Ferrari will Druck erhöhen
Red Bull zu Fehlern zwingen

GP Australien 2024

Noch hat Red Bull die Nase vorn, doch Teamchef Frédéric Vasseur sieht gute Chancen, dass Ferrari den Rückstand aufholen kann. Wenn man Red Bull weiter unter Druck setzt, hofft der Scuderia-Chef auf eine erhöhte Fehlerquote bei der Konkurrenz.

Max Verstappen vs. Carlos Sainz - GP Australien 2024
Foto: xpb

Die WM-Tabelle sieht seit Melbourne wieder freundlicher aus. Ferrari liegt in der Markenwertung nur noch vier Punkte hinter Red Bull. Auch Max Verstappen ist noch in Reichweite. Charles Leclerc fehlen vier, Carlos Sainz bei einem Rennen weniger elf Zähler auf den Titelverteidiger.

Der Doppelsieg von Ferrari in Australien ist mehr als nur ein Ausrufezeichen. Der WM-Zweite hat in jedem Rennen beide Autos ins Ziel gebracht, immer das Podium besetzt und war vom Speed her auf jeder Rennstrecke der nächste Verfolger von Red Bull. Melbourne hat Ferrari gezeigt, dass ein Sieg möglich ist, wenn man Red Bull unter Druck setzen kann.

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Der Druck für den Titelverteidiger baute sich auf, weil Ferrari bis zum dritten Training das schnellere Auto hatte. Auf eine Runde und im Longrun. Das zwang Red Bull dazu, sein Setup ständig nachzubessern, um das lästige Untersteuern wegzubringen. Verstappens Ausrutscher im ersten Training kostete einen Unterboden und einen Motor und beschädigte das Chassis. Vor allem aber ging viel Trainingszeit verloren.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Australien 2024
xpb

Red Bull muss am Limit operieren, um Ferrari hinter sich zu halten. Damit steigt die Fehlerquote.

Red Bull hat keinen Supertrick

Ferrari-Capo Frédéric Vasseur predigt deshalb seinem Team, dass es eminent wichtig ist, ohne Probleme durch das Wochenende zu kommen. "Heute darfst du keine Trainingsminute mehr verschenken."

Bis jetzt liefen die Abläufe von Ferrari an der Strecke wie geschmiert. Die Sternstunde von Melbourne wird dem Team und den Fahrern noch mehr Selbstvertrauen einimpfen. "Vertrauen ist ein wichtiger Faktor in diesem Geschäft. Wir haben mit jedem der drei Rennen dazugewonnen. Das soll uns irgendwann in die Lage bringen, Red Bull dauerhaft herauszufordern."

Damit es so weit kommt, muss Ferrari mit seinem Auto nach interner Einschätzung noch vier Zehntel finden. Vasseur hält das für möglich. "Ich glaube nicht, dass dieser Red Bull einen Supertrick hat, der vier Zehntel wert ist und den man nicht kopieren kann. Es sind eher zehn Details, von denen jedes vier Hundertstel bringt."

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Australien 2024
Motorsport Images

Die Bedingungen in Melbourne kamen Ferrari entgegen. Beim Reifenverschleiß waren die roten Autos die Messlatte.

Mehr Sicherheit beim Reifenmanagement

Die Bedingungen im Albert Park haben Ferrari sicher in die Karten gespielt. Schon in Las Vegas letztes Jahr zeigte sich, dass die roten Autos besser mit körnenden Reifen umgehen als Red Bull. Doch Vasseur besteht darauf, dass man auch auf anderen Streckentypen das Reifenmanagement verbessert hat. "In Jeddah ist Charles ganz zum Schluss die schnellste Runde gefahren. Das wäre früher nicht möglich gewesen."

Trotzdem bezeichnet Technikdirektor Enrico Cardile den Umgang mit den Reifen noch als einen Punkt, in dem Ferrari besser werden muss. Vasseur übersetzt, was sein Obertechniker meint: "Wir waren weder in Jeddah, noch in Melbourne bei der Vorbereitung der Reifen für die Qualifikation sattelfest. Da haben wir etwas liegengelassen. Vielleicht sind wir im Rennen von Jeddah den letzten Stint zu konservativ angegangen. Aber wenn du von da kommst, wo wir letztes Jahr waren, musst du dich bei der Reifenabnutzung langsam an das Limit herantasten."

Ansonsten ermutigt Vasseur seine Truppe ins kalkulierte Risiko zu gehen. Weil es Red Bull genauso macht. Angst vor Versagen muss keiner mehr haben. "Wenn etwas schief geht, stehe ich hinter meinen Leuten. Das weiß jeder im Team." Es müsse gelingen, so der Franzose, Verstappen aus seiner Komfortzone zu holen. "So sind alle großen Dominanzen zu Ende gegangen, egal ob bei Schumacher oder Hamilton. Wenn sie keinen Spielraum mehr haben, sind auch die besten Fahrer verwundbar."

Max Verstappen vs. Carlos Sainz - GP Australien 2024
xpb

Vor dem Ausfall von Verstappen hatte Sainz den Red Bull auf der Strecke überholt. Das sah man in der Vergangenheit nicht sehr oft.

Entwicklung mit neuem Auto einfacher

Die Ingenieure in Maranello haben ein Auto auf die Räder gestellt, das berechenbar, ausgeglichen und gut ausbalanciert ist. Es ändert sein Verhalten nicht mehr bei jedem Windstoß oder Temperaturanstieg. So erklärt sich Vasseur auch den verbesserten Reifenverschleiß: "Das alte Auto war schwer zu fahren. Die Fahrer mussten ans Limit gehen. Dabei passieren Fehler. Jeder Rutscher stresst die Reifen. Das war ein Teufelskreis, aus dem wir jetzt ausgebrochen sind."

Im Gegensatz zum Vorjahr hat Ferrari mit dem SF-24 eine Plattform, die man versteht und die auf der Rennstrecke das macht, was die Simulationen versprechen. Das macht Vasseur optimistisch: "Wir können uns jetzt darauf konzentrieren Rundenzeit zu finden. Die Entwicklung sollte uns mit dem neuen Auto leichter fallen. Deshalb sehe ich eine Chance den Rückstand zu Red Bull aufzuholen."