Carlos Sainz sucht weiter Cockpit
Ist Audi noch eine Option?

Carlos Sainz ist weiter auf der Suche nach einem Cockpit für 2025. Der Spanier hat die Wahl zwischen Red Bull, Mercedes und Audi. Die ersten zwei Optionen sind attraktiver, aber mit Wenn und Aber verbunden.

Carlos Sainz - GP Miami 2024
Foto: Wilhelm

Carlos Sainz fährt seine beste Saison, doch der Ferrari-Pilot hat noch kein Cockpit für das nächste Jahr. Dafür aber die Qual der Wahl. Es gibt für den 29-jährigen Spanier keinen Königsweg. Eine Kröte muss er schlucken, egal ob er sich für Red Bull, Mercedes oder Audi entscheidet. "Und nicht alle Dinge liegen in meiner Hand", gibt Sainz zu.

Mit einem Gerücht räumte der dreifache GP-Sieger in Miami auf: "Es stimmt nicht, dass ich Audi abgesagt habe. Es ist eine der Möglichkeiten, die ich auf dem Tisch liegen habe." Ein langfristiger Vertrag mit dem Ingolstädter Konzern bringt Sicherheit, Aufmerksamkeit und eine große Aufgabe, aber auch eine sportliche Herausforderung ohne Garantieschein für GP-Siege.

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Das erste Jahr fährt Audi noch als Sauber. Beim offiziellen Einstieg 2026 wird Audi dann ein Neuling auf der Motorbühne sein. Sainz ist klar, dass er unter Umständen ein bis zwei Jahre Steine fressen muss. Das scheint ihn aber nicht zu stören: "Die VW-Gruppe und Audi waren mit allem, was sie im Motorsport angefasst haben, erfolgreich."

Carlos Sainz Sr. & Andreas Seidl
Wilhelm

Carlos Sainz Sr. hatte im Winter erst mit Audi die Rallye Dakar gewonnen. Er weiß, zu was Audi fähig ist.

Keine Zusagen von Red Bull

Audi würde Sainz auch sofort verpflichten. Formel-1-Chef Andreas Seidl hatte seinem Wunschpiloten ursprünglich die Pistole auf die Brust gesetzt, ist aber mittlerweile davon abgerückt, weil er verstanden hat, dass die Alternativen von Sainz komplizierter sind, als sie aussehen, und man auch mit Warten ans Ziel kommen kann.

Red Bull kann Sainz im Moment keine Zusagen machen. Max Verstappen macht seinen Verbleib vom Schicksal von Sportchef Helmut Marko abhängig. Es kann dauern, bis sich an der Stelle etwas bewegt. Teamkollege Sergio Perez fährt dieses Jahr zu gut, als dass es einen Anlass gäbe, ihn gegen Sainz auszutauschen. Und dann ist da auch noch Daniel Ricciardo in der Verlosung, der sich bei Toro Rosso für ein Comeback im A-Team empfehlen soll, aber noch mehr zeigen muss als einen vierten Platz im Sprint von Miami.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner bestätigte in China, dass es bei der Fahrerwahl keine Eile gibt. "Wir sind glücklich mit unserer Fahrerpaarung und wollen sicherstellen, dass Perez seine aktuelle Beständigkeit halten kann. Und wir sind auch in der komfortablen Position, dass viele Fahrer für uns fahren wollen."

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Miami - 4. Mai 2024

Verstappen ist weiter die Königsfigur im Transferschach. Wann steigt er aus dem Red-Bull-Vertrag aus?

Verstappen bei Mercedes ganz oben

Das Cockpit bei Mercedes hängt aus Sicht von Sainz mit der Personalie Verstappen zusammen. Teamchef Toto Wolff lässt keine Zweifel offen, dass der dreifache Weltmeister auf der Wunschliste steht, sollten ihn die Turbulenzen bei Red Bull von dort vertreiben. Doch im Moment hat Mercedes technisch kein attraktives Paket.

Verstappen deutete in Miami an, dass er keine übertriebene Lust hat, um die Plätze fünf und sechs zu fahren. Mercedes muss also besser werden, um überhaupt eine Alternative für den Weltmeister zu sein. Oder doch noch Adrian Newey für das 2026er-Auto an Land ziehen.

Es war in Miami zu hören, dass Mercedes Newey nun doch nicht mehr die kalte Schulter zeigt. Es soll vorsichtige Annäherungsversuche geben. Möglicherweise zu spät. Die Gespräche des Stardesigners mit Ferrari sind offenbar weit fortgeschritten.

Andrea Kimi Antonelli - F1-Test - Mercedes - Spielberg - 2024
Mercedes

Mercedes kann warten. Selbst wenn man weder Verstappen noch Sainz bekommt, hat man immer noch Supertalent Andrea Kimi Antonelli in der Hinterhand.

Sainz zwischen zwei Stühlen

Damit zieht sich auch die Option Mercedes für Sainz in die Länge. Er bekommt dort bestenfalls einen Eins-plus-eins Vertrag, weil sich Mercedes alle Türen für 2026 offenhalten muss. Toto Wolff wird notfalls bis Oktober auf den Weltmeister warten. Bis dahin kann noch viel zu seinen Gunsten passieren.

Und wenn nichts passiert, geht er halt das Risiko ein, sein Wunderkind Andrea Kimi Antonelli neben George Russell in das zweite Auto zu setzen, in der Hoffnung Verstappen kommt ein Jahr später. Für diese Hinhaltetaktik spricht ein verschärftes Aufbauprogramm für Antonelli und ein möglicher GP-Einsatz bei Williams ab Monza.

2026 macht es wegen des Reglements-Wechsels und der größeren Bedeutung des Motors aus Sicht von Verstappen schon mehr Sinn, sich Richtung Mercedes abzuseilen. Auch Newey fürchtet: "Das könnte wie schon 2014 wieder eine Motorenformel werden. Der Antrieb wird auf jeden Fall wichtiger sein als heute."

Wolff muss noch aus einem anderen Grund so lange wie möglich auf Verstappen warten und damit riskieren, dass er auch Sainz verliert. In dem Augenblick, in dem er seine Fahrer für 2025 bekannt gibt, wäre Marko nicht mehr durch die Drohung eines Verstappen-Wechsels geschützt. Horner wüsste dann, dass sein Superstar 2025 nirgendwo hin kann. Er weiß auch, dass Verstappen die Ausstiegs-Klausel bei einem Marko-Rauswurf sofort ziehen muss. Er kann dann nicht den Zeitpunkt seines Abschiedes bestimmen.

Sainz hat die Wahl zu pokern und Audi irgendwann zu verlieren, weil auch Seidl nicht unbegrenzt Alternativen auf dem Markt findet. Bei Mercedes muss ihm klar sein, dass er nur Platzhalter für Verstappen wäre. Und dann stehen immer noch Russell und Antonelli im Weg. Somit läuft Carlos Sainz vermutlich als erstem in dem Spiel die Zeit davon. Noch ist er bereit zu warten: "Ich will nichts überstürzen, weil es dann die falsche Entscheidung sein könnte."

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