Vorschau GP Katar 2023
Elfmeter ohne Torwart für Verstappen

GP Katar 2023

Mit dem GP Katar bestreitet die Formel 1 ihr viertes Nachtrennen der Saison. Max Verstappen könnte sich zum dritten Mal die WM-Krone aufsetzen. Dafür braucht der Titelverteidiger nur drei WM-Punkte aus Sprint- und Hauptrennen. Wir tragen die letzten Infos vor dem Wüsten-Grand-Prix zusammen.

Max Verstappen - Red Bull - GP Japan 2023 - Suzuka
Foto: Wilhelm

In Japan stellte Red Bull den sechsten Konstrukteurs-Pokal der Teamgeschichte sicher. Zwei Wochen später steht die nächste Titelverteidigung an. Dass Max Verstappen die Fahrer-Weltmeisterschaft gewinnen wird, ist schon lange ausgemacht. Die Konkurrenz hisste angesichts der Siegeslawine lange vorher die weiße Flagge. Nur mathematisch bestanden noch Fragezeichen. Die könnte der Titelverteidiger am 17. Rennwochenende der Saison beseitigen.

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Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt. Ein Torwart fehlt. Verstappen muss nur noch verwandeln. Sein Teamkollege Sergio Perez, der einzig verbliebende Pilot mit einer theoretischen Chance, kann machen, was er will. Verstappen hat es in der eigenen Hand. Er braucht nur drei WM-Punkte. Dann ist er zum dritten Mal Weltmeister der Formel 1. Wahrscheinlich wird es der Red-Bull-Star bereits am Samstag. Im Sprint zum GP Katar reicht ihm ein sechster Platz.

Wer Verstappen kennt, der weiß: Der 26-Jährige will die WM mit Stil einfahren – das heißt mit Sieg im Sprint- und Hauptrennen. Im Wüstenstaat trägt die Formel 1 ihr viertes Sprintwochenende der Saison aus. Und nach Bahrain, Saudi-Arabien und Singapur das vierte Nachtrennen der Saison. Für die Rückkehr der Königsklasse haben die Katarer in die Taschen gelangt. Für angeblich rund 350 Millionen Euro haben sie die Infrastruktur aufgemöbelt.

Pirelli - GP Katar 2023 - Info-Grafik
Pirelli

Die Rennstrecke in Katar stellt mit ihren 16 überwiegend mittelschnellen und schnellen Kurven hohe Anforderungen an die Reifen.

Die Strecke – Losail International Circuit

Mehr als 1.000 Arbeiter haben den Losail International Circuit im Jahr 2004 innerhalb von nur gut zwölf Monaten aus dem Wüstenboden gestampft. Und damit die Motorradweltmeisterschaft MotoGP angelockt. Etwas mehr als 50 Millionen Euro wurden damals verbuddelt, was nach heutigen Maßstäben eine sehr geringe Summe ist. Zum Vergleich: Für den Grand-Prix-Kurs in Abu Dhabi sollen die dortigen Machthaber mehr als eine Milliarde ausgegeben haben.

Die Formel-1-Premiere feierte Katar 2021 – damals als Ersatz von Australien im Corona-Notkalender. Mit dem Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf hatte die Königsklasse direkt eine langjährige Partnerschaft geschlossen. Ab 2023 fährt die Formel 1 demnach über weitere zehn Jahre in Katar. Das Rennen im Vorjahr sparte man bewusst aus. Katar konzentrierte sich auf die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft.

Eigentlich, so die ursprünglichen Gedankenspiele, sollten alle weiteren Rennen im Wüstenstaat auf einer neuen Anlage stattfinden. Diesen Plan hat man verworfen und stattdessen die bestehende Rennstrecke massiv modernisiert. Unter anderem mit neuen Tribünen (für 40.000 Besucher), einer neuen Boxenanlage, einem neuen Paddock Club, einem jetzt ultramodernen Medien-Center, einem aufgefrischten Fahrerlager und neuen Hospitalities für die Teams.

Zur Renovierung gehören auch ein neuer Asphalt, den man für mehr Haftung vorab künstlich hat altern lassen, sowie eine teilweise Erneuerung der Fangzäune. An der Streckenführung selbst ändert sich nichts. Das relativ schmale Asphaltband mit seinen 16 Kurven (10 rechts, 6 links) führt über 5,418 Kilometer. Insgesamt 19 Runden im Sprint und 57 Runden im Hauptrennen sind hier im Uhrzeigersinn zu bewältigen.

Das Layout ist mit mittelschnellen und schnellen Ecken flüssig gesteckt. Schnelle Kurven überwiegen. Es gibt praktisch nur eine gute Überholstelle am Ende der mehr als einen Kilometer langen Geraden. Hier wurde auch die einzige DRS-Zone eingerichtet. Der Weg von der Pole Position zur ersten Kurve ist mit gut 371 Metern relativ lang. Das könnte für Action am Start sorgen.

Mercedes - GP Katar - Strecken-Grafik
Mercedes

In Katar gibt es mit Kurve 6 (95 km/h) nur eine echte langsame Kurve.

