Startpunkt der Verstappen-Dominanz
Schicksalsrennen Baku – wie 2022

Die aktuelle Saison weist Parallelen mit der vergangenen auf. Max Verstappen gelang jeweils beim GP Aserbaidschan der Durchbruch. Was hat der Weltmeister an seinem Red Bull gefunden, das ihn inzwischen unschlagbar macht?

Max Verstappen - Red Bull - GP Niederlande 2023 - Zandvoort
Foto: Wilhelm

Es ist faszinierend und erschreckend zugleich. Selten hat die Formel 1 in ihrer Geschichte einen so dominanten Fahrer erlebt wie diesen Max Verstappen. Der Doppelweltmeister fährt auf einem eigenen Planeten, weit weg von der Konkurrenz. Ja, er sitzt im schnellsten Auto. Aber das hält auch Sergio Perez in den Händen, immerhin ein sechsmaliger Grand-Prix-Sieger. Und diesen Perez nimmt Verstappen nach allen Regeln der Kunst auseinander.

Von den bisherigen 13 Saisonrennen hat Verstappen deren elf gewonnen. Zuletzt neun am Stück. Bisher hat die Formel 1 in diesem Jahr 362 WM-Punkte ausgeschüttet. Dafür hätte man jedes Hauptrennen und jeden Sprint gewinnen und sich jeweils den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde sichern müssen. Verstappen hat 339 Punkte auf dem Konto, liegt also nur 23 Zähler von der Maximalausbeute weg. Das macht eine Quote von 93,64 Prozent.

Unsere Highlights
Max Verstappen - Red Bull - GP Niederlande 2023 - Zandvoort
Wilhelm

Max Verstappen feierte in Zandvoort seinen neunten Formel-1-Sieg in Serie.

Verstappens Durchbruch beim Setup

Bis Miami konnte Perez noch mithalten. Der Mexikaner siegte in zwei der ersten vier Rennen. Doch seit dem Rennen in den USA marschiert Verstappen unaufhaltsam von Sieg zu Sieg. Der Durchbruch in diesem Jahr gelang ihm ein Wochenende davor. Beim GP Aserbaidschan spielte Verstappen mehr als sonst mit seinem Red Bull und fand etwas, was ihn seither unschlagbar macht.

Warum ist Red Bulls Überflieger seit Miami so überlegen? Lassen wir es ihn selbst erklären: "Ich habe in Baku sehr viel darüber gelernt, was ich mit dem Auto anstellen muss. Wie ich es für meinen Geschmack einstellen muss. Ich habe sehr viele verschiedene Einstellungen ausprobiert, und mich mit den verschiedenen Werkzeugen auseinandergesetzt, die mir das Auto anbietet. Deshalb war ich im Rennen teilweise nicht konstant. Aber irgendwann kam der Punkt, als ich meinen Rhythmus fand, mit dem, was ich da gefunden hatte."

Die Außenwelt bekam davon nichts mit, weil Perez scheinbar souverän gewann. "Ich habe meine Reifen zu stark beschädigt. Deshalb konnte ich nichts mehr ausrichten", erinnert sich Verstappen, der seinen ersten Reifenwechsel zur falschen Zeit eingelegt hatte, die Spitze verlor und seinem Teamkollegen hinterherhechelte. "Aber schon da sagte ich mir: Ich habe etwas Interessantes für die kommenden Rennen entdeckt. Das habe ich im Grunde genommen an jedem folgenden Wochenende umgesetzt. Und es hat mir immer geholfen."

Verstappen - Perez - Red Bull - GP Niederlande 2023 - Zandvoort
Wilhelm

Sergio Perez siegte bei zwei der ersten vier Rennen. Seither sieht er fast nur noch die Auspuffrohre von Verstappens Red Bull.

Wie in Baku 2022

Es lassen sich Parallelen zur Vorsaison ziehen. Auch damals hatte es beim GP Aserbaidschan für ihn "Klick gemacht", wie Verstappen im Interview mit auto motor und sport am Saisonende 2022 ausführte. Damals war es eine Kombination aus drei Faktoren. Einerseits speckte sein Red Bull mehr und mehr ab. Andererseits passte sich Verstappen an, und die Ingenieure entwickelten das Auto für seine Vorlieben weiter. Der Niederländer liebt Über- und hasst Untersteuern.

Der Red Bull war zum Saisonstart 2022 mehr als 20 Kilogramm zu schwer gewesen. Das Übergewicht lastete hauptsächlich auf der Vorderachse, was den damaligen RB18 ins Untersteuern trieb. Ein Auto, das über die Vorderachse schiebt, ist leichter zu kontrollieren. Damit kann Verstappen weniger seine Vorteile ausspielen. Der Abstand zu Perez schrumpft. Gleichzeitig wächst er, sobald das Heck nicht mehr ganz so klebt, und es Verstappen als Waffe einsetzen kann.

Baku war 2022 das achte Saisonrennen. Verstappen gewann es und bis Saisonende elf von 15 Grand Prix. Pech für die Konkurrenz: In dieser Saison wurde der Titelverteidiger bereits ab dem vierten Rennen eins mit seinem Auto. Es mag wieder mit einem Umbau zusammenhängen. Zum GP Aserbaidschan hatte Red Bull das erste große Upgrade der 2023er-Saison geschnürt. Es umfasste umgebaute Seitenkasten-Einlässe sowie Modifikationen am äußersten Leitblech für die Venturi-Kanäle plus geänderte Unterboden-Kanten. Dieses Update brachte um die zwei Zehntelsekunden.

Verstappen & Alonso - Formel 1 - 2023
xpb

Fernando Alonso lobt Max Verstappen in den höchsten Tönen.

Alonso lobt Verstappen

Neun Siege in Folge – und es stellt sich die Frage, wie Verstappen überhaupt noch stürzen sollte. Die Konkurrenz kommt ihm nicht bei. Wie sehen die anderen Piloten Verstappens unheimliche Erfolgsserie? Fernando Alonso wurde dazu nach dem GP Niederlande gefragt. Der Spanier applaudiert dem Red-Bull-Star: "Es wird manchmal etwas unterschätzt, was Max leistet und erreicht. Auf so dominante Art zu gewinnen, ist in jedem professionellen Sport unheimlich schwer."

Vor allem die Konstanz sei beeindruckend. "In Zandvoort habe ich mich eins mit dem Auto gefühlt und lag bei 100 Prozent. In Spa oder Österreich war ich vielleicht nicht auf meinem höchsten Level. Man fühlt oft, dass es Spielraum für Verbesserungen gibt und man selbst nicht zu 100 Prozent mit sich zufrieden ist. Ich glaube, dass Max diese 100 Prozent öfter erreicht als wir anderen im Moment. Deshalb dominiert er."