Hamilton enthüllt Wechsel-Details
Schumacher weckt Liebe zu Ferrari

Lewis Hamilton hat in Bahrain erstmals ausführlich über seine Beweggründe für den Wechsel zu Ferrari gesprochen. Der Traum von einer Karriere in Rot begann demnach bereits, als Michael Schumacher für die Scuderia Erfolge feierte.

Lewis Hamilton - Mercedes - Bahrain-Test 2024
Foto: Wilhelm

Für Mercedes ist es ein kleiner Marketing-Gau. Eigentlich hatte der schwäbische Autobauer mit Weltstar Lewis Hamilton den perfekten Markenbotschafter gefunden. Der Rekordsieger der Königsklasse schien dem Stern aus Stuttgart ewig verbunden – vom Kart bis auf den Formel-1-Olymp. Doch gerade als man glaubte, Hamilton würde seine Karriere bei den Silberpfeilen ausklingen lassen, kam der plötzliche Wechsel zu Ferrari.

Die Liebe war am Ende wohl doch nicht so groß, wie alle dachten. Der vereinbarte Zweijahres-Vertrag wurde dank einer Ausstiegsklausel auf nur zwölf Monate verkürzt. Sechs Monate nach der Unterschrift kam plötzlich der Sinneswandel. Zu den Beweggründen hörte man zunächst nur wenig vom Piloten selbst. Erst bei den Wintertests in Bahrain bekam die Presse die Gelegenheit, intensiver nachzufragen, warum der im Sommer geschlossene Deal überraschend aufgekündigt wurde.

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"Zum damaligen Zeitpunkt habe ich meine Zukunft noch bei Mercedes gesehen", verriet Hamilton. "Doch dann haben sich im neuen Jahr Möglichkeiten ergeben. Ich habe mich dann entschieden, sie beim Schopf zu packen. Das war die härteste Entscheidung, die ich je fällen musste. Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben. Aber am Ende schreibe ich meine eigene Geschichte. Und ich hatte das Gefühl, dass es Zeit für ein neues Kapitel ist."

Hamilton & Schumacher - GP Monaco 2012
Wilhelm

2013 hat Lewis Hamilton Michael Schumacher bei Mercedes beerbt. Der Respekt war wohl größer als gedacht.

Hamilton als Schumi im Rennspiel

Hamilton verriet außerdem, dass die Zuneigung zu Ferrari schon eine ganze Weile besteht. Schuld daran hatte auch ein deutscher Rennfahrer. "Wohl jeder Pilot hat in seiner Jugend die besten Jahre von Michael Schumacher mitverfolgt. Man fährt zum italienischen Grand Prix und sieht ein Meer von Ferrari-Fans. Da kommt große Ehrfurcht auf. Dieses Team hatte seit den Tagen von Michael nicht mehr viel Erfolg. Das habe ich als große Herausforderung gesehen."

Wenn es um die Idole von Hamilton ging, fiel bisher fast nur der Name von Ayrton Senna. Der Brasilianer ist auch der Grund dafür, dass der Brite mit einem gelben Helm antritt. Dass der Engländer auch Schumacher angehimmelt hat, kam nie so richtig zur Sprache. "Ich habe als Kind immer das Rennspiel Grand Prix 2 gespielt. Und dabei war ich immer Michael im Auto. Es ist also auf jeden Fall ein Traum von mir."

Hamilton verriet auch, dass er sich schon 2010 einen eigenen Ferrari in die Garage stellte. Der Straßensportler musste aber schnell wieder verkauft werden, als der ehemalige McLaren-Pilot 2013 zum richtigen Silberpfeil-Werksteam wechselte und dabei Michael Schumacher ersetzte. "Der Ferrari war ein Geschenk an mich selbst. Aber als Mercedes-Fahrer hätte das damals einfach nicht gut ausgesehen."

Frederic Vasseur & Lewis Hamilton - F1 2024
Motorsport Images

Endlich wieder vereint. Fred Vasseur überzeugte Hamilton vom Wechsel.

Lernt Hamilton italienisch?

Laut Hamilton hat beim Wechsel nicht nur die Liebe zum springenden Pferd eine Rolle gespielt, sondern auch Teamchef Fred Vasseur. "Wir hatten schon in der Formel 3 und der GP2 viel Erfolg zusammen. Damals haben wir die Basis für unsere enge Beziehung gelegt. Wir blieben immer in Kontakt. Ich wusste, dass er ein guter Teamchef sein würde, der irgendwann den Weg in die Formel 1 findet. Aber er war lange Zeit nicht daran interessiert."

Doch dann fanden die beiden Kumpel doch noch zusammen: "Es war cool, als ich gesehen habe, wie er zu Alfa gegangen ist. Und als er dann den Job bei Ferrari übernahm, habe ich mich richtig für ihn gefreut. Irgendwann standen die Sterne dann günstig. Ohne ihn wäre das nicht passiert. Ich bin gleichermaßen dankbar und begeistert von der Arbeit, die er dort abliefert."

Bei Ferrari erwartet Hamilton eine große Aufgabe. Erstes Ziel muss sein, das Team hinter sich zu versammeln und Charles Leclerc die Rolle als Platzhirsch abzujagen. Dabei helfen würde sicherlich, wenn der Neuzugang schnell italienisch sprechen könnte: "In all den Jahren habe ich es leider nicht geschafft, irgendwelche anderen Sprachen zu lernen", winkte Hamilton ab. "Ich werde es sicher versuchen. Als ich in Italien Kart gefahren bin, habe ich ein paar Sätze aufgeschnappt. Ich hoffe, dass ich die schnell wieder drauf bekomme."

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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