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Rennanalyse GP Spanien 2024: Knatsch bei Ferrari

Rennanalyse GP Spanien 2024
Stunk im Ferrari-Lager

GP Spanien 2024

Warum verlor Lando Norris in Barcelona mit dem schnellsten Auto? Und warum schimpfte Charles Leclerc über Teamkollege Carlos Sainz? In unserer Analyse gibt es die alle Antworten auf die letzten offenen Fragen zum Rennen.

Leclerc vs. Sainz - Ferrari - GP Spanien 2024
Foto: Motorsport Images

Wo verlor Norris das Rennen gegen Verstappen?

Wie schon in Montreal war Lando Norris auch nach der Zieldurchfahrt in Barcelona untröstlich. Der McLaren-Pilot weinte erneut einer verpassten Siegchance nach. Zwei Wochen zuvor hatte das Timing beim Boxenstopp nicht gestimmt. Nun waren die ersten Meter schuld, dass es mit dem zweiten Sieg nicht klappte. "Wir hatten heute das schnellste Auto im Feld. Damit hätte ich eigentlich gewinnen müssen. Ich habe leider alles am Start verloren. Da habe ich den Job einfach nicht gut genug erledigt", gab sich der Pilot selbstkritisch.

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Barcelona hat mit 549 Metern die längste Anfahrt auf die erste Kurve im ganzen Kalender. Norris startete von der sauberen Seite mit frischeren Reifen. Und trotzdem verlor er das Beschleunigungsduell gegen Max Verstappen, der acht Meter weiter hinten losfuhr. "So schlecht war mein Start eigentlich gar nicht. Beim Launch war ich sogar einen Tick besser. In der zweiten Phase habe ich dann etwas verloren. So viel war es am Ende gar nicht. Er war ja noch nicht mal komplett auf gleicher Höhe", analysiert der Brite die ersten Sekunden des Rennens.

Verstappen vs. Russell - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
Motorsport Images

Die entscheidende Szene: Max Verstappen fliegt im ersten Anlauf an Russell vorbei. Lando Norris bleibt hängen.

Und dann mischte sich auch noch George Russell mit dem doppelten Windschatten aus der zweiten Startreihe in das Duell ein. Der Mercedes schoss über die Außenbahn an Norris und Verstappen vorbei und schnappte sich die Führung. Einige Experten äußerten den Vorwurf, dass Norris in der ersten Kurve nicht hart genug dagegen gehalten hat. Norris verteidigte seine Sicherheitstaktik: "Hätte ich zwei Meter später gebremst, hätte ich wohl die beiden anderen mit ins Aus gerissen. Zurückzuziehen war auf jeden Fall die richtige Entscheidung."

Entscheidend war aber nicht, dass Norris hinter Verstappen zurückfiel, sondern dass der Niederländer direkt im ersten Anlauf in Runde drei am führenden Mercedes vorbeiziehen konnte. Norris dagegen blieb trotz besserem Speed am schwarz-silbernen Hindernis hängen. McLaren-Teamchef Andrea Stella hatte auch keine Erklärung: "Das ist wirklich eine interessante Frage. Vielleicht hatte Russell vorher einen Fehler gemacht. Max ist so schnell vorbeigeflogen, dass ich eigentlich dachte, dass es Lando auch schafft. Aber dann kam sein Funkspruch, dass er in der Dirty Air nicht nah genug rankommt."

Ein Teil der Wahrheit ist, dass Verstappen im Duell mit Russell volles Risiko ging. Er klebte in der schnellen Doppel-Rechts vor der Zielgeraden am Heck des Mercedes, obwohl er dabei Gefahr lief, den rechten Vorderreifen hinzurichten. Nur so konnte er den Windschatten voll ausnutzen. Norris wurde empfohlen, abzuwarten und die Reifen zu schonen. So fuhr Verstappen an der Spitze die entscheidenden Meter Vorsprung raus. Erst mit dem Reifenvorteil im zweiten Stint ging Norris dann mit einem Wahnsinnsmanöver über sieben Kurven vorbei an Russell. Da war der Rückstand aber schon zu groß.

