Neue E-Fuels für 2026
Wird der Aramco-Sprit zum Matchwinner?

Nach dem neuen Antriebsreglement für 2026 müssen die Formel-1-Motoren mit 100 Prozent synthetischem Kraftstoff betrieben werden. Das Know-how der Benzinpartner wird damit so wichtig wie noch nie.

Fernando Alonso - F1 - 2024
Foto: Aston Martin

Als Fernando Alonso über seine Beweggründe zur Vertragsverlängerung bei Aston Martin sprach, fielen immer wieder die Worte "Honda" und "Aramco". Der spanische Doppelweltmeister weiß, was für eine große Rolle der Antrieb nach der großen Reform des technischen Reglements in der Saison 2026 spielen wird. Und mit den beiden Partnern scheint Aston Martin stark aufgestellt zu sein.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Bedeutung des Verbrenners mit dem neuen Reglement abnehmen wird. Immerhin soll er künftig nur noch die Hälfte der Gesamtleistung beisteuern. Die Leistung des Elektromotors soll im Gegenzug massiv steigen – von aktuell 120 kW auf 350 kW. Doch weil sich die notwendige Menge an Elektro-Power nicht so einfach aus kinetischer Bremsenergie rekuperieren lässt, muss künstlich nachgeholfen werden.

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Verbrenner wird zum Generator

Die Antriebssteuerung muss dann dafür sorgen, dass die Batterien zu jeder Zeit ausreichend geladen sind. Sonst würde plötzlich die Hälfte der rund 1.000 PS Systemleistung fehlen. Der Verbrenner fungiert also zeitweise wie ein Generator. Je nach Strecke kann das bedeuten, dass die Drehzahlen auch in langsamen Kurven nach oben gehen, um die Energiespeicher zu füllen.

Gleichzeitig wird die erlaubte Spritmenge aber deutlich reduziert. Um rund 30 Prozent sollen die Tanks kleiner werden, was auch dem Gesamtgewicht der Autos zugutekommt. Effizienz ist also Trumpf. Damit bekommt die Frage nach der Qualität des verwendeten Sprits eine große Bedeutung. Das Reglement verbietet fossile Kraftstoffe. Stattdessen muss das Benzin synthetisch und nachhaltig aus Biomasse hergestellt werden.

Der neue Sprit aus dem Reagenzglas verlangt von allen Lieferanten einen hohen Entwicklungsaufwand. Damit die Unterschiede in Sachen Leistung am Ende nicht zu extrem ausfallen, hat die FIA enge Leitlinien aufgestellt. So muss zum Beispiel die Oktanzahl zwischen 95 und 102 liegen. Auch bei der Zusammensetzung und der Dichte gibt es strikte Vorgaben. Als Ziel wurde formuliert, dass der Sprit auch in ganz normalen Straßenautos funktionieren muss.

Safety-Car - Aston Martin - F1 - 2024
Wilhelm

Der nachhaltige Formel-1-Sprit muss auch in Serienautos gefahren werden können.

FIA will Wettbewerb der Spritlieferanten

In Paragraf 16.1.2 des 2026er Antriebsreglements ist fest verankert, dass der Lieferant nachweisen muss, dass der Sprit für die kommerzielle Nutzung entwickelt wurde. Und dass der Sprit in ausreichender Menge produziert werden kann. "Wir wollen einen Wettbewerb der Spritanbieter schaffen. Aber wir wollen nicht, dass jemand komplett dominiert, nur weil er das bessere Benzin hat", erklärt FIA-Technikchef Pat Symonds.

Aktuell ist die Spritentwicklung, genau wie die Arbeit an den Motoren selbst, eingefroren. Künftig können die Benzinlieferanten aber wieder einen deutlich größeren Unterschied machen, als es aktuell der Fall ist. Die Verbrenner werden weiterhin extrem mager laufen. Alle Motorenhersteller müssen somit eng mit ihren Benzinpartnern zusammenarbeiten, um die maximale Energie aus jedem Tropfen zu quetschen. Die Entwicklung in den Laboren und auf den Prüfständen ist bereits in vollem Gange.

Experten erwarten, dass Aramco mit einem Vorsprung in die neue Antriebs-Ära gehen wird. Der arabische Ölkonzern hatte die FIA schon bei der Ausarbeitung des neuen Reglements mit Spritproben unterstützt. Aramco liefert zudem die E-Fuels, die bereits in der Formel 2 und der Formel 3 zum Einsatz kommen. Hier wird der Anteil Jahr für Jahr erhöht. In dieser Saison besteht der Kraftstoff schon zu 55 Prozent aus nachhaltigen Komponenten.

Wenn Fernando Alonso also Aramco als einen der Faktoren nennt, die ihn zu seiner Vertragsverlängerung bewegt haben, dann stecken da nicht nur Marketinggründe dahinter. Der Staatskonzern investiert riesige Summen in das Projekt. In Saudi-Arabien und Spanien wurden bereits Entwicklungs- und Produktionsstätten aufgebaut, um auf dem Gebiet der E-Fuels eine Vorreiterrolle einzunehmen. Man darf gespannt sein, ob die Rechnung für Alonso am Ende aufgeht.