Wer hat am besten das Auto angepasst?
Mercedes im Setup-Dschungel

GP China 2024

Die Teams haben die neuen Sprint-Regeln begrüßt. Zwischen Sprint und Qualifikation durfte am Setup gearbeitet werden. Alle wurden schneller. Red Bull am meisten, Mercedes am wenigsten.

Lewis Hamilton - Formel 1 - Shanghai - GP China 2024
Foto: Wilhelm

Der GP China wurde über die Fahrzeugabstimmung entschieden. Nicht an der Spitze. Red Bull war überlegen und hätte wahrscheinlich auch mit dem zweitbesten Setup und jeder anderen Strategie das Rennen gewonnen. Doch im Verfolgerfeld zeigten sich zwischen Samstag und Sonntag große Unterschiede.

Ferrari, McLaren, Mercedes und Aston Martin hatten keinerlei nennenswerte Upgrades im Gepäck. Ihre Autos waren auf dem Stand von Suzuka. Das Kräfteverhältnis war jedoch ein anderes. Während sich in den ersten vier Rennen Ferrari als die klare Nummer zwei hinter Red Bull profilierte, spielte diesmal McLaren die Kronprinzenrolle.

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Mercedes hatte Mühe Aston Martin abzuwehren und schaffte es nur, weil man im Rennen seine Reifen klüger einsetzte. Aston Martin verbrannte seinen einzigen Satz harter Reifen zu früh. Auch in der zweiten Tabellenhälfte verschoben sich die Positionen. Haas hatte das schnellste Auto vor Sauber, Alpine, Toro Rosso und Williams. Das sah in Suzuka noch ganz anders aus.

Nico Hülkenberg - Formel 1 - Shanghai - GP China 2024
xpb

Haas machte in China hinter den Top-Teams den besten Job und holte mit Nico Hülkenberg einen WM-Punkt.

Wer versteht sein Auto am besten?

Da sich die Autos kaum verändert hatten, konnte nur das Streckenlayout, der Belag oder das Setup die entscheidende Rolle spielen. Die Abstimmung der Autos ist bei einem Sprint-Rennen immer eine Gratwanderung, auch jetzt noch, wo man die Einstellungen nach dem Sprint korrigieren darf.

Es steht aber immer noch nur ein freies Training zur Verfügung, Strecke, Reifen und Autos in Einklang zu bringen. Da passieren dann schon mal Fehler wie der von Ferrari den harten Reifen kein einziges Mal vor dem Hauptrennen zu probieren. Red Bull hat das zwar auch nicht gemacht, hat aber auch vier Zehntel Zeitvorsprung vom Auto in der Reserve.

Die neuen Sprint-Regeln gaben einen guten Einblick darüber, wer sein Auto gut versteht und unter Zeitdruck die richtigen Setup-Entscheidungen trifft. Ein Vergleich der Rundenzeiten aus der ersten K.-o.-Runde der Sprint-Qualifikation (SQ1) mit der schnellsten Runde in der Samstags-Qualifikation ist ein Beleg dafür, wer sein Auto verbessert hat.

Max Verstappen - Red Bull - GP China 2024 - Shanghai - Formel 1 - 20. April 2024
Red Bull

Red Bull verbesserte in Shanghai sich um fast drei Sekunden vom Sprint-Qualifying zur Qualifikation.

Red Bull um 2,7 Sekunden besser

Natürlich sind alle schneller geworden, weil der Gummi auf der Ideallinie den Grip erhöht hat. Aber es haben sich eben nicht alle gleich viel gesteigert. Den größten Fortschritt machte ausgerechnet auch noch Red Bull. Das zeigt die Qualität im Team, denn das Wochenende begann aus Sicht des Weltmeisters mit Sorgen. Die Reifen haben überhitzt. "Das war vom Fahrverhalten nicht unser Standard", urteilte Sportchef Helmut Marko nach dem ersten Training.

Im SQ1 stellte Sergio Perez mit knappem Vorsprung die Bestzeit auf. Das war der erste Schritt. 24 Stunden später, nach einem zweiten Setup-Feintuning, deklassierte Max Verstappen seine Verfolger um 0,322 Sekunden. Red Bull hatte sich vom SQ1 bis zum Q3 um 2,796 Sekunden verbessert.

Dann folgten Aston Martin mit 2,735 Sekunden. Doch das war nur ein Strohfeuer über eine Runde. Aston Martin hätte besser daran getan, die Reifen etwas mehr in Schutz zu nehmen. So wie Ferrari besser beraten gewesen wäre, das Auto darauf zu trimmen, die Reifen etwas mehr zu fordern. Mit dem Renn-Setup fehlte den roten Autos schlicht der Speed.

Mit der Verbesserung um 2,248 Sekunden lag man zwar auf dem Niveau von McLaren, doch die papaya-gelben Autos waren von der ersten Runde an schneller und verteidigten diesen Vorsprung bis zur Zielflagge.

George Russell - Mercedes - Formel 1 - GP China - Shanghai - Training - 19. April 2024
xpb

Mercedes tappt im Dunkeln. Die Ingenieure haben bei dem W15 mittlerweile die Aufhängung im Auge.

Ist bei Mercedes die Mechanik schuld?

In der zweiten Hälfte des Feldes machten am Samstag die Williams-Ingenieure den besten Job. Die Rundenzeiten sanken um 2,571 Sekunden. Das half aber nicht viel. Die Williams FW46 standen von Anfang an auf Kriegsfuß mit der Strecke und waren diesmal das langsamste Auto im Feld.

Haas zog seinen Kopf am Samstag gerade noch aus der Schlinge. Im Sprint erlebte Nico Hülkenberg ein Déjà-vu. Die Reifen bauten so stark ab wie im Vorjahr. Eine Setup-Korrektur nach dem Sprint brachte Haas wieder in die Spur. Plötzlich passte die Reifenabnutzung. Hülkenberg holte seinen WM-Punkt durch konstant schnelle Rundenzeiten. Dabei war er kaum langsamer als Lewis Hamilton, der nur 2,5 Sekunden vor dem Haas ins Ziel kam.

Mercedes entwickelte sich im Vergleich zur Konkurrenz rückwärts. Mit 1,877 Sekunden verbuchte der WM-Zweite von 2023 die geringste Steigerung. Die Autos fühlten sich aus Sicht der Fahrer schlechter an als vorher. Und dabei gingen George Russell und Lewis Hamilton noch unterschiedliche Wege.

Hamiltons zweiter Platz im Sprint zeigt, dass hier Potenzial verschenkt wurde. Toto Wolff spricht nicht umsonst von einer Wundertüte. Intern hat man immer mehr die Aufhängung im Verdacht für die irrlichternde Performance des W15. Die Abtriebswerte sind eigentlich gut. Aber sie kommen nicht auf der Strecke an. Der Verdacht liegt nahe, dass die Mechanik der Aerodynamik nicht die stabile Plattform gibt, die sie braucht, um zu funktionieren.

GP China 2024: Steigerung Setup-Wechsel nach Sprint

Team

Steigerung Rundenzeit

Vergleichszeit

Red Bull

2,796 s

SQ1->Q3

Aston Martin

2,735 s

SQ1->Q3

Williams

2,571 s

SQ1->Q2

Alpine

2,497 s

SQ1->Q2

Sauber

2,447 s

SQ1->Q3

Toro Rosso

2,387 s

SQ1->Q2

Haas

2,320 s

SQ1->Q3

Ferrari

2,248 s

SQ1->Q3

McLaren

2,219 s

SQ1->Q3

Mercedes

1,877 s

SQ1->Q3