Formel 1 Transfermarkt-Analyse
Mercedes kann auf Verstappen warten

Hinter den Kulissen hat der Transfermarkt bereits Schwung aufgenommen. Fernando Alonso hat mit seiner Vertragsverlängerung den ersten Zug gemacht. Alle anderen warten darauf, was Max Verstappen macht.

Fahrerfeld - Gruppenfoto - GP Bahrain 2024
Foto: Motorsport Images

So ruhig wie im letzten Winter war der Transfermarkt noch nie. Kein einziger Fahrer wechselte das Team. Nur drei Monate später dreht sich das Karussell mit hoher Geschwindigkeit, doch keiner will aufspringen. Weil alle darauf warten, ob sich die Königsfigur bewegt. Und wenn ja, wohin.

Alles begann mit der Nachricht, dass Lewis Hamilton 2025 zu Ferrari wechselt. Zusammen mit dem Treueschwur von Charles Leclerc ist Ferrari damit mindestens für die nächsten zwei Jahre dicht. Auch bei McLaren herrschen mit den Vertragsverlängerungen von Lando Norris und Oscar Piastri langfristig klare Verhältnisse.

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Mercedes muss besser werden

Als man sich bei der Besetzung der offenen Plätze auf Mercedes und Aston Martin konzentrierte und vertragsfreie Fahrer in Gedankenspielen hin- und herschob, schneite unerwartet der Machtkampf bei Red Bull herein. Der Vertrag von Max Verstappen bis 2028 scheint plötzlich nicht mehr in Stein gemeißelt. Der Weltmeister ist auf dem Markt, wenn sich die Machtverhältnisse bei Red Bull ändern. Sprich, wenn Sportdirektor Helmut Marko geht oder gehen muss.

Verstappen würde gerne bei Red Bull weiterfahren, aber nur wenn alles so bleibt, wie es ist. Das kann ihm im Moment keiner garantieren. Auch nach seinem dritten Saisonsieg ist ein Teamwechsel mehr als nur ein Hirngespinst. Die einzig realistische Adresse ist Mercedes. Auch dann, wenn es Aston Martin schaffen sollte, Stardesigner Adrian Newey als Köder für Verstappen von Red Bull wegzulocken. Es heißt, dass Lawrence Stroll mit der dicken Brieftasche auf Einkaufstour unterwegs ist.

Bei Mercedes gibt es für Verstappen langfristig bessere Perspektiven. Auch als Markenbotschafter nach der Karriere. Doch das ehemalige Siegerteam ist im Moment sportlich von der Rolle. Die Ingenieure tun sich immer noch schwer, ihr Auto zu verstehen. Das deckt sich mit Aston Martin. Dieses Team befindet sich im Gegensatz zu Mercedes noch im Aufbau.

Carlos Sainz & Fernando Alonso - Formel 1 - GP Niederlande 2023
xpb

Die beiden Spanier im Feld suchen neue Teams. Zu lange sollten sie aber nicht warten.

Alonso und Sainz unter Zeitdruck

Solange da keine Besserung in Sicht ist und Max im Red Bull weiter gewinnt, zögern auch die Hardliner im Verstappen-Clan mit einer Entscheidung für Mercedes. Der holländische Superstar muss wenigstens eine realistische Chance haben, Rennen zu gewinnen. Marko würde sich nicht opfern, wenn er das Gefühl hätte, seinem loyalen Mitstreiter damit zu schaden.

Verstappen hat als einziger Fahrer den Luxus, sich Zeit zu lassen, um die Lage zu sondieren. Auch Mercedes hat keine Eile. Solange eine kleine Chance besteht, den schnellsten Fahrer unserer Zeit an Land zu ziehen, wird Toto Wolff auf den Weltmeister warten. Auch wenn ihm dadurch die anderen Optionen Fernando Alonso und Carlos Sainz durch die Lappen gehen. Angeblich wurde das Gehalt, das Verstappen kostet, intern bereits abgesegnet. Der aktuelle Weltmeister soll inklusive aller Erfolgs-Boni teurer sein als Lewis Hamilton. Doch wenn Verstappen mit seinem neuen Team Weltmeister werden sollte, ginge die Rechnung für Mercedes auf.

Wenn Mercedes Verstappen und nicht bekommt und sich die Alternativen anderweitig entscheiden, hätte Wolff mit seiner großen Zukunftshoffnung Andrea Kimi Antonelli immer noch ein heißes Eisen im Feuer. Der 18-jährige Italiener wird schon bald mit seinem Formel-1-Aufbauprogramm beginnen. Erster Termin ist ein Test im 2021er-Mercedes am Red-Bull-Ring. "Wir wollen ihm in einem guten Auto die Gelegenheit geben, sich an die Formel 1 zu gewöhnen, bevor wir ihn in den 2022er-Mercedes stecken", sagt Wolff.

