Mercedes macht Fortschritte
Russell sauer auf Strategie

GP Imola 2024

Mercedes kommt der Spitze in Trippelschritten näher. Auf eine Runde fehlte eine halbe Sekunde, über die Distanz konnte man einen Ferrari sehen und einen Red Bull schlagen. George Russell ärgerte sich über einen zu frühen Boxenstopp.

Russell sauer auf Strategie
Foto: xpb

Das Feld an der Spitze schiebt sich zusammen. Mit Red Bull, McLaren und Ferrari gibt es jetzt drei Siegkandidaten. Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur glaubt, dass mit Mercedes bald schon ein Vierter dazu kommt. Kollege Toto Wolff von Mercedes bremst: "Wir haben mit unserem Upgrade ein, vielleicht eineinhalb Zehntel gewonnen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber eben nur ein Schritt."

Der Österreicher erklärt, dass man in Brackley jetzt nicht mehr wie in der Vergangenheit Wunder erwartet, sondern den Weg der kleinen Verbesserungen weitergeht, auch wenn er etwas zeitraubender ist. Wolff atmet auf: "Man kann es nicht am Ergebnis ablesen, aber wir haben an diesem Wochenende einen kleinen Schritt nach vorne gemacht, obwohl auch unsere Gegner Upgrades gebracht haben." Wichtiger noch: Zum ersten Mal aber gibt es jetzt Anzeichen, dass man die Probleme besser verstanden hat.

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Da nimmt sich Wolff McLaren zum Vorbild: "Die haben es vom letzten Juli bis April in diesem Jahr geschafft, aus einem Hinterbänkler ein Siegerauto zu machen. Ihr Weg hat immer nach oben gezeigt, unserer war eher ein Zickzack-Kurs."

George Russell - Mercedes - Formel 1 - Imola - GP Emilia-Romagna - 17. Mai 2024
Motorsport Images

Mercedes brachte ein kleines Upgrade-Paket nach Imola, das funktionierte.

Von acht auf fünf Zehntel

Das jüngste Aerodynamikpaket, das über zwei Schritte verteilt in Miami und Imola ans Auto kam, hat nicht nur mehr Abtrieb gebracht. Es erleichtert es den Ingenieuren, eine bessere Balance zwischen schnellen und langsamen Kurven zu finden. "Wir wollen uns nicht mehr entscheiden müssen, in welchen Kurven wir gut sind", fordert Wolff.

Die jüngsten Erfahrungen mit dem W15 werfen immer weniger Fragezeichen auf. "Es ist jetzt mehr Vertrauen da, dass wir die richtigen Lösungen finden." So war George Russell über alle drei Tage mit seiner Fahrzeugbalance zufrieden. Der sechste Startplatz mit einem Rückstand von einer halben Sekunde auf die Bestzeit und einer Tausendstelsekunde auf Ferrari-Pilot Carlos Sainz dokumentiert den Fortschritt. Das waren schon mal acht Zehntel.

Lewis Hamilton dagegen klagte ab Samstag über zu viel Untersteuern in langsamen Kurven. Das kostete vor allem in Tosa Zeit. Es war die Folge einer Abstimmung, die das Überhitzen der Hinterreifen verhindern sollte. Wenn der 2024er-Mercedes ein ausgewiesenes Problem hat, dann dieses. "Je öfter wir eine gute Balance finden, umso geringer das Problem", erklären die Ingenieure. Hamilton nennt es ein "Geduldsspiel", bis Mercedes wieder ein Siegerteam ist.

George Russell - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2024 - Imola - Formel 1 - Rennen - 19. Mai 2024
xpb

George Russell musste in Imola wegen hoher Reifenabnutzung zweimal stoppen.

Nur Russell hatte Luft auf zweiten Stopp

Obwohl Russell vom Start weg vor Hamilton lag, kam er hinter dem Teamkollegen ins Ziel. Die Strategen holten Russell in der 52. Runde zum zweiten Mal an die Box. Aus der Sorge heraus, der zweite Reifensatz könnte nicht bis zum Ende durchhalten. Und um Russell auf Medium-Reifen die Chance auf den Extra-Punkt für die schnellste Runde zu geben. Er hatte als einziger das Boxenstopp-Fenster zu Perez. Hätte Hamilton gestoppt, wäre er hinter den Red Bull gefallen. Als Team hätte man dann nichts gewonnen.

Russell war nach dem Rennen sauer auf den Kommandostand, wie der Chefstratege berichtete. Aber nicht, weil er einen Platz an Hamilton abgeben musste, sondern wegen des ersten Boxenstopps in Runde 21. Der kam nach Meinung von Russell viel zu früh, zumal Hamilton sechs Runden länger auf der Strecke bleiben durfte und damit die geringere Restdistanz vor der Brust hatte. Die Strategen widersprachen: "George hat zu viel Zeit verloren. Seine Reifen hatten zu stark gelitten." Das Timing des zweiten Reifenwechsels war perfekt. Wolff bestätigte: "Noch zwei Runden und George wäre mit einem Boxenstopp hinter Perez gefallen."

Mercedes will schon in Monte Carlo mit dem nächsten Upgrade aufkreuzen. Und wieder nimmt man dabei einen Teil des Entwicklungspakets vorweg. Es war eigentlich für Montreal eingeplant. Es ist ein weiterer Schritt, die Balance des Autos zu verbessern, um den Piloten mehr Vertrauen in ihr Auto zu geben. Das ist in Monte Carlo doppelt wichtig.

Im Gegensatz zu 2023 sind den Ingenieuren diesmal bei der Entwicklungsarbeit nicht die Hände gebunden. Im Vorjahr stand den Aerodynamikern zum Teil die Architektur des Autos im Weg. "Diesmal haben wir mit dem Chassis eine konventionellere Plattform gewählt. Es gibt keine Einschränkungen mehr für die Aerodynamiker."

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