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Schmidts F1-Blog: Alpine-Schnapsidee mit Kundenmotor

Schmidts F1-Blog zu Alpine-Plänen
Schnapsidee mit Kundenmotor

Alpine überlegt, ab 2026 mit Kundenmotoren an den Start zu gehen. Man kann nur hoffen, dass Präsident Luca de Meo diese Schnapsidee noch beerdigt. Das wäre nicht nur vom Image, sondern auch sportlich eine Bankrotterklärung, meint F1-Experte Michael Schmidt.

Pierre Gasly - Alpine - Formel 1 - GP China - Shanghai - Training - 19. April 2024
Foto: xpb

Der Auftritt von Alpine ist in diesem Jahr ein einziges Armutszeugnis. Das französische Nationalteam ist vom Mittelfeld in den Tabellenkeller abgestürzt. Hätte der französische Rennstall nicht Esteban Ocon und Pierre Gasly im Cockpit, würde er immer noch mit null Punkten dastehen.

Irgendwie war es ein Absturz mit Ansage. Statt auf Leute zu hören, die wie Alain Prost, Otmar Szafnauer oder Alan Permane von dem Sport eine Ahnung haben, installierte Alpine Konzernmenschen im Glauben, die wüssten es besser.

Unsere Highlights

Der ehemalige CEO Laurent Rossi brachte das Kunststück fertig, innerhalb weniger Tage Fernando Alonso und Oscar Piastri an die Konkurrenz zu verlieren. Der neue Teamchef Bruno Famin erzählte Präsident Luca de Meo, dass er eine Abkürzung zum Erfolg weiß. Jetzt muss er einsehen, dass es noch länger dauert, als es seine Vorgänger versprochen hatten. Wenn es überhaupt jemals zu etwas führt.

Pierre Gasly - Alpine - Formel 1 - GP China - Shanghai - Training - 19. April 2024
xpb

Eigentlich hatte sich Alpine bzw. Renault schon als Motorenhersteller für 2026 eingeschrieben. Ändern sich die Pläne jetzt?

Werksauto mit Kundenmotor?

Bei Alpine wird schon die nächste Schnapsidee diskutiert. Man überlegt, ab 2026 den Motor bei einem anderen Hersteller einzukaufen. Mal abgesehen davon, dass das gar nicht erlaubt sein sollte, weil sich Renault mit Absegnung des neuen Motor-Reglements automatisch bis 2030 verpflichtet hat, kann man hier nur den Kopf schütteln: Wie verrückt ist das denn?

Wenn es nur darum geht, Geld zu sparen, dann sollte Alpine gleich aufhören. Mit einem Sparkurs wird man in der Formel 1 nie nachhaltig Erfolg haben. Genau das ist ja auch das Problem der jüngeren Formel-1-Geschichte des Rennstalls. Man schöpft beim Antrieb noch nicht einmal den Budgetdeckel aus. Dabei ist die Ausgabengrenze mit 95 Millionen Dollar pro Jahr im Moment und mit 130 Millionen ab 2026 noch überschaubar.

Aber jetzt mal im Ernst: Was für eine Bankrotterklärung wäre es für Alpine, wenn das Auto mit einer Antriebseinheit von RB Powertrains fährt, die dann wahrscheinlich Ford heißt? Das würde unweigerlich nach draußen das Signal senden: Wir können es nicht.

Luca de Meo - Alpine - F1 2024
Wilhelm

Was will Renault-CEO Luca de Meo? Wenn es nur ums Sparen geht, sollte er den Rennstall lieber gleich verkaufen.

Abhängigkeit von anderen Herstellern

Renault ist nicht irgendein Hersteller in der Formel 1. Sperrt man die Motorabteilung zu, trägt man viel Geschichte zu Grabe. Renault war der Turbo-Pionier. Die Franzosen haben die pneumatische Ventilsteuerung erfunden und mit ihren Motoren elf Weltmeister gekürt. Da sollte genug Selbstvertrauen vorhanden sein, um zu sagen: Ja, wir können das.

Okay, der aktuelle Renault-Motor ist das Schlusslicht im Power-Konzert, aber er trägt höchstens mit drei Zehntel zum Gesamtdefizit von über einer Sekunde bei. Der große Rest geht auf ein aerodynamisch ineffizientes und instabiles Auto. Mit dem neuen Antriebs-Reglement hätte Renault die Chance, verlorenen Boden wieder gutzumachen.

Technisch und sportlich wäre der Schritt zum Motor-Kunden das Dümmste, was Luca de Meo machen kann. So begibt er sich nicht nur in die Hände eines anderen Power Unit-Herstellers, sondern auch von dessen Lieferanten für Batterien und Kraftstoff. Und die werden ab 2026 die WM mitentscheiden. Alpine hätte null Einfluss darauf, was bei diesen Zulieferfirmen passiert und würde nicht einmal wissen, wo der Schuh drückt. Als Werksteam kann man wenigstens seine Partner zu mehr Einsatz antreiben, wenn es nicht läuft.

Red Bull - Technik-Upgrades - Formel 1 - GP Monaco 2024
ams

Den Motor von einer anderen großen Automarke zu kaufen, macht keinen Sinn. In Frage kommt deshalb eigentlich nur Red Bull.

Verkauf besser als Sparkurs

Die Chassis-Ingenieure müssen nehmen, was sie vor die Nase gesetzt bekommen. Da gibt es keinen Kompromiss. Die Antriebseinheit wird so aussehen, wie sie Red Bull haben will. Das wird kein Spaß bei Autos, die gemäß den Regeln kleiner und leichter werden, und Antriebseinheiten, die größer und schwerer sind und viel mehr Kühlung verlangen. Da habe ich die Verpackung aller Komponenten im Auto lieber selbst in der Hand.

Nicht, dass wir RB Powertrains und Ford nichts zutrauen, doch Christian Horner schreit am lautesten nach einer Reduzierung der E-Power. Das ist verdächtig. Horner macht das nicht nur, um den Sport zu retten, sondern auch aus Eigennutz. Da schwingt wohl auch die Sorge mit, dass Ferrari, Mercedes, Honda oder Audi auf der elektrischen Seite möglicherweise einen Erfahrungsvorsprung haben.

Ich würde mir als Präsident von Alpine zwei Mal überlegen, ob ich meine Seele verkaufe, nur weil mir das ein paar Leute eingeflüstert haben. Dann besser das Team gleich meistbietend abgeben. Im Moment könnte Alpine damit richtig Kasse machen.

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