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Mercedes: Warum verliert Hamilton gegen Russell?

Deutlicher Rückstand im Mercedes-Duell
Warum verliert Hamilton gegen Russell?

Lewis Hamilton liegt im Trainingsduell gegen George Russell mit 1:8 im Rückstand. Nach Punkten steht es 55:69. Da sind schnell Verschwörungstheorien gestrickt. Doch was steckt tatsächlich hinter der Hamilton-Krise?

Lewis Hamilton & George Russell - Formel 1 - 2024
Foto: Wilhelm

Es läuft nicht rund bei Lewis Hamilton. Der siebenfache Weltmeister liegt nach neun Rennen nur auf Rang acht der Gesamtwertung. Über einen vierten Platz kam der erfolgreichste Formel-1-Fahrer aller Zeiten bisher nicht hinaus. Er büßt dabei vor allem für seine schlechten Startplätze. Drei Mal Siebter, drei Mal Achter, ein Mal Neunter und zwei Mal vorzeitig raus.

Es kommt noch schlimmer. George Russell läuft dem Rekordsieger im Augenblick den Rang ab. Der jüngere der beiden Engländer führt im Quali-Duell mit 8:1 und nach Punkten mit 69:55. Er schaffte es immer ins Q3 und stand zuletzt in Montreal sogar auf der Pole Position.

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Russell holte in Kanada auch den bislang einzigen Podestplatz für Mercedes. Der WM-Siebte besiegte Hamilton im Rad-an-Rad-Duell drei Runden vor Schluss und huschte 0,598 Sekunden vor dem Teamkollegen über die Ziellinie. Das schmerzte.

Lewis Hamilton - Formel 1 - 2024
Wilhelm

Lewis Hamilton bezahlt im Rennen regelmäßig für seine schlechten Startpositionen.

Achillesferse ist der Samstag

Hamilton nahm sich selbst in die Pflicht: "Meine Leistung war sehr schlecht, Samstag wie Sonntag. In der Qualifikation kamen ein paar Sachen dazu, aber es lag zum Großteil an mir selbst. Heute war es kein gutes Rennen von mir. Ich habe viele Fehler gemacht. Wir hatten den Speed, um weiter vorne mitzukämpfen, aber am Ende haben wir es nur auf den vierten Platz geschafft. Mit einer besseren Startposition hätte ich es mir im Rennen leichter gemacht."

Da bringt es der 39-jährige Engländer auf den Punkt. Seine Achillesferse ist in diesem Jahr die Zeitenjagd am Samstag. In den ersten beiden Jahren mit Russell im Team gestaltete der Mann mit 104 Pole Positions in seiner Vita das Quali-Duell mit 12:10 und 11:11 noch ausgeglichen. Doch in diesem Jahr bringt er keinen Fuß auf den Boden.

Hamilton kann selbst keine plausible Erklärung dafür liefern und liefert somit Stoff für Verschwörungstheorien. Seine Fans vermuten instinktiv, dass der Mann, der das Team verlässt, im Vergleich zum Teamkollegen, der bleibt, benachteiligt wird. Was natürlich Unsinn ist. Gerade in einer Zeit, wo Mercedes jeden Erfolg braucht, bremst man nicht ein Auto freiwillig ein.

Lewis Hamilton & George Russell - Formel 1 - 2024
Wilhelm

In den letzten Jahren war das Quali-Duell gegen Russell noch ausgeglichen. Jetzt liegt Hamilton deutlich zurück.

Am besten ist Hamilton im Q2

Das zeigt sich auch daran, dass Hamilton immer mal wieder seine Klasse durchblitzen lässt. In Shanghai qualifizierte er sich als Zweiter für den Sprint und kam auch als Zweiter ins Ziel. Wenn man den Vergleich in allen Sessions (Quali-Abschnitte + Trainings) des Jahres zieht, dann gewinnt Russell nur noch mit 34:16. Beschränkt man sich auf die Freien Trainings steht es 14:8 für den Dritten von Montreal.

Sobald es am Samstagnachmittag ernst wird, zieht Russell davon. Q1, Q2 und Q3 addiert geht mit 18:6 an den Formel-2-Meister von 2018. Im Q1 ist Russell sieben Mal schneller, Hamilton nur zwei Mal. Im Q2 steht es 5:3, im Q3 6:1 für den Jüngeren. Daraus kann man schließen, dass sich Russell im Verlauf der Qualifikationsrunden mehr steigern kann als sein Stallrivale.

Dabei fällt auf, dass die Mercedes-Fahrer im Q2 fast gleichwertig sind, während das Pendel im entscheidenden Qualifikationssegment deutlich Richtung Russell ausschlägt. Russell verbesserte sich vom Q2 um Q3 im Schnitt um 0,202 Sekunden, Hamilton nur um 0,142 Sekunden. Das hat häufig damit zu tun, dass Hamilton mit zu wenig oder zu viel Reifendruck losfährt, oder ihm in der Reifenvorbereitung vor der schnellen Runde ein Fehler unterläuft.

