Videos
Kleinwagen
Kompakt
Mittelklasse
SUV
Oberklasse
Sportwagen
Van
Nutzfahrzeuge
Oldtimer
Verkehr
Tech & Zukunft
Formel 1
AMS Kongress

Alpine-Streit: Fliegt Ocon noch vor Saisonende?

Stallregie-Ärger bei Alpine
Fliegt Ocon noch vor Saisonende raus?

GP Kanada 2024

Bei Alpine hängt der Haussegen schief. Nach dem Crash in Monaco und dem Stallregie-Ärger in Montreal stellt sich die Frage, ob Esteban Ocon noch vor Saisonende gehen muss.

Pierre Gasly - GP Kanada 2024
Foto: Wilhelm

Alpine hat in Montreal das beste Ergebnis der Saison eingefahren. Zum ersten Mal überhaupt schafften es beide Fahrer in die Punkte, wodurch die Equipe in der Teamwertung an Williams vorbei auf Rang acht sprang. Und das, obwohl Esteban Ocon nach der Monaco-Strafe von ganz hinten losfahren musste. Doch nach dem Rennen war von Feierlaune nichts zu spüren. Ocon polterte gegen sein eigenes Team. Er fühlte sich gegenüber Pierre Gasly benachteiligt.

Unsere Highlights

Was war passiert? In der heißen Schlussphase hatten die Ingenieure in den Antriebsdaten von Ocon verdächtige Werte gesehen. Es gab Probleme mit dem Energie-Management der Batterie. Der Pilot konnte sich in der 66. Runde somit nicht mehr gegen den Angriff von Daniel Ricciardo wehren. Danach hatte Ocon das Schwesterauto im Rückspiegel. Am Kommandostand reifte die Idee zum angeordneten Platztausch. Gasly sollte anschließend den achten Platz von Ricciardo zurückholen.

Ocons Renningenieur Josh Peckett meldete sich mit dem Funkspruch: "Esteban, wir müssen Pierre vorbeilassen, bitte! Hinter ihm ist eine Lücke von zwei Sekunden zu Hülkenberg." Doch der Pilot nahm den Befehl nicht so einfach hin: "Was ist der Grund dafür?" Ingenieur: "Wir müssen versuchen, Ricciardo zu attackieren." Antwort des Fahrers: "Vergesst es!"

Esteban Ocon - GP Kanada 2024
xpb

Zwischen Esteban Ocon und Renningenieur Josh Peckett ging es in den Schlussrunden am Funk heiß her.

Platztausch erst im zweiten Anlauf

Erst mit dem zweiten Anlauf des Kommandostands gab Ocon seine Verweigerungshaltung auf. Ingenieur: "Das ist eine Anweisung." Ocon: "Werden die Plätze später zurückgetauscht?" Ingenieur: "Daran arbeite ich gerade." Ocon: "Okay, dann lasse ich ihn vorbei." Zwei Runden vor der Zielflagge wechselten die blauen Renner vor Kurve 8 schließlich die Positionen.

Doch da war es schon zu spät. Gasly kam nicht mehr ins DRS-Fenster von Ricciardo und fuhr mit 1,3 Sekunden Rückstand auf den Australier ins Ziel. Den von Ocon erbetenen Rücktausch gab es nicht mehr. Die Alpine-Ingenieure befürchteten, dass Hülkenberg die Situation ausnutzen könnte. Dem Deutschen fehlte auf dem Strich nur eine halbe Sekunde auf Ocon.

In der Auslaufrunde ließ der Franzose seinen Frust über Funk ab: "Ich habe getan, was ich tun musste. Aber ihr habt nicht das getan, was ihr hättet tun müssen." Ingenieur Peckett versuchte seinen Schützling zu beruhigen: "Wir sind Zehnter geworden, obwohl wir ohne große Hoffnung von ganz hinten gestartet sind. Das lag vor allem daran, dass Du heute sehr gut gefahren bist und bei schwierigen Bedingungen einen kühlen Kopf bewahrt hast. Du solltest sehr zufrieden mit Dir sein. Und wir sind Dir sehr dankbar."