Max Verstappen - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
xpb

Verstappen hatte für den letzten Stint noch einen Reifenjoker in der Hinterhand.

Warum hob sich Red Bull den frischen Soft auf?

Verstappen konnte die Schlussattacke von Norris auch deshalb abwehren, weil er sich einen frischen Satz weicher Reifen für den letzten Stint aufgehoben hatte. Bei McLaren lagerten für das Rennen ebenfalls noch jungfräuliche Softs im Regal. Doch hier wurden sie schon direkt am Start verheizt. Weil Norris hinter Russell steckenblieb, konnte er den Joker aber nicht wie gewünscht ausspielen.

Red-Bull-Technikchef Pierre Waché erklärte die Gedanken hinter der Strategie: "Es kann sein, dass du am Rennbeginn durch Undercuts zu einem kurzen Stint gezwungen wirst. Dafür wollten wir den frischen Satz nicht opfern. Die Länge des Schluss-Stints kannst du besser kontrollieren." Obwohl Norris beim letzten Service gebrauchte Softs bekam, konnte er den Rückstand von 7,6 auf 2,2 Sekunden verkürzen. Das zeigt, dass der McLaren an diesem Tag das bessere Auto war.

Stella zeigte sich trotz der Niederlage zufrieden: "Wenn man sieht, wo wir vor zwölf Monaten in Barcelona standen, dann ist das schon ein riesiger Erfolg. Damals gab es keine Punkte und jetzt fahren wir auf Augenhöhe mit Red Bull." Der Teamchef lobte seine Truppe für ein tolles Rennen: "Die Pace war stark. Die Strategie hat gepasst. Wir wollten unbedingt ins Ziel kommen. Deshalb war es auch richtig, dass Lando am Start etwas vorsichtiger agierte. Wäre er nur hinter Verstappen und nicht noch hinter Russell zurückgefallen, hätten wir gute Karten gehabt, denke ich."

Leclerc vs. Sainz - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
xpb

Beim Duell der Ferrari-Piloten kam es zum Kontakt.

Warum gab es Knatsch bei Ferrari?

Nach der Pleite von Montreal war Ferrari auch in Barcelona nur die vierte Kraft hinter Red Bull, McLaren und Mercedes. Teamchef Frederic Vasseur wollte nach dem Rennen aber gar keine Krisenstimmung aufkommen lassen. "Uns haben lediglich zwei Zehntel gefehlt. Und die haben wir in zwei Kurven verloren. Sonst waren wir praktisch identisch unterwegs wie Norris."

Der kleine Rückstand reichte aber schon, um in der Startaufstellung in die dritte Reihe geschoben zu werden. Charles Leclerc hatte das interne Quali-Duell mit fünf Tausendsteln gewonnen und hielt sich auch auf den ersten beiden Runden vor dem Schwesterauto. Doch dann wurde der Monegasse von einer Attacke des Teamkollegen überrascht.

Carlos Sainz ging mit einem harten Manöver in Kurve 1 vorbei und Leclerc schäumte vor Wut. "Wir hatten für den Beginn des Rennens eine klare Strategie ausgemacht. Die sah vor, zunächst Reifen zu schonen und erst später zu attackieren. Carlos hat in der Zielkurve aber gar nichts geschont. Dann hatte er natürlich eine Chance, mich in Kurve 1 zu überholen. Das ist echt schade, weil wir dabei beide Zeit verloren haben."

Bei dem Überholmanöver kam es sogar zum Kontakt der beiden roten Autos. "Bei mir wurde der Frontflügel beschädigt, weil Carlos eingelenkt hat, ohne mich auf der Innenbahn zu sehen. Das hat mein Rennen nicht leichter gemacht. Ich verstehe wirklich nicht, was das sollte, wenn wir vorher abmachen, in dieser Phase zu schonen. Das war etwas unnötig. Ich verstehe natürlich, dass es sein Heimrennen und ein wichtiger Moment in seiner Karriere ist. Vielleicht wollte etwas Spektakuläres zeigen. Aber ich war da eigentlich nicht der richtige Gegner dafür."

