Junior-Programme in 2022er-Autos
Alter Silberpfeil für Supertalent Antonelli

Die Stammfahrer tragen mit 2024er Autos das Rennen um WM-Punkte aus. Der Nachwuchs testet im Verborgenen mit 2022er Modellen. Sechs der zehn Teams bereiten ihre Talente zum ersten Mal mit repräsentativen Autos vor. Auch Mercedes.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2022
Foto: Wilhelm

Viele Schlachten in der Formel 1 laufen im Verborgenen ab. Öffentlich sind nur der Kampf der Stammpiloten um WM-Punkte auf der Strecke, die Boxenstopps und die Rennstrategie. Das Wettrüsten in den Konstruktionsbüros und im Windkanal sehen nur Eingeweihte. Genauso unsichtbar sind die Anstrengungen der Finanzabteilung, das Geld möglichst effizient im Rahmen des Kostendeckels auszugeben. Wer da gut plant, hat am Ende mehr Upgrades.

Unter dem Radar läuft auch das Scouting junger Piloten und die Vorbereitung der Talente auf einen Einsatz in der höchsten Spielklasse. Die normale Standardkarriere vom Kart in die Formel 2 reicht nicht mehr aus. Formel-1-Autos sind so speziell, dass man sie nur lernen kann, wenn man mit ihnen fährt. Doch wegen der Testrestriktionen für aktuelle Fahrzeuge bleibt kaum Platz für Nachwuchsarbeit.

Unsere Highlights
Andrea Kimi Antonelli - Mercedes - 2023
Mercedes

Andrea Kimi Antonelli gilt als einer der Kandidaten für die Hamilton-Nachfolge bei Ferrari.

Tests mit alten Autos zählen nicht zum Budget

Die Formel 1 hat auch für dieses Problem eine Lösung gefunden. Das Reglement erlaubt Testfahrten mit Autos, die mindestens zwei Jahre alt sind. Und die Ausgaben dafür zählen noch nicht einmal zum Kostendeckel. Die sind nicht unerheblich. Wer ein extra Team aus 20 Mann bereitstellt und so wie Aston Martin mit Felipe Drugovich im letzten Jahr 20 Tage abspult, investiert rund sechs Millionen Dollar.

Zunächst kamen nur wenig auserwählte Junioren in den Genuss von Formel-1-Testfahrten. Die Zwei-Jahre-Regel bedeutete, dass in den vergangenen beiden Saisons nur mit Autos getestet werden durfte, die mit der aktuellen Groundeffect-Generation nicht vergleichbar war. Der Lerneffekt war deshalb beschränkt.

Seit diesem Jahr können die Teams 2022er-Autos einsetzen. Die sind deutlich repräsentativer für die Aufbauarbeit der jungen Löwen. Und sie helfen den Azubis, mehrere Formel-1-Strecken kennenzulernen. Deshalb werden sie auch immer populärer. In dieser Saison haben sechs Teams ein Programm mit den zwei Jahre alten Autos aufgelegt.

Charles Leclerc - Ferrari - Fiorano - 2023

Ferrari testet regelmäßig mit zwei Jahre alten Autos in Fiorano.

Formel 1 parallel mit Formel 2

Red Bull und Toro Rosso werden ein abgespecktes Programm mit Liam Lawson fahren. Der Umfang hängt noch davon ab, wie viele Kilometer Motorenpartner Honda freigibt. Mercedes bringt den W13 für sein Supertalent Andrea Kimi Antonelli an den Start. Der 17-jährige Italiener soll parallel zu seiner Formel-2-Saison ein intensives Formel-1-Programm abspulen.

Auch Ferrari hat ein junges Eisen im Feuer. Antonellis Formel-2-Teamkollege Oliver Bearman hat seinen Premieren-Test im Ferrari F1-75 in Barcelona schon hinter sich. Der 18-jährige Engländer soll auch noch in Mugello, Fiorano und auf anderen Strecken zum Einsatz kommen.

Aston Martin spult seine Test-Tournée mit dem AMR22 in diesem Jahr hauptsächlich mit Jak Crawford ab. Auch Drugovich erhält noch ein paar Kilometer, damit er nicht aus der Übung kommt. Bei Alpine teilen sich Jack Doohan, Victor Martins und Kush Maini mindestens zehn Testtermine im A522. Mick Schumacher darf übrigens nicht im alten Alpine testen. Das verbietet der Mercedes-Vertrag.

George Russell - Mercedes - Formel 1 - Test - Bahrain - 11. März 2022
xpb

Die 2022er-Groundeffect-Autos sind nun für private Testfahrten zugelassen.

Williams wartet bis 2025

McLaren beschäftigt einen ganzen Stall von Test- und Reservefahrern. Für Pat O‘Ward, Rio Hirakawa und Gabriel Bortoleto steht ein MCL36 von 2022 bereit. McLaren-Chef Zak Brown macht sogar Mick Schumacher Hoffnung: "Wenn Mick Kilometer braucht, um sich für einen Formel 1-Einsatz wieder vertraut zu machen, können wir ihm ein Auto anbieten. Wir arbeiten da eng mit Mercedes zusammen."

Williams wird erst 2025 in die Nachwuchsförderung einsteigen. Vom FW44 aus dem Jahr 2022 gibt es nicht mehr genügend Ersatzteile. Und man will sich nicht verzetteln. Momentan sind andere Programmpunkte bei der Renovierung des Rennstalls wichtiger.

Auch Sauber wartet noch ab. Ein Förderprogramm in großem Stil ist erst in der Audi-Ära ein Thema. Haas hat weder das Geld noch das Personal ein extra Testprogramm aufzulegen. Der US-Rennstall verlässt sich auf Ferrari. Die Youngtimer werden nicht nur dem Nachwuchs zur Verfügung stehen. Auch Stammpiloten können die 2022er-Autos nutzen, wenn sie in Übung bleiben wollen.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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