Rennanalyse GP China 2024
Norris sprengt Red Bull

GP China 2024

Max Verstappen gewann in Shanghai. Aber Red Bull verpasste den Doppelsieg. Lando Norris fuhr im McLaren auf Platz zwei. In der Rennanalyse beantworten wir, wie das möglich war und wieso Ferrari und Mercedes enttäuschten.

Lando Norris - McLaren - GP China 2024 - Shanghai - Formel 1 - 21. April 2024
Foto: xpb

Wieso kam Perez nicht an Norris vorbei?

Das China-Comeback nach fünf Jahren Pause nahm früh seinen gewohnten Gang. Max Verstappen stürmte von der Pole-Position aus in Führung und hatte das Feld im Griff. Teamkollege Sergio Perez verlor beim Start einen Platz an Fernando Alonso. Der Aston-Martin-Pilot konnte sich bis Runde 5 vor dem schnelleren Red Bull halten. Dann beendete der Mexikaner das Intermezzo und zog am Spanier vorbei. Zu diesem Zeitpunkt war die Schere zu Teamleader Verstappen schon gehörig aufgegangen.

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Verstappen und Perez hatten ihren ersten Stopp bereits im 13. Umlauf abgespult und die harten Pirelli-Gummis aufgeschnallt. Bis zur 20. Runde sah alles nach dem vierten Doppelsieg im fünften Grand Prix des Jahres für Red Bull aus. Dann strandete Valtteri Bottas in der Auslaufzone von Turn 11 mit seinem Sauber. Der Finne beklagte ein Problem seines Antriebsstrangs. Die Rennleitung verhängte das virtuelle Safety-Car. Das nutzten Lando Norris und Charles Leclerc, um ihren ersten und einzigen Stopp zu absolvieren.

Die Sportwarte hatten aber Schwierigkeiten, den Sauber zu bergen. Der C44 steckte im Gang fest. Die Rennleitung schickte nun Bernd Mayländer auf die Strecke. Red Bull handelte sofort und holte beide Fahrer zum zweiten Mal rein. Sowohl Verstappen als auch Perez bekamen die harten Reifen für den letzten Stint verpasst. Das spülte Norris und Leclerc an Perez vorbei. Das war der Knackpunkt. Nach dem Restart in der 31. Runde mühte sich der Mexikaner hinter Leclerc ab. Es dauerte bis zum 39. Umlauf, ehe er den Ferrari-Mann überholen konnte. Norris hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon um fünf Sekunden abgesetzt. Der Abstand blieb bis zum Rennende konstant.

Perez begründete die gescheiterte Jagd auf Norris mit dem Reifenverschleiß: "Die Safety-Car-Phase kam für mich etwas unglücklich. Wir haben mit Platz drei noch das meiste herausgeholt. Die Reifen werden im Verkehr einfach mehr beansprucht." Nicht unterschlagen sollten wir auch die Tatsache, dass er ohne den Zeitverlust hinter Fernando Alonso zu Rennbeginn vermutlich vor Norris und Leclerc nach dem zweiten Stopp auf die Strecke zurückgekehrt wäre.

Sergio Perez - Red Bull - GP China 2024 - Shanghai - Formel 1 - 21. April 2024
xpb

Sergio Perez musste seinem Teamkollegen Max Verstappen mal wieder gratulieren. Der Mexikaner wurde in Shanghai nur Dritter.

Warum verpasste Ferrari das Podium?

Die zweite Kraft bis zum China-Comeback war Ferrari. Doch in Shanghai verpassten die Roten zum ersten Mal in dieser Saison das Podest. Charles Leclerc verfehlte das Podium um vier Sekunden, Carlos Sainz hatte als Fünftplatzierter weitere zehn Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen.

Eine Enttäuschung, die sich schon am Freitag angekündigt hatte, wie Teamchef Frédéric Vasseur im Anschluss des Rennens zugab. "Wir haben den Reifenverschleiß nicht gut verstanden. Das liegt auch am Sprint-Format mit nur einem Training. Wir konnten am Freitag nicht mit den harten Reifen üben. Deshalb wussten wir nicht genau, was wir der Mischung zumuten konnten."

Ferrari hat in dieser Saison den Reifenverschleiß deutlich besser im Griff als im Vorjahr. In Shanghai war man aber schlechter aufgestellt als Red Bull und McLaren. Vasseur bemängelte zudem die schlechten Startplätze von Leclerc und Sainz. Die Ränge sechs und sieben waren nicht nach dem Gusto des Franzosen. "Wir sind zu weit hinten gestartet. Das hat unser Rennen negativ beeinflusst. Jedes kleine Detail macht dieses Jahr einen Unterschied. Da geht es oft nur um eine Zehntelsekunde."

Teamchef Vasseur hob aber auch die positiven Fakten des Wochenendes hervor. "Wir haben mehr Punkte gesammelt als McLaren und Mercedes – und im Vergleich zu letztem Jahr stehen wir deutlich besser da."

Charles Leclerc - Ferrari - GP China 2024 - Shanghai - Formel 1 - 21. April 2024
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Charles Leclerc verpasste das Podium als Vierter. Ferrari war in China hinter Red Bull und McLaren nur dritte Kraft.

Was war bei Mercedes los?

Mercedes erlebte in Shanghai ein noch schlechteres Wochenende als Konkurrent Ferrari. Man ist geneigt zu sagen "mal wieder". Bis zum Qualifying am Samstag (20.4.) war Mercedes dank Lewis Hamilton die positive Überraschung in Shanghai. Nach Platz zwei im Sprint hatten die Silberpfeile Blut geleckt. Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Der Rekordsieger scheiterte im ersten Teil der Qualifikation und schob das auf ein schlechtes Setup an seinem Auto.