Andrea Kimi Antonelli - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - 28. Februar 2024
ams

Mit Andrea Kimi Antonelli hat Mercedes noch ein Supertalent in der Hinterhand.

Audi setzt Ultimatum

Sainz hat keine Zeit, lange zu pokern. Audi drängt auf eine Entscheidung. Auch Alonso wurde von Aston Martin und Red Bull unter Druck gesetzt. Bevor das Ultimatum übernächste Woche ausgelaufen wäre, hat der Spanier nun selbst das Heft in die Hand genommen. Er verlängerte seinen Aston-Vertrag mindestens bis 2026.

Der Ex-Champion entschied sich damit für klare Verhältnisse. Ein Cockpit bei Red Bull wäre für den Rekordteilnehmer nur attraktiv gewesen, wenn er nicht gegen Verstappen antreten müsste. Genau daran glaubte Alonso nicht. "Verstappen bleibt, wo er ist", orakelte der Spanier schon in Suzuka. Auf die Frage, ob er mehr wisse, lachte er verschmitzt: "Ist so ein Bauchgefühl."

Für Alonso geht es um einen krönenden Abschluss seiner Karriere. Doch die Verstappen-Nummer kann sich noch hinziehen. Bei Aston Martin weiß er, was er bekommt: Ein ständig wachsendes Team, eine brandneue Fabrik, modernste Werkzeuge wie Windkanal, Simulator und Prüfstände, die bis Ende des Jahres ans Netz gehen. Ab 2026 stößt Honda zum Team.

Dazu hat man mit Aramco den Spritpartner an Bord mit der größten E-Fuels-Erfahrung. Das kann mit dem neuen Motoren-Reglement ein entscheidender Punkt werden. Newey wäre die Zugabe, doch ob es je zu dieser Konstellation kommt, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Auch Ferrari ist an dem Red-Bull-Konstrukteur dran.

Aston Martin bot Alonso einen Vertrag, der nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz ist. Der Rekordteilnehmer musste sich jedoch schnell entscheiden. Angeblich ist sein neuer Vertrag mit 25 Millionen Dollar dotiert. Am Ende sprach so viel für seinen aktuellen Arbeitgeber, dass Alonso zugriff und als erster vom Transferkarussell absprang.

Damit nahm der Veteran Red Bull und Mercedes eine Option. Je nachdem wie sich Verstappen entscheidet, hat eines der beiden Teams ein Problem mit der Besetzung des zweiten Cockpits. Möglicherweise sind dann alle aktuellen Toppiloten vergeben. Das könnte am Ende vielleicht doch wieder Sebastian Vettel ins Spiel bringen.

Andreas Seidl - Audi - Formel 1 - GP Bahrain - 28. Februar 2024
Motorsport Images

Andreas Seidl würde für Audi gerne schnell zwei namhafte Piloten verpflichten.

Sainz ist der Wunschpilot von Audi

Alonso wusste auch, dass Sainz überall dort vor der Tür steht, wo er sich auch Chancen ausrechnete. Der Melbourne-Sieger hat sich mit seiner augenblicklichen Form wieder in den Fokus einiger Teams gefahren, die ihn vor zwei Monaten vielleicht noch nicht auf der Rechnung hatten.

Aston Martin hat sich nun schon mal zerschlagen. Red Bull und Mercedes wären für Sainz ein attraktiver Landeplatz, wenn sich da eine Möglichkeit ergäbe. Bei Audi müsste der dreifache GP-Sieger erst einmal Aufbauarbeit leisten.

Doch in Ingolstadt steht Sainz ganz oben auf der Liste. Bei allen anderen Adressen nur mittendrin. Teamchef Andreas Seidl hätte durchaus Alternativen, wenn Sainz sich entscheidet, auf die bewährten Adressen zu spekulieren. Da Nico Hülkenberg als gesetzt gilt, hat er schon mal eine verlässliche Größe im Stall.

Sergio Perez ist ein Kandidat, sollte er seinen Platz bei Red Bull verlieren. Die Alpine-Piloten Pierre Gasly und Esteban Ocon würden sofort flüchten, wenn sie könnten. Alpine gilt als der erste Übernahmekandidat im Feld. Alexander Albon ist bis Ende 2025 bei Williams festgenagelt. In der aktuellen Form muss man bei Audi auch Yuki Tsunoda auf der Rechnung haben.