Fast Facts:

  • Streckenlänge: 5,419 Kilometer
  • Rundenzahl: 57
  • Renndistanz: 308,611 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 16 (10 rechts / 6 links)
  • Vollgasanteil (Rundendistanz): 66 %
  • Distanz Pole Position bis erste Bremszone: 371 Meter
  • Länge der Boxengasse: 450 Meter
  • Top-Speed: 324 km/h
  • DRS-Zonen: 1 (T16-T1)
  • Reifenwahl: C1, C2, C3
  • Rundenrekord: 1:23.196 Min. (Max Verstappen, 2021, Rennen)
Start - Formel 1 - GP Japan 2023
xpb

Katar verlangt nicht so sehr nach aerodynamischer Effizienz wie zuletzt Suzuka.

Setup

An Sprint- und Nachtwochenenden ist besondere Vorsicht bei der Abstimmung geboten. Das erste Training findet in Katar unter Tageslicht statt. Wie auch die Qualifikation für den Samstagssprint. Entsprechend höher sind die Temperaturen als in der Renn-Quali, dem Sprint und dem Grand Prix unter Flutlicht. Bei wechselnden Asphalttemperaturen dürfen sich die Techniker mit dem Setup nicht verzetteln.

Hinter dem Griplevel des neuen Asphalts steht noch ein Fragezeichen. Unklar ist auch, wie viel Sand in den Poren steckt und wie stark sich die Haftung im Laufe des Wochenendes verbessert. Pirelli geht von mittleren Haftungswerten aus. Der Stress für die Reifen fällt ähnlich hoch aus wie in Silverstone oder Suzuka. Gerade die superschnelle Dreifachrechts im hinteren Teil der Strecke geht an die Substanz der Reifen. Im bisher einzigen Katar-Rennen kam es zu mehreren Reifenschäden. Von daher ist Vorsicht geboten.

Beim Aerodynamik-Setup tendieren die Ingenieure zu mehr Abtrieb, um schnell durch die 16 Kurven zu kommen. Zu groß sollten die Flügel nicht sein, sonst droht zu viel Zeit auf der über einen Kilometer langen Zielgerade liegenzubleiben. Wenigstens darf hier der Heckflügel flach gestellt werden, um den Luftwiderstand zu senken.

Mangels langsamer Kurven spielt die Traktion keine große Rolle. Die eher flachen Kerbs könnten die Ingenieure dazu verleiten, das Fahrwerk eher tief einzustellen. In den schnellen Kurven ist schließlich Stabilität gefragt. Dabei müssen sie allerdings achtgeben, die Bodenplatte ausreichend vor Abnutzung zu schützen. 2023 verursachten die Randsteine einige Reifenschäden. Für die diesjährige Ausgabe wurden sie überarbeitet. Mercedes schreibt dazu: "Im Vorfeld des diesjährigen Rennens wurden nicht näher spezifizierte Arbeiten an den Kerbs durchgeführt." Die Teams müssen es im einzigen Training herausfinden.

Upgrades:

Die Strecke kennen die Teams nur von einem Rennwochenende 2021, allerdings mit der alten Fahrzeuggeneration und nicht den Groundeffect-Autos. Die Trainingszeit ist aufgrund des Sprint-Formats auf eine Stunde begrenzt. Da bleibt kaum Zeit für Experimente. Deshalb erwarten wir, dass sich die Teams hauptsächlich auf die Fahrzeugabstimmung konzentrieren. Und dass keines mit einem umfangreichen Paket an neuen Fahrzeugteilen aufkreuzt, sondern es die Rennställe bei Kleinkram belassen.

Zumal für das nächste Rennwochenende (GP USA) größere Umbauten angemeldet sind. Für den Lauf in Austin haben neben Mercedes auch Alpha Tauri und Haas größere Ausbaustufen ausgerufen. In Austin wird zwar ebenfalls gesprintet, doch die Rennstrecke kennen die Teams inzwischen aus dem Effeff – im Gegensatz zum Losail International Raceway.

McLaren - Piastri & Norris - GP Japan 2023
McLaren

Dem McLaren MCL60 sollte das flüssige wie kurvenreiche Layout entgegenkommen.

Favoriten

Red Bull rückte die Verhältnisse in Suzuka wieder gerade. Oder genauer gesagt Max Verstappen, der die Singapur-Niederlage mit einer Solofahrt vergessen machte. Der Titelverteidiger gewann mit einem Vorsprung von 19,3 Sekunden auf den ersten Verfolger – Lando Norris im McLaren. Vieles spricht dafür, dass es in Katar ähnlich abläuft: Red Bull voraus mit McLaren als zweiter Kraft im Feld.

Der 13-malige Saisonsieger Verstappen ist überall der erste Anwärter auf den Sieg. Um seine Erfolgszahlen weiter anzufüttern: Neun Mal stellte er seinen RB19 auf Pole Position. Sieben Mal drehte Verstappen die schnellste Rennrunde. Für 3.460 Kilometer oder 712 Umläufe führte er das Feld an. Der Rest kommt zusammen auf 250 Führungsrunden.