Esteban Ocon - GP Kanada 2024
xpb

Ocon wurde in der Endphase des Rennens durch ein Problem mit dem Energie-Management eingebremst.

"Stallregie ergab keinen Sinn"

Doch das konnte den Ärger des Piloten nicht lindern. Bei den TV-Interviews polterte der 27-Jährige in die Sky-Mikrofone: "Ich freue mich für das Team, dass wir mit beiden Autos punkten konnten. Aber die Reihenfolge hätte eigentlich umgedreht sein sollen. Zwei Runden vor Schluss bekam ich den Befehl, Pierre vorbeizulassen, damit er Daniel angreifen kann. Der lag zweieinhalb Sekunden vor uns und war zu schnell für uns. Der Befehl ergab also gar keinen Sinn."

Ocon beklagte noch einmal, dass die Positionen anschließend nicht zurückgetauscht wurden. "Ich habe meinen Teil der Abmachung eingehalten. Ich bin ein Teamplayer und respektiere immer die Befehle, die man mir gibt. Das habe ich in meiner Karriere noch nie anders gemacht. Leider hat das Team seinen Teil nicht eingehalten. Das ist sehr traurig."

Der Haussegen bei Alpine hängt nicht erst seit Montreal schief. Angeblich soll Ocon die Teamführung schon vor dem Rennen in Monaco verärgert haben. Beim Strategie-Briefing sollen die Ingenieure den Piloten gebeten haben, den zehnten Platz von Teamkollege Pierre Gasly nach hinten abzusichern, was Ocon angeblich zunächst verweigerte. Stattdessen griff er das Schwesterauto direkt in der Startrunde an, was zu einer Kollision und der Strafe für Montreal führte.

Pierre Gasly - GP Kanada 2024
Wilhelm

Von ganz hinten gestartet, tauchte Ocon schon früh hinter Teamkollege Gasly auf. Durch unterschiedliche Strategien wurden zwischenzeitlich die Plätze getauscht.

Trennung vor oder nach Saisonende?

Teamchef Bruno Famin war entsprechend angesäuert. Noch vor dem Rennen in Kanada wurde in einer ungewöhnlichen Pressemitteilung erklärt, dass beide Parteien nach der Saison getrennte Wege gehen werden. Bei noch 15 verbleibenden Rennen in diesem Jahr muss man aber die Frage stellen, ob die Zweckehe so lange halten wird oder ob das Team seinen Angestellten schon vorher vor die Tür setzt.

Die Gelegenheit würde sich anbieten, um Junior-Pilot Jack Doohan etwas Praxis-Erfahrung sammeln zu lassen. Der 21-Jährige gilt aktuell als Favorit, den freien Platz von Ocon in der kommenden Saison zu übernehmen. Alpine würde gerne vorher schon herausfinden, ob Doohan der Aufgabe gewachsen ist. Und das australische Talent könnte im letzten Saisondrittel viele neue Übersee-Strecken kennenlernen, was ihm 2025 helfen würde.

Doch so einfach vor die Tür setzen kann man Ocon natürlich nicht. Der Fahrer besitzt einen gültigen Vertrag, der es ihm erlaubt, die fünfte Saison beim französischen Werksteam als Stammfahrer ordnungsgemäß zu beenden. Eine Trennung wäre nur möglich, wenn der Arbeitgeber nachweisen kann, dass der Angestellte gegen das Wohl des Teams handelt. Oder natürlich, wenn man sich finanziell über eine vorzeitige Trennung einigt.

Um seine Zukunft in der Formel 1 muss sich Ocon keine Sorgen machen. Obwohl der Pilot im Fahrerlager nicht gerade einen Ruf als vorbildlicher Teamplayer hat, gibt es Interesse von anderen Rennställen. Aktuell gilt als wahrscheinlichste Lösung, dass Ocon zu Haas wechselt und dort Nico Hülkenberg ersetzt. "Wir werden etwas bekanntgeben, wenn das Timing passt. Aktuell ist noch nicht der richtige Zeitpunkt", erklärte der Fahrer in Montreal zu seinen Plänen.