McLaren-Boxenstopp in 1,80 Sekunden
Die schnellsten Reifenwechsel der F1-Geschichte

Red Bull hielt den Rekord für den schnellsten Boxenstopps fast vier Jahre. Beim GP Katar unterbot McLaren die alte Bestmarke mit einem neuen Fabelwert von 1,80 Sekunden. Wir haben in die Geschichtsbücher geschaut und die schnellsten Reifenwechsel der Formel-1-Geschichte herausgesucht.

Lando Norris - McLaren - GP Katar 2023 - Formel 1
Foto: Motorsport Images

Es war ein Rennen mit 54 Boxenstopps. Eines für die Mechaniker, indem sie Reifenwechsel am Fließband unter Extrembedingungen trainierten. Die Verordnung einer Maximallaufzeit für die Reifen machte den GP Katar zu einem Dreistopp-Rennen für alle Fahrer. Das bedeutete mindestens sechs Reifenwechsel für jedes Team. Ein Rennstall nutzte die Gunst der Stunde, um einen neuen Rekord aufzustellen.

McLaren verbrachte das Kunststück in der 27. Runde: Die Mechaniker des Papaya-Rennstalls tauschten die Mediumreifen am Auto von Lando Norris innerhalb von 1,80 Sekunden gegen vier neue Pirellis. Damit ging der zweite Boxenstopp des 23-jährigen Engländers beim GP Katar 2023 in die Geschichtsbücher der Formel 1 ein. Nie wechselte ein Team schneller die Reifen.

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Trotz Bremsklötzen schneller

In einer Saison, in der sich Red Bull mit Rekorden den Weg zum nächsten doppelten Titelgewinn pflasterte, sind die Dominatoren eine Bestmarke los. Fast vier Jahre lang hatte die Mannschaft von Max Verstappen den schnellsten Boxenstopps jemals für sich verbucht. Beim GP Brasilien 2019 hatte Red Bull die Reifen innerhalb von 1,82 Sekunden umgesteckt. Damals noch die 13 Zoll großen Ballonräder.

In der Folge bremste die Formel 1 die Rekordjäger durch zwei Maßnahmen eigentlich ein. Mitten in der Saison 2021 schränkte die FIA die Boxenstopp-Crews durch eine Technische Direktive ein, die ab dem GP Belgien griff. Unter dem Mantel der Sicherheit. Die FIA schob aggressiven Automatisierungsprozessen bei den Boxenstopps einen Riegel vor. Fünf Mal war bis zur Sommerpause die 2-Sekunden-Marke bei Stopps unterschritten worden. Danach kein einziges Mal mehr.

Den nächsten Bremsklotz brachten die neuen Groundeffect-Autos. In diesem Zusammenhang stellte die Formel 1 im Vorjahr auf 18-Zoll-Räder um. Die sind schwerer als die alten. Vorne um etwa 2,5 Kilogramm, hinten um rund 3,5 Kilo. Und sie sind durch die Radabdeckungen auch ein stückweit schwerer zu greifen für die Mechaniker. Das ließ die Dauer der Reifenwechsel erstmal weiter steigen.

McLaren - Boxenstopps - Formel 1 - Schaubild
McLaren

An einem Boxenstopp sind 20 Mechaniker beteiligt.

Etwa 30 Stopps unter 2 Sekunden

Doch die Teams haben sich schnell angepasst und neue, bessere Lösungen entwickelt. So näherten sie sich Schritt für Schritt den alten Bestwerten an. McLaren wickelte bereits im Vorjahr beim GP Mexiko einen Stopp in 1,98 Sekunden ab. Woking hat sich von einem der langsamsten Teams beim Reifenwechsel zu einem der besten gemausert. Den Prozess hatte noch der alte Teamchef Andreas Seidl eingeleitet. Er verordnete den Kauf besserer Werkzeuge. Die Techniker justierten an der Mechanik nach. Und die Mechaniker trainierten in der heimischen Fabrik Woking noch intensiver bis zum nahezu perfekten Zusammenspiel.

Die jüngere Geschichte der Formel 1 zählt rund 30 Boxenstopps unter 2 Sekunden. In dieser Saison gab es drei. Red Bull legte mit einer Zeit von 1,98 Sekunden beim GP Ungarn vor. Ferrari und McLaren waren in Katar schneller. Die Scuderia fertigte das Auto von Charles Leclerc bei einem Reifentausch in 1,93 Sekunden ab. McLaren in den oben genannten 1,80 Sekunden. Dafür brauchen die 20 Mechaniker, die am Boxenstopp beteiligt sind, einen perfekten Tag. Übrigens: Das Equipment ist sündhaft teuer. Ein Schlagschrauber kostet mindestens 6.000 Euro.

Bei Trockenübungen in der Fabrik schaffen die Teams sogar manchmal Zeiten von 1,7 Sekunden. Im Grand Prix geht es nicht nur darum, möglichst schnell zu sein, sondern vor allem darum, Fehler aus dem System herauszuhalten. Jede Panne ist kostspielig und kann den Rennausgang negativ beeinflussen.

Nur vier Teams in Top 10

McLaren hält nun den Boxenstopp-Rekord. Doch in den letzten Jahren waren es insbesondere die Schrauber von Red Bull, die beim Reifenservice herausragten. In den Top 10 der schnellsten Boxenstopps der Formel-1-Geschichte ist das Team aus dem englischen Milton Keynes mit Abstand am häufigsten vertreten. Red Bull war es auch, das 2013 als Erstes überhaupt die Schallmauer von 2 Sekunden unterbot – beim GP USA 2013 (1,92 Sekunden) mit Mark Webber im Auto.

Neben McLaren, Red Bull und Ferrari ist auch Williams unter den schnellsten zehn Stoppern vertreten. Der Traditionsrennstall schickte seinen damaligen Fahrer Felipe Massa beim GP Europa 2016 nach 1,92 Sekunden zurück in die Fast Lane der Boxenstraße. In unserer Tabelle finden Sie die Übersicht zu den schnellsten Boxenstopps der F1-Historie.

Schnellste Boxenstopps Formel-1-Geschichte

Platzierung

Team

Zeit

Grand Prix

Fahrer

1.

McLaren 

1,80 Sekunden

GP Katar 2023

Lando Norris

2. 

Red Bull

1,82 Sek.

GP Brasilien 2019

Max Verstappen

3. 

Red Bull

1,86 Sek.

GP Portugal 2020

Alexander Albon

3. 

Red Bull

1,86 Sek. 

GP Russland 2020

Max Verstappen

4. 

Red Bull

1,88 Sek. 

GP Deutschland 2019

Max Verstappen

4.

Red Bull

1,88 Sek. 

GP Ungarn 2021

Max Verstappen

5.

Red Bull

1,89 Sek.

GP Russland 2020

Alexander Albon

6.

Red Bull

1,90 Sek.

GP Spanien 2020

Max Verstappen

6. 

Red Bull

1,90 Sek.

GP Bahrain 2020

Alexander Albon

7.

Red Bull

1,91 Sek.

GP England 2019

Pierre Gasly

8. 

Williams

1,92 Sek. 

GP Europa 2016

Felipe Massa

8. 

Red Bull

1,92 Sek. 

GP USA 2013

Mark Webber

8.

Red Bull

1,92 Sek.

GP Eifel 2020

Max Verstappen

9. 

Red Bull

1,93 Sek.

GP Bahrain 2021

Max Verstappen

9. 

Ferrari

1,93 Sek.

GP Katar 2023

Charles Leclerc

10. 

Red Bull

1,96 Sek.

GP Ungarn 2021

Max Verstappen