaren-Fahrer noch weitere Hilfestellung zu geben. Man hat schon genug Geld in den Australier investiert, ohne davon einen Nutzen zu haben.

Bei der Rennstrategie wird wie in Suzuka die Vernunft regieren. Risiko-Entscheidungen sind tabu. Alonso beschwerte sich nach Suzuka darüber, dass man ihn nicht in der gleichen Runde wie Sebastian Vettel an die Box geholt habe, und dass der zweite Boxenstopp zu spät erfolgte. Die Ingenieure halten dagegen, dass vor dem Re-Start abgemacht wurde, nicht dem Safety-Car in die Box zu folgen.

Alonso habe die Entscheidung mitgetragen und auch am Funk nicht ausdrücklich einen früheren Boxenstopp eingefordert. "Es ist für Vettel gut gegangen, weil er nichts zu verlieren hatte. Für uns war wichtig, vor den McLaren zu bleiben. Wenn wir Fernando reinholen, und es kommt ein Safety-Car oder eine rote Flagge, gehen wir leer aus", sagen die Ingenieure.

Beim zweiten Reifenwechsel räumt das Team ein, dass eine Runde früher besser gewesen wäre. "Aber hinterher bist du immer schlauer. Keiner hat erwartet, dass wir gleich vier Sekunden pro Runde schneller sein werden als der Rest."