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Die Fans von Hamilton spinnen schon Verschwörungstheorien. Dabei hat Mercedes gar keinen Grund, seinen Star zu sabotieren.

Hamilton experimentiert zu viel

Generell hat sich Hamilton in den letzten drei Jahren, in denen er seinem 104. GP-Sieg hinterherläuft, zu stark auf das Experimentieren mit dem Setup verlegt, in der Hoffnung so den goldenen Schlüssel für das Auto zu finden. Russell und seine Crew waren da pragmatischer. Der Fahrer akzeptierte das Auto so, wie es ist.

In den letzten Rennen gab es keinen Grund mehr, mit der Fahrzeugabstimmung ins Risiko zu gehen. Seit Imola sind die Fahrer mit ihrem Auto zufrieden. Endlich ist der W15 gut ausbalanciert und berechenbar. Jetzt geht es eigentlich nur noch um Feintuning.

Und doch ist Hamiltons Aussage nach der Qualifikation in Monte-Carlo symptomatisch. Da sah er bis zum Q1 noch wie ein Kandidat für die Pole Position aus. Am Ende reichte es nur zum siebten Platz: "Das Auto fühlte sich von der ersten Runde großartig an. Wir waren das ganze Freie Training bei der Musik. Ich war überall am Limit und die Qualifikationsrunden fühlten sich gut an. Doch jedes Mal in der Qualifikation fällt es mir schwer in den einzelnen Segmenten entsprechend Fortschritte zu machen. Es fühlt sich so an, als würde ich relativ zu den anderen Autos zurückfallen."

Lewis Hamilton - Formel 1 - 2024
Wilhelm

Jetzt, wo der Silberpfeil langsam in Form kommt, muss auch Hamilton die Bremse im Kopf lösen.

Bremse im Kopf?

Hamilton ließ dabei auch noch durchblicken, dass nur Russell den neuen Frontflügel hatte, der in den schnellen Kurven ein Vorteil war. Da musste er sich aber an die eigene Nase fassen. Es gab in Monaco nur ein Exemplar des Flügels. Auf Nachfrage von Chefingenieur Andrew Shovlin meldete sich nur Russell freiwillig als Testfahrer. Hamilton wollte sich aufgrund schlechter Erfahrungen in den Rennen davor nicht zusätzlich mit neuen Teilen verwirren, sondern lieber voll auf die Fahrzeugabstimmung konzentrieren.

In Montreal waren beide Mercedes wieder identisch. Wahrscheinlich ist es eine Kopfsache, die Hamilton bremst. Einer, der so viel gewonnen hat wie er, findet sich schwerer damit ab, nur die zweite oder dritte Geige zu spielen als Russell, der erst einen GP-Sieg vorweisen kann. Da fährt dann schnell der Frust mit und man will mit Macht etwas erzwingen, das sich nicht erzwingen lässt.

Mit seinem Schlusswort in Montreal deutete Hamilton an, dass er den Fehler zuerst einmal bei sich selbst sucht. "Ich muss das Positive mitnehmen. Das Auto hat sich verbessert und wir können vorne wieder mitkämpfen. Ich gehe jetzt nach Hause und werde mir überlegen, was ich tun muss, um stärker zurückzukommen."

Vergleich Hamilton vs. Russell (2024)

Rennen

Session

Hamilton

Russell

Bahrain

FP1

9

7

FP2

1

2

FP3

12

6

Q1

8

5

Q2

4

7

Q3

9

3

Jeddah

FP1

8

4

FP2

8

2

FP3

9

4

Q1

11

5

Q2

10

5

Q3

8

7

Melbourne

FP1

9

3

FP2

10

6

FP3

4

5

Q1

12

6

Q2

11

10

Q3

7

Suzuka

FP1

5

4

FP2

FP3

4

3

Q1

9

12

Q2

3

8

Q3

7

9

Shanghai

FP1

18

17

SQ1

12

13

SQ2

9

11

SQ3

2

Q1

18

7

Q2

6

Q3

8

Miami

FP1

2

4

SQ1

11

6

SQ2

12

11

SQ3

Q1

9

8

Q2

3

8

Q3

8

7

Imola

FP1

7

2

FP2

4

5

FP3

17

5

Q1

15

10

Q2

9

8

Q3

8

6

Monte Carlo

FP1

1

3

FP2

2

10

FP3

3

6

Q1

3

2

Q2

7

6

Q3

7

5

Montreal

FP1

4

10

FP2

7

2

FP3

1

3

Q1

3

7

Q2

2

1

Q3

7

1

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