George Russell - Formel 1 - Barcelona - GP Spanien 2024
xpb

Russell und Sainz hatten mit harten Reifen im letzten Stint keine Chance.

Warum verlor Russell das Mercedes-Duell?

Nach seinem Blitzstart fiel Russell im Laufe des Rennens noch von den Podiumsplätzen runter. Verstappen machte wie erwähnt kurzen Prozess. Norris ging kurz nach Halbzeit vorbei. Und im letzten Stint musste sich der Silberpfeilpilot auch noch Teamkollege Lewis Hamilton geschlagen geben. Das Unheil hatte sich schon früh angebahnt. Um einen möglichen Undercut von Norris abzuwehren, wurde der erste Stint von Russell auf 15 Runden verkürzt.

Auch bei der zweiten Boxenstopp-Phase bog das Auto mit der Startnummer 63 wieder früh ab. Hier spielte auch der Gedanke mit, den Angriff von Sainz abzuwehren, der ebenfalls in Runde 36 reingerufen wurde. Weil zu diesem Zeitpunkt noch 30 Umläufe auf dem Fahrplan standen, gaben beide Teams ihren Fahrern die harten Reifen mit auf den Weg. "Der Soft hätte nicht durchgehalten und einen Medium-Satz hatten wir nicht mehr", erklärten die Strategen.

Doch sowohl Russell als auch Sainz bemerkten schnell, dass der harte Reifen nicht funktionierte. Es fehlte der Grip, die Autos begannen zu rutschen und der Verschleiß ging nach oben. Hamilton kam acht Runden später zum letzten Service, was ihm die Möglichkeit eröffnete, Soft-Reifen aufzuziehen. Mit diesen schnupfte er den Teamkollegen locker auf. Auch Leclerc drehte das interne Duell gegen Sainz dank eines späteren Stopps und Soft-Reifen. Am Ende hätte er sogar beinahe noch einen Mercedes eingeholt. Russell ließ sich immer über den Abstand informieren und rettete knappe vier Zehntel Vorsprung über die Linie.

Yuki Tsunoda - GP Spanien 2024
xpb

Das Toro-Rosso-Update verpuffte. Tsunoda und Ricciardo kämpften auf verlorenem Posten.

Warum zündete das Toro-Rosso-Update nicht?

Toro Rosso war mit großen Ambitionen nach Barcelona gereist. Mit dem größten Upgrade-Paket der Saison wollte man das Mittelfeld klar anführen und die Lücke zu den Spitzenteams verkleinern. Doch am Ende standen Daniel Ricciardo und Yuki Tsunoda auf den Plätze 15 und 19 mit leeren Händen da. Die Pleite hatte sich schon im ersten Training angedeutet. Der DRS-Flap des neuen Heckflügels flatterte in geöffnetem Zustand unkontrolliert im Fahrtwind.

"Wir konnten das Problem leider nicht an der Strecke lösen", bedauerte Toro-Rosso-Geschäftsführer Peter Bayer. "Der letzte Ausweg war, dass wir auf eine alte Heckflügel-Version zurückgewechselt haben, die aber leider nicht zum Rest des Pakets gepasst hat." Ob das Upgrade so gut funktioniert wie erhofft, soll nun das nächste Rennen in Spielberg zeigen. Dann hat man das Heckflügel-Problem hoffentlich gelöst.

Teamchef Laurent Mekies machte kein Geheimnis aus seiner Enttäuschung: "Wir haben so hart für dieses Upgrade gearbeitet. Leider hat uns in jeder Session die nötige Pace gefehlt. Das war wirklich ein schwaches Wochenende. Wir wollen auch gar keine Ausreden dafür suchen, dass wir einfach nicht konkurrenzfähig waren. Wir haben immerhin viele Daten gesammelt und müssen nun versuchen, in den wenigen Tagen bis zum nächsten Rennen die richtigen Schlüsse ziehen."

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