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Rennanalyse GP Kanada 2024: Harte Strafe für Perez

Rennanalyse GP Kanada
Perez-Strafe dämpft Red-Bull-Jubel

GP Kanada 2024

Wie konnte Max Verstappen in Montreal gewinnen, obwohl McLaren und Mercedes phasenweise schneller waren? Warum ging Ferrari leer aus? Und wieso kassierte Sergio Perez eine Strafe für Barcelona? Die Rennanalyse liefert die Antworten.

Sergio Perez - Formel 1 - GP Kanada 2024
Foto: xpb

Wie gewann Verstappen in Montreal?

Red Bull gerät immer mehr unter Druck der Verfolger. In Montreal hatte man es vor allem Max Verstappen zu verdanken, dass der Angriff abgewehrt wurde. Im Gegensatz zu Teamkollege Sergio Perez gelang es dem Weltmeister, den bockigen RB20 zu bändigen und den schnellen McLaren und Mercedes Gegenwehr zu leisten.

Im Rennen musste sich Verstappen in der feuchten Startphase aber zunächst noch hinter George Russell anstellen. Dann flog auch noch Lando Norris vorbei. McLaren hatte etwas weniger Luft in die Intermediates gepumpt, was auf der abtrocknenden Strecke für einen Gripvorteil sorgte. Der Sieg schien für Red Bull in weite Ferne zu rücken. Doch dann rief ein Abflug von Logan Sargeant das Safety-Car auf den Plan, wodurch die Karten neu gemischt wurden.

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Das perfekte Timing beim Stopp brachte das Auto mit der Nummer 1 wieder in Führung. "Wir haben beim Reifenwechsel auch noch den Frontflügel verstellt und den Reifendruck angepasst", verriet Teamchef Christian Horner. "Das hat die Pace verbessert und Max konnte sich etwas absetzen." Während sich die Konkurrenz auf und neben der Strecke kleine Fehler erlaubte, traf der Red-Bull-Kommandostand bei schwierigen Bedingungen stets die richtige Entscheidung.

Max Verstappen - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Verstappen schnappte sich in der ersten Safety-Car-Phase die Führung.

Während Verstappen sein Auto und den Sieg heil ins Ziel brachte, krachte Perez rückwärts in die Bande. Horner hofft, dass sein Nummer-zwei-Fahrer bald wieder zur Normalform findet: "Checo kann sich nicht so gut anpassen wie Max, wenn das Auto mal nicht optimal ist. Er muss Montreal am besten schnell vergessen. Wir brauchen zwei Fahrer, die Punkte sammeln, wenn wir die Teamwertung gewinnen wollen."

Am Start von Barcelona wird Perez aber noch einmal unfreiwillig an die Kanada-Pleite erinnert. Die FIA-Schiedsrichter sprachen im Nachgang eine Rückversetzung um drei Positionen für das nächste Rennen aus. Perez hatte sich mit dem demolierten Heckflügel an die Box zurückgeschleppt und dabei Carbonteile auf der Strecke verteilt, was die Stewards als potenziell gefährlich einstuften. Der Kommandostand hatte seinen Piloten zu diesem Vorgehen aufgefordert, um ein mögliches Safety-Car zu verhindern.

Was lief bei Lando Norris schief?

Lando Norris hatte in der 24. Runde bereits 11 Sekunden Vorsprung rausgefahren. "Da haben wir gedacht, dass das Rennen verloren ist", gab Horner zu. Doch dann kam das Safety-Car zum dümmsten Zeitpunkt. "Lando war kurz vor der Boxeneinfahrt. Er hatte nur anderthalb Sekunden zum Reagieren und ist deshalb draußengeblieben", ärgerte sich McLaren-Teamchef Andrea Stella.

Norris wurde von Bernd Mayländer eingefangen und verlor zehn Sekunden, bis er auch endlich zum Wechsel auf frische Intermediates abbiegen konnte. Dadurch gingen Verstappen und Russell wieder vorbei. "Wir müssen unsere Prozeduren ändern, so dass Lando auch in letzter Sekunde noch reinkommen kann, wenn das SC-Signal aufblinkt", übte Stella Selbstkritik.

Lando Norris - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Beim zweiten Stopp sah es kurz so aus, als könne Norris in Führung gehen.

Auch beim Wechsel von Intermediates auf Slicks passte das Timing nicht. Norris blieb länger draußen als die Konkurrenz und probierte den Overcut. Dabei übertrieben es die Strategen aber etwas. Schon in der 46. Runde war der Vorsprung mit 20,7 Sekunden groß genug. McLaren wollte die Lücke durch eine weitere Runde noch vergrößern, schoss sich aber ein Eigentor, weil die Medium-Reifen am Red Bull da schon mehr Grip hatten als die ausgelutschten Intermediates bei Norris.

"Als Lando an die Box kam, hatte Max seine Reifen auf Temperatur. Deshalb kam er am Boxenausgang locker vorbei. In der Runde davor hat Max noch mit dem Aufwärmen gekämpft", schilderte Horner die entscheidende Phase. Auch Russell schob sich mit den heißeren Slicks vorbei am McLaren, musste die zweite Position dann aber nach einem Fahrfehler in Kurve vier wieder abgeben.

