Budget-Cap-Fairness erst ab 2026
Wechsel- und Kosten-Tricks mit dem Personal

Die Budgetdeckelung ist immer noch eine Baustelle. Im Fokus stehen der Wechsel von Personal zwischen befreundeten Teams und Teilzeitjobs um die Gehälter zu drücken. Damit soll 2026 endgültig Schluss sein.

Toro Rosso - F1-Test - Bahrain - 2024
Foto: Red Bull

Die Formel 1 fährt seit 2021 mit einer Budgetdeckelung. Doch noch funktioniert die Chancengleichheit nicht so wie geplant. Weil die Teams das 52 Seiten starke Finanzreglement immer wieder mit allen Tricks ausbremsen. Ein Deckel von rund 150 Millionen Dollar im operativen Bereich heißt noch lange nicht, dass sich alle Teams daran halten.

Auf dem Papier kommt natürlich am Ende eine Summe heraus, die unter diesem Limit liegt. Aber es gibt viele schlaue Kunstgriffe, um das zu unterwandern. So werden die Teams nicht wie gedacht kleiner, sondern immer größer. Ein Teamchef erzählt uns: "Die Top-Teams haben ohne die Motorenabteilung mittlerweile 1.500 Leute angestellt."

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In Zeiten ohne Budgetdeckel waren es noch 1.000. Die gestiegenen Mitarbeiterzahlen liegen daran, dass die Teams immer mehr Angestellte als Teilzeitarbeiter deklarieren. Um auf den gleichen Output zu kommen, braucht man mehr dieser Halbtags- oder Vierteltags-Arbeiter. Ganz besonders bei Ingenieuren mit hohen Gehältern.

Rob Marshall - Red Bull - 2022
Red Bull

Rob Marshall soll bei Red Bull auf verschiedenen Kostenstellen gearbeitet haben.

Kontrolle fast unmöglich

So soll der neue McLaren Technikchef Rob Marshall früher bei Red Bull zu 50 Prozent für das Hyper-Car RB17, zu 40 Prozent für Red Bull Powertrains und nur zu zehn Prozent für die Formel 1 gearbeitet haben. Damit geht das Gehalt dann auch nur zu zehn Prozent in das operative Budget des F1-Rennstalls ein. Red Bull soll fünf Tochterfirmen gegründet haben, um seine Leute entsprechend zu verteilen. Andere Teams verfahren genauso. Plötzlich bauen Formel-1-Teams Fahrräder und Boote.

Für die FIA ist es fast unmöglich zu kontrollieren, ob die entsprechenden Mitarbeiter dann auch wirklich nur zu dem Prozentsatz am Formel-1-Projekt beteiligt waren, mit dem sie eingetragen sind. Und ob es bei den Paralleljobs nicht zu Überschneidungen mit den Formel-1-Aufgaben kommt.

Eigentlich sollte die Technische Direktive 045, die letztes Jahr am 19. April an alle Teams verschickt wurde, damit aufräumen. Sie hatte zum Ziel, das volle Gehalt jedes Mitarbeiters, egal ob er nur ein oder 100 Prozent für die Formel 1 arbeitet, dem Budget anzurechnen. Die Einführung dieser Regel scheiterte, weil sie bei einer Abstimmung nicht die erforderliche Mehrheit gebracht hätte.

James Vowles - Williams - F1-Test Bahrain 2024
xpb

Laut James Vowles haben große Teams viel mehr Möglichkeiten zum Tricksen.

Ab 2026 zählen 100 Prozent des Gehalts

Im neuen Finanz-Reglement ab 2026 wird diese Regel aber drinstehen, egal ob es den Teams so gefällt oder nicht. "Das ist dann ein echter Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit", atmet Williams-Teamchef James Vowles auf. Dann können die Teams wirklich nur noch die drei Bestverdiener ausklammern.

Ein anderes Ärgernis prangert McLaren an. Der britische Rennstall warnt schon seit Jahren vor Allianzen zwischen befreundeten Teams. Früher drehte sich alles um Ferrari und Haas, dann um Mercedes und Racing Point und jetzt hat man Red Bull und Toro Rosso im Visier.

Dort sollen nach der Darstellung von Kritikern viele Ingenieure ohne Arbeitssperren das Lager gewechselt haben. Der bekannteste davon ist der kürzlich von Toro Rosso verpflichtete Guillaume Cattelani. Damit ist nicht nur Know-how vom A-Team zum B-Team gewandert, sondern Red Bull hat sich gleichzeitig beim Budget entlastet. Das Juniorteam hat da noch Luft nach oben.

Laurent Mekies - Toro Rosso - Bahrain Test - 2024
Red Bull

Toro-Rosso-Teamchef Laurent Mekies dementiert, dass es bei Wechseln zwischen den Red-Bull-Teams gar keine Arbeitssperren gibt.

Individuelle Arbeitssperren

Toro-Rosso-Teamchef Laurent Mekies bestreitet, dass die Red-Bull-Ingenieure von einem Tag auf den anderen ihren Job beim kleinen Bruder angetreten hätten. "Wir haben uns in Absprache mit der FIA auf individuelle Arbeitssperren geeinigt." FIA-Sportchef Nikolas Tombazis erklärt die Regel: "Von einem großen zu einem kleinen Team sind es drei Monate, umgekehrt sechs Monate."

Sollten sich allerdings zwei Teams darauf einigen, dass eine Auszeit nicht nötig ist, dann werde die Sportbehörde dem beiderseitigen Wunsch nicht im Weg stehen, führt Tombazis aus. "Wenn so ein Tausch zwischen zwei befreundeten Teams stattfindet, werden wir allerdings besonders genau hinschauen. Verboten ist auf alle Fälle ein schnelles Hin- und Herwechseln zwischen zwei Rennställen."

McLaren-Chef Zak Brown lässt dennoch nicht locker. Ihm steckt in dem Red Bull-Konstrukt zu viel versteckte Synergie: "Kein anderer Sport erlaubt es, dass ein Besitzer zwei Teams hat. Das Ziel sollten zehn unabhängige Teams sein. Auch wenn im Moment noch alle Regeln eingehalten werden, ist das nicht im Sinne eines fairen Wettbewerbs. Die FIA muss da auf jeden Fall ihre Regeln anpassen."

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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