Das flüssige Layout erlaubt hohe Speeds. Von der Durchschnittsgeschwindigkeit ist Katar sogar noch einen Tick schneller als Suzuka. Der neue Asphalt sollte kaum Bodenwellen aufweisen. Die Randsteine werden zwar in die Ideallinie einbezogen, sind aber flach. Das spielt alles Red Bull in die Karten – und McLaren, das schnelle Strecken liebt. Die aerodynamische Effizienz spielt in Katar nicht eine ganz so große Rolle wie in Suzuka. Von daher könnte McLaren sogar etwas näher dran sein. Dass es auf der Strecke nur eine langsame Kurve gibt (T6: 95 km/h) kommt dem Papaya-Rennwagen entgegen.

Ferrari - GP Japan 2023
Wilhelm

Spielen Ferrari und Mercedes wieder nur die dritte respektive vierte Geige?

Ferrari oder Mercedes?

Dahinter erwarten Experten wieder ein Duell zwischen Ferrari und Mercedes. Beide mit Autos, die nicht so stabil bei hohen Kurvengeschwindigkeiten sind wie der Red Bull und der McLaren. Schlecht für Katar. Die Roten haben immerhin in den letzten Wochen gelernt, ihr Auto besser auf die Problemkurven mit langen Radien abzustimmen. In der Wüstennacht sollten die Asphalttemperaturen nicht zu hoch, dafür aber konstant sein. Auch das freut Ferrari.

Mercedes wiederum schwächelt in schnellen Kurven, weil das Heck immer noch nicht ausreichend klebt. Und das Team von Vorjahressieger Lewis Hamilton und George Russell konnte zuletzt auch nicht mehr mit besserem Reifenmanagement punkten. In dieser Beziehung hat sich Ferrari deutlich besser aufgestellt als in der Zeit vor der Sommerpause. Dafür ist in Katar die Varianz der Kurven nicht so ausgeprägt wie noch in Suzuka. Das erleichtert die Abstimmung – und hilft damit Mercedes. Heck

Aston Martin und die schnellen Kurven: Das harmoniert in dieser Saison nicht. Doch auch Fernando Alonso sollte näher dran sein, weil der hohe Luftwiderstand den Aston Martin nur auf Start-Ziel einbremst. Alpine hat ein Auto für kleine Punkte. Alpha Tauri inzwischen das beste Paket der Hinterbänkler, das noch Williams, Haas und Alfa Romeo umfasst. Ein Update gibt es bei den Fahrern: Daniel Ricciardo ist weiter nicht einsatzbereit. An seiner Stelle tritt wie in den letzten vier Rennen Liam Lawson an (zum Artikel).

Start - GP Katar 2021
xpb

Bei der Premiere 2021 setzte sich Lewis Hamilton von Pole Position souverän durch.

So lief das letzte Rennen – GP Katar 2021

Max Verstappen siegt die Formel 1 langweilig. Vor zwei Jahren noch herrschte hingegen Hochspannung. Die Königsklasse steuerte damals auf ein Herzschlagfinale zu, weil Lewis Hamilton den Abstand zu seinem Rivalen immer weiter verkürzte. Mit dem Sieg in Katar um weitere sechs Punkte auf nur noch acht Zähler. Es war einer der leichteren Erfolge für den Mercedes-Fahrer, der das Rennen von Start bis Ziel kontrollierte und seine Boxentaktik nur an den Verfolgern ausrichten musste.

Sein WM-Rivale hatte zumindest in den ersten Runden viel zu tun. Verstappen war aus der ersten Startreihe auf den siebten Platz gerutscht als Folge missachteter gelber Flaggen in der Qualifikation. Am Start machte der Red-Bull-Fahrer drei Positionen gut. Danach schnappte er sich noch Pierre Gasly, damals im Alpha Tauri, und Fernando Alonso, damals im Alpine. An den großen Coup brauchte Verstappen nicht mehr zu denken. Hamilton war an diesem Tag nicht mehr einzuholen.

Alonso ließ seinen Ex-Rennstall mit einem Podest vor Sergio Perez jubeln. Esteban Ocon steuerte das zweite französische Auto auf den fünften Platz. Für Ferrari endete der erste GP Katar auf den Positionen sieben und acht. Besonders in der Schlussphase begann bei manchen das große Zittern um den linken Vorderreifen. Bei Valtteri Bottas war er wie bei den Williams und am McLaren von Lando Norris kaputtgegangen. Die hohen Fliehkräfte und die Kerbs belasteten die Pirellis.

Zeitplan GP Katar 2023

Nach Baku, Spielberg und Spa-Francorchamps trägt Katar das vierte von insgesamt sechs Sprint-Wochenenden der Saison aus. Entsprechend findet nur ein einziges Training statt.

Zeitplan GP Katar 2023

Tag

Session

Uhrzeit

Freitag, 6.10.2023

1. Training

15:30-16:30 Uhr

Qualifikation 

19:00-20:00 Uhr

Samstag, 7.10.2023

Sprint Shootout

15:00-15:44 Uhr

Sprint 

ab 19:30 Uhr

Sonntag, 8.10.2023

Rennen

ab 19 Uhr

Live
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