George Russell - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Die beiden Mercedes lieferten sich in den letzten Runden ein hartes Duell. "Ich habe schon Schlimmeres erlebt", scherzte Toto Wolff.

Warum war Mercedes so stark?

Mercedes hat sich beeindruckend zurückgemeldet. Auf trockener Strecke war der W15 das stärkste Auto. Im Qualifying drehten Russell und Hamilton schon im Q2 die schnellsten Runden. Im Rennen verloren die Silberpfeile dann in der nassen Anfangsphase etwas an Boden. Weil Oscar Piastri im trockenen Schlussspurt lange Gegenwehr lieferte und sich die beiden Werksfahrer auch noch mit einem internen Duell aufhielten, konnte man den Pace-Vorteil nicht ganz ausspielen. Es reichte "nur" zu den Plätzen drei und vier.

Russell sprach anschließend von verpassten Möglichkeiten. Toto Wolff sah das Glas eher halb voll: "Der Traum vom Sieg war ein paar Minuten da. In der Realität hat uns dann doch etwas gefehlt. Wenn man aber sieht, von wo wir kommen, dann sind die Plätze drei und vier auch ein Erfolg."

Dass es in Montreal so gut lief, war auch für die Ingenieure eine Überraschung. Die Strecke, die ein mittleres Abtriebslevel verlangt, kam dem Auto entgegen. Mercedes fand ein gutes Setup für die vielen mittelschnellen Kurven. Und die Upgrades der letzten Rennen entfalteten ihre Wirkung: "Wir haben seit Imola die richtigen Schritte vorgenommen und Teile ans Auto gebracht, die funktionieren. Damit hatten wir in der Vergangenheit ein Problem. In Barcelona kommen noch einmal Upgrades, die den Aufwärtstrend hoffentlich fortführen. Die Stoppuhr wird zeigen, wie weit wir wirklich sind."

Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Carlos Sainz und Charles Leclerc erlebten einen Rennsonntag voller Pannen.

Warum ging Ferrari unter?

Während bei Mercedes alles rund lief, erlebte Ferrari ein Wochenende zum Vergessen. Im Qualifying verpassten beide roten Autos den Q3-Einzug, weil die Luftdrücke in den Reifen zu niedrig waren. Und auch im Rennen klappte es nicht mit der Schadensbegrenzung.

Charles Leclerc schimpfte ab der zweiten Runde über einen Leistungsverlust. "Wir hatten ein Problem mit der Motorsteuerung. Das hat ungefähr 80 PS gekostet. Charles haben zehn bis 15 km/h auf den Geraden gefehlt. So konnte er nichts ausrichten", berichtet Teamchef Frederic Vasseur. Ferrari hoffte vergeblich, dass vielleicht irgendwann noch eine Rote Flagge kommt, die man zur Behebung des Problems nutzen kann. Nach 40 Runden gab der Monegasse auf.

Auch der zweite Ferrari sah die Zielflagge nicht. Carlos Sainz war am Start auf Rang 14 zurückgefallen. Bei einem ungeschickten Manöver fuhr sich der Spanier dann auch noch die Frontflügel-Endplatte am Sauber von Valtteri Bottas ab. In Runde 52 räumte er bei einem Dreher in Kurve sechs auch noch den Williams von Alexander Albon ab. Sainz schleppte sein beschädigtes Auto noch an die Box, konnte aber nicht mehr weitermachen. Nur zwei Wochen nach der großen Monaco-Party reiste die Scuderia mit null Punkten aus Montreal ab.

Nico Hülkenberg - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Hülkenberg und Magnussen schoben sich mit den Full-Wets schnell nach vorne. Am Ende reichte es aber ganz knapp nicht für Punkte.

Warum ging der Haas-Poker nicht auf?

Als einzige Autos im Feld waren die Haas-Renner in der Anfangsphase mit Full-Wet-Reifen bestückt. Auf der noch sehr nassen Piste schien der Poker aufzugehen. Kevin Magnussen schob sich von Startplatz 14 bis auf Rang vier nach vorne, für Nico Hülkenberg ging es innerhalb weniger Runden von P17 auf P7. Doch am Ende sprang nichts Zählbares heraus.

Als die Strecke abtrocknete, verloren die Regenreifen ihren Vorteil gegenüber den Intermediates. Für Magnussen lagen aber auch mit einem Extra-Stopp Punkte in Reichweite. "Wir haben Kevin dann aber leider zu früh reingeholt", ärgerte sich Teamchef Ayao Komatsu. Außerdem dauerte der Boxenstopp 8,6 Sekunden, was mehrere Plätze kostete. "Wir hatten leider einen falschen Reifensatz aus dem Regal geholt", erklärte der Japaner die Panne.

Bei Hülkenberg stimmte zwar das Timing, der Rheinländer verpasste auf Rang 11 am Ende aber trotzdem ganz knapp die Punkte. Im Ziel fehlte eine halbe Sekunde auf den Alpine von Esteban Ocon. Der Punkt für den Franzosen hing schon vor dem Start am seidenen Faden, als die Alpine-Ingenieure ein Problem mit dem Wastegate in den Daten entdeckten. Das konnte aber zum Glück noch in der Startaufstellung behoben werden.

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