Hamilton arbeitete sich im Rennen immerhin noch in die Punkte auf Rang neun nach vorne, beklagte sich aber durchgehend am Funk. Der W15 wäre unglaublich schwierig zu fahren, monierte der nächstjährige Ferrari-Pilot. Teamchef Toto Wolff klärte nach dem Rennen auf: "Lewis wollte nach dem Sprint, dass wir eine andere Richtung beim Setup einschlagen. Das ging überhaupt nicht auf. Das Auto war dann zu schlecht in den langsamen Kurven und ließ sich nicht drehen."

Der siebenmalige Weltmeister nahm die Schuld für den Setup-Poker auf sich. "Ich habe einen Fehler bei der Abstimmung gemacht und habe den Preis dafür bezahlt. Ich versuche sicherzustellen, dass das in der Zukunft nicht wieder passiert." George Russell hatte sich für ein anderes Setup entschieden, das ihm immerhin einen Startplatz in den Top-Ten und den sechsten Rang im Rennen einbrachte. Schnell war der zweite Mercedes dennoch nicht. Er musste beide Ferrari ziehen lassen, die er am Start noch passiert hatte. Trotz frischerer Reifen trudelte der Engländer mit knapp fünf Sekunden Rückstand auf Carlos Sainz im Ziel ein.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP China 2024 - Shanghai - Formel 1 - 21. April 2024
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Lewis Hamilton verzockte sich beim Setup und wurde nur Neunter. Mercedes-Teamkollege George Russell beendete das Rennen auf Platz sechs.

Warum wechselte Alonso auf den Soft-Reifen?

Fernando Alonso landete hinter Russell auf dem siebten Platz. Der Spanier lag nach dem Start kurzzeitig auf Rang zwei, zollte dann aber dem höheren Reifenverschleiß seines Aston Martins Tribut. Stück für Stück ging es zurück. In Runde 11 war der Ex-Weltmeister nur noch Siebter und steuerte die Box an, um sich harte Pirelli-Gummis abzuholen. Doch dabei blieb es nicht.

Die Safety-Car-Phase erforderte eine angepasste Strategie bei Alonso. Der 42-Jährige kam nur zwölf Umläufe nach dem ersten Stopp wieder an die Box und fasste zur Überraschung vieler den weichen Pirelli auf. Damit war klar, dass Alonso ein weiteres Mal zum Reifenwechsel reinkommen musste. Der Asturier erklärte die Taktik nach dem Rennen: "Wir hatten keine harten Reifen mehr zur Verfügung, deshalb wechselten wir auf die Soft-Reifen."

Alonsos Alternative wäre gewesen, zunächst auf die C3-Mischung zu setzen. Der Spanier hatte nur noch einen Satz der weichen und mittleren Sorte zur Verfügung. Unter diesen Umständen war der Altmeister mit seinem Resultat zufrieden. "Obwohl wir heute nicht ganz die Pace hatten, war es wichtig, einige Punkte mitzunehmen." Der späte Wechsel auf den frischen Satz der Medium-Gummis in Runde 43 brachte Alonso noch den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde ein.

Fernando Alonso - Aston Martin - GP China 2024 - Shanghai - Formel 1 - 21. April 2024
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Fernando Alonso musste wegen der Safety-Car-Phase auf eine Dreistopp-Strategie umsteigen.

Wie ist der Leistungsunterschied bei Haas zu erklären?

Nico Hülkenberg strahlte am Ende des Rennens über beide Backen. Der Deutsche hatte als Zehnter den letzten WM-Punkt eingefahren. Es war der vierte Zähler der Saison für den 36-Jährigen: "Es war heute ein fehlerfreies Rennen von meiner Seite aus. Ich muss sagen, dass es eines der saubersten Rennen meiner Karriere war." Im Sprint am Samstag-Morgen sah es noch ganz anders aus. Hülkenberg überquerte die Ziellinie als Letzter. Das Team baute den VF-24 vor dem Qualifying massiv um. Das fruchtete. Hülkenberg stellte den Haas mittags auf Platz neun.

Schon am Start ging es gut los. Hülkenberg kassierte beide Ferrari, die sich in Turn 1 nicht über die Vorfahrt einig waren. Nach Runde 1 waren aber Leclerc und Sainz wieder vorbei am Deutschen. Später musste er auch noch Lance Stroll und Valtteri Bottas ziehen lassen. Haas entschied sich für einen frühen Stopp und beorderte seinen Nummer-1-Fahrer in Runde 8 zum Wechsel an die Box. Die frischen harten Pirelli-Pneus brachten ihm die entscheidenden Sekunden, um per Undercut wieder an Bottas vorbeizuziehen.

Nico Hülkenberg - Haas - GP China 2024 - Shanghai - Formel 1 - 21. April 2024
Motorsport Images

Nico Hülkenberg lieferte nach dem Qualifying auch im Rennen ab und schnappte sich als Zehnter den letzten WM-Punkt.

Der Crash von Lance Stroll mit Daniel Ricciardo beim ersten Restart spielte "Hülk" zusätzlich in die Karten. Das gab der Emmericher unumwunden zu. "Die Top-Ten sind normalerweise gebucht. Nur wenn einer ein Problem hat, können wir Punkte holen. Heute hatte Lance ein Problem und wir waren da. Wir haben uns den Punkt erkämpft." Hülkenberg hob zudem nochmal die Bedeutung von fehlerfreien Wochenenden für ein Mittelfeld-Team wie Haas hervor. "Das zeigt auch, dass wir ein perfektes Qualifying am Samstag und ein perfektes Rennen am Sonntag brauchen, um dort zu stehen, wo wir heute sind. Viel mehr hätten wir nicht tun können. Ein Punkt ist in unserer Welt eine Menge!"