F1-Treffen zu Kollisionen und Track Limits
Platzverlust bei Unfällen?

GP Mexiko 2023

Vor dem GP Mexiko luden die Sportkommissare der FIA die Fahrer und ihre Sportdirektoren zu einem Treffen ein. Es ging um Zwischenfälle aus der Vergangenheit und ihre Handhabung: Track-Limits-Verstöße sowie Unfälle. In Zukunft könnten die Stewards härtere Strafen gegen Täter aussprechen.

Sergio Perez - Kevin Magnussen - GP Japan 2023 - Suzuka
Foto: xpb

Es ist verblüffend. Die Fahrer fordern von der FIA in regelmäßigen Abständen lautstark ein besseres Mitspracherecht ein. Sie wollen ihre Meinung kundtun und gehört werden. Am Donnerstagabend (26.10.2023) vor dem GP Mexiko hatten sie die Chance dazu. Mehr als die Hälfte ließ sie verstreichen. FIA-Sportkommissar Garry Connelly hatte die Piloten zusammen mit ihren Sportchefs zu einem Treffen eingeladen. Es sollen nur acht der 20 Fahrer tatsächlich aufgetaucht sein, um zu diskutieren.

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Das Meeting hatte Connelly einberufen, um in den Austausch mit den Fahrern und den Teams zu gehen. Auf der Agenda standen Entscheidungen der Sportkommissare aus den vergangenen Rennen, die für Gesprächsstoff sorgten. Weil sich die Parteien nicht einig waren. Je nachdem, ob man Opfer oder Täter war, drifteten die Meinungen auseinander. Sie werden vielleicht sagen: So ist es doch fast immer im Sport.

Start - Sprint - GP USA 2023 - Austin
xpb

Am Start: Lewis Hamilton überholte im Sprint außerhalb der Track Limits.

FIA bemüht um Konstanz

Die FIA bemüht sich um Transparenz – und darum, mehr Konstanz in die Urteile zu bringen und das passende Strafmaß zu finden. Vergleichbare Fälle sollen nicht unterschiedlich gehandhabt werden, je nach Zusammenstellung der Sportkommissare. Die wechseln bekanntlich bei jedem Rennen. Die acht Fahrer, die Sportchefs der Teams und die FIA schauten sich Fälle zu Track Limits und Unfällen aus der Vergangenheit an.

Zum Beispiel den Start in den Sprint von Austin, als Lewis Hamilton neben der Strecke an Charles Leclerc vorbeifuhr. Ja, es war die Startrunde, aber eigentlich ein klarer Verstoß gegen die Streckenbegrenzung. Gegen den Mercedes-Fahrer leiteten die Stewards damals nicht mal eine Untersuchung ein. Sergio Perez soll im Hauptrennen 26 Mal in Kurve 6 abgekürzt haben. Doch die Streckenkamera entlarvte den Täter nicht, und die Onboards reichten den Stewards nicht aus. Auch der Fall Stroll gegen Gasly in Silverstone wurde behandelt. Der kanadische Aston-Martin-Fahrer hatte den Franzosen im Alpine abseits der Strecke überholt, gab den Platz anschließend aber nicht zurück.

Lance Stroll - Aston Martin - GP USA 2023 - Austin
Wilhelm

In Zweikämpfen dürften die Fahrer in Zukunft mehr aufpassen müssen.

Unfälle, die WM-Punkte kosten

McLaren-Pilot Lando Norris bestraften die Sportkommissare in Kanada mit fünf Sekunden, weil er unter Safety Car Platz zu seinem Teamkollegen geschaffen hatte, um beim Reifenwechsel nicht anzustehen. "Unsportliches Verhalten", sei das gewesen. Norris purzelte aus den WM-Punkten. In Singapur, so einige Team-Vertreter, habe Charles Leclerc vor dem ersten Boxenstopp unter Safety Car ähnlich gehandelt wie Norris. Der Monegasse kam ohne Untersuchung davon.

Auch Kollisionen schauten sich die Teilnehmer an. Und da wurde in letzter Zeit ja ähnlich viel diskutiert wie über Track Limits. Zum Beispiel über Sergio Perez, der in Singapur Alexander Albon abräumte, und ihn um WM-Punkte brachte. Der Mexikaner kassierte für den Unfall eine Fünfsekunden-Strafe. Zu wenig nach dem Befinden von Williams, das jeden Zähler braucht, um den siebten Platz in der Team-WM abzusichern. Da geht es um Millionen aus der Rechteausschüttung der Formel 1. Für Perez war die Strafe irrelevant. Der hatte den Speed sich noch auf Platz 8 vorzufahren.

Strafe mit abschreckender Wirkung

Perez kollidierte eine Woche später mit Kevin Magnussen. Wieder sprachen die Regelhüter eine Strafe von fünf Sekunden gegen den Red-Bull-Fahrer aus. Der Crash warf den Haas aussichtslos zurück. Die Beteiligten stellen sich die Frage: Braucht es bei Unfällen, die einen unschuldigen Fahrer aus den Punkten befördern, ihn aussichtslos zurückwerfen oder ihn sogar zur Aufgabe zwingen, härtere Strafen gegen den Täter?

Das (kleine) Plenum soll sich darauf verständigt haben, die Strafen in Zukunft besser zu differenzieren. Bei Vergehen könnten demnach nicht mehr Zeitstrafen von fünf Sekunden, sondern von zehn oder sogar 20 Sekunden ausgesprochen werden. Das hätte eine abschreckendere Wirkung. Bei schlimmen Verletzungen könnte der Täter sogar mit einer Platzstrafe belegt werden. Dann würde er um einen Platz oder sogar zwei Positionen nach hinten gesetzt.

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