Hülkenberg mit Boxenstopp Sechster
Taktik-Coup rettet Haas drei Punkte

GP Österreich 2023

Am Start war Nico Hülkenberg Vierter, nach einer Runde Zweiter und im Ziel Sechster. Dazwischen lag ein Boxenstopp für Slicks. Der Coup rettet Haas drei lebenswichtige Punkte.

Nico Hülkenberg - Haas - GP Österreich 2023 - Spielberg - Sprint
Foto: Motorsport Images

Eine Runde kann der Haas. Nico Hülkenberg stellte es mit dem achten Startplatz für das Hauptrennen und dem vierten Rang für den Sprint in Österreich unter Beweis. Ein Mal auf trockener Strecke, dann auf nasser. 24 Runden am Stück sind für den Haas das größere Problem. Deshalb kam dem US-Rennstall der Regen am Samstag gelegen.

Im Regen ist das Problem der Reifenabnutzung nur halb so groß. Doch im Sprint hörte die Dauerberieselung von oben schon nach wenigen Runden auf. Und die Bahn trocknete rasend schnell ab. Ab der 15. Runde waren Slicks die bessere Wahl. Für Haas war das Szenario die Höchststrafe. Weil der Intermediate-Reifen schnell zu leiden begann. Speziell links vorne. Hülkenberg erzählte: "Das war zwar für alle ein Problem, aber für uns ganz besonders. Es war eine Wiederholung unseres Reifenproblems auf trockener Strecke. Sobald das Wasser auf der Strecke verschwand, haben die Reifen überhitzt. Undwenn du sie ein Mal zu stark stresst, erholen sie sich nicht mehr."

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Nico Hülkenberg - Haas - GP Österreich 2023 - Spielberg - Sprint
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In der ersten Rennhälfte hielt Hülkenberg sogar Sergio Perez hinter sich.

Haas lässt Intermediates leiden

Nachdem sich in der Startrunde die beiden Red-Bull-Fahrer in den ersten drei Kurven über die Vorfahrt nicht einig wurden, sah Hülkenberg in Kurve 3 auf der Innenbahn eine Lücke und reihte sich als Zweiter hinter Max Verstappen ein. Nach fünf Runden lag der Haas-Pilot immer noch dort. Er hatte Sergio Perez und Carlos Sainz sogar um zwei Sekunden abgeschüttelt. Hülkenberg ist überzeugt: "Wenn es das ganze Rennen nass geblieben wäre, wäre ich Zweiter geworden."

Doch dann begann der linke Vorderreifen zu leiden. Ab der 6. Runde verlor Hülkenberg Zeit auf seine Verfolger. In der 12. Runde ging Perez vorbei, kurz später Sainz. Und drei Runden später hingen ihm die beiden Aston Martin formatfüllend im Rückspiegel. Just als Stroll den Rheinländer von Platz 4 verdrängte, bog Hülkenberg in die Boxengasse ab. Er wechselte von Intermediates auf Slicks.

George Russell stand Modell. Der Mercedes-Pilot war schon in der 15. Runde auf Soft-Reifen gegangen und weckte eine Runde später die Konkurrenz mit schnellen Sektorzeiten auf. "Es war die einzig richtige Entscheidung, auch auf Slicks zu gehen. Wären wir draußengeblieben, hätten uns die anderen aufgefressen", lobte Hülkenberg seine Strategen.

Einsatzleiter Ayao Komatsu atmete auf: "Ich war echt nervös, als wir die Entscheidung trafen, beide Autos reinzuholen. Kevin hatte nichts zu verlieren, aber Nico lag noch in den Punkten. Im Rückblick haben wir zur richtigen Zeit alles richtig gemacht." Der Japaner hat auch eine Erklärung dafür, warum der kleine Haas-Rennstall bei wechselnden Bedingungen meistens besser taktiert als die großen Rennställe. "Bei uns gibt es kein Kommittee und auch keine Mission Control in der Fabrik, die mitreden. Bei uns entscheiden die Leute am Kommandostand, und Guenther lässt uns machen."

Hülk schluckt fast noch Aston Martin

Im Rückblick hätte man den Wechsel schon eine Runde früher abwickeln können, meinte Teamchef Guenther Steiner. Doch es war so oder so ein Poker. "Als Russell auf Slicks ging, dachten wir, dass der ziemlich mutig war. Als wir den Schritt gewagt haben, glaubten wir, dass es sich nicht ausgeht. Wahrscheinlich wäre eine Runde früher auch möglich gewesen, aber hinterher bist du immer schlauer."

Hülkenberg hatte acht Runden Zeit, die bei Boxenstopp verlorenen 22 Sekunden aufzuholen. Es ist ihm praktisch gelungen. "Nico war eine Sekunde vor mir, als er an die Box gefahren ist. Und er lag eine Sekunde hinter mir im Ziel. Mit unserem Vorsprung auf Nico hat es sich gerade noch gelohnt, draußen zu bleiben. Wir hätten nichts gewonnen, wenn wir Reifen gewechselt hätten", berichtete Fernando Alonso.

Eine Runde mehr, und der Haas-Pilot hätte beide Aston Martin geschluckt. Er fuhr zwischen vier und sechs Sekunden pro Runde schneller als die Piloten, die bis zum Schluss auf Intermediates ausgeharrt hatten. Und im letzten Umlauf die schnellste Runde des ganzen Sprints.

Nico Hülkenberg - Haas - GP Österreich 2023 - Spielberg - Sprint
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Der Wechsel auf Mediumreifen zahlte sich für Hülkenberg aus.

Medium-Reifen die richtige Wahl

Hülkenberg bekam Medium-Reifen für den zweiten Teil seiner Reise. "Wir hatten sonst nur noch gebrauchte Softs. Und weil wir am Mittag im Shootout mit den Medium-Reifen schon gute Erfahrungen gemacht hatte, bot es sich an, ihn zu nehmen", begründete Steiner den Schritt.

Insgesamt entschlossen sich elf der 20 Fahrer zu einem Reifenwechsel. Aber nur für Hülkenberg und Russell zahlte sich der Coup aus. Beide wären ohne Stopp nie und nimmer in den Punkterängen gelandet. Drei WM-Punkte tun dem US-Rennstall gut. "Im Sprint sind sie fast noch wertvoller, weil es nur für acht Plätze Zähler gibt. Und das ist eine echte Leistung, weil normalerweise diese acht Plätze von den vier Topteams besetzt werden."