McLaren wieder dritte Kraft
Lando Norris auf Podiumskurs

GP Australien 2024

McLaren ist wie schon in Jeddah die dritte Kraft im Feld. Klar hinter Red Bull und Ferrari, deutlich vor Mercedes und Aston Martin. Jetzt geht es daran, Schwachstellen abzuarbeiten.

Lando Norris - GP Australien 2024
Foto: xpb

Lando Norris fährt in diesem Jahr zwar noch dem ersten Podestplatz hinterher, doch der McLaren-Pilot ist trotzdem zufrieden. "Wenn ich unsere Situation mit der vor zwölf Monaten vergleiche, dann habe ich jetzt ein Lächeln im Gesicht."

Das wurde drei Stunden nach dem Ende der Qualifikation noch größer, als die Sportkommissare Sergio Perez um drei Startplätze zurückstuften, weil er Nico Hülkenberg behindert hatte. Damit rückte Norris auf den dritten Startplatz vor. Zusammen mit Oscar Piastri auf dem sechsten Rang ist die Ausgangsposition der beiden McLaren für den GP Australien exzellent.

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Vor einem Jahr brauchten die McLaren-Piloten ein Chaosrennen, um ihre ersten Punkte einzufahren. Diesmal mussten sie erklären, warum es für Red Bull und Ferrari nicht gereicht hat. "Red Bull liegt eine halbe Sekunde vor uns. Das ist keine Überraschung. Sie waren schon die Besten und hatten mehr Entwicklungszeit als alle anderen. Ferrari durfte man nicht so stark erwarten. Ihnen ist ein deutlicher Schritt gelungen."

Oscar Piastri - McLaren - Formel 1 - GP Australien - 23. März 2024
xpb

Oscar Piastri baute im Q3 ein paar Fehler zu viel ein.

Piastri mit Fehlern im Q3

Für den Moment hat sich McLaren im Kampf um den dritten Platz von Mercedes und Aston Martin freigeschwommen. Norris führt das hauptsächlich auf das Streckenlayout und den glatten Asphalt zurück. "Beides hilft uns." Und darauf, dass es ihm gelungen war, das Maximum aus seinem Auto herauszuholen. Im Gegensatz zu Charles Leclerc. "Er war das ganze Wochenende schneller als wir. Nur im entscheidenden Moment nicht."

Auch Teamkollege Piastri war mit seiner Leistung nicht hundertprozentig zufrieden. "Im Q1 und Q2 lief es gut. Dafür habe ich im Q3 zu viele Fehler gemacht. Wir hätten wahrscheinlich auch bei den Vorbereitungsrunden mehr herausholen können." Tatsächlich rangierte der Mann aus Melbourne in den ersten beiden Qualifikationssegmenten vor Norris, nur im Top-Ten-Finale 0,257 Sekunden zu verlieren.

Piastri unterstreicht die Einschätzung seines Stallrivalen: "Gegen Red Bull und Ferrari hilft uns nur ein Glücksfall oder eine extra starke Leistung. Dafür liegen wir ein gutes Stück vor Mercedes und Aston Martin. Das sollte uns im Rennen etwas Luft nach hinten geben." Der Australier erwartet einen Taktik-Krimi. "In Jeddah konnten wir von Anfang bis Ende Gas geben. Hier dreht sich alles darum, die Reifen zu managen. Keiner war bei den Longruns im zweiten Training happy."

Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Australien - 23. März 2024
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McLaren sieht beim Reifenverschleiß Vorteile gegenüber der Konkurrenz.

Reifenproblematik als Chance

Teamchef Andrea Stella erwartet ebenfalls eine Reifenschlacht, allerdings mit ganz anderen Herausforderungen als üblich. In Melbourne dreht sich alles darum, das Graining so weit wie möglich zu verhindern. Zieht es einmal den Gummi von der Lauffläche, sind diese Auflösungserscheinungen nicht mehr aufzuhalten. Je schlimmer es wird, desto höher ist der Verschleiß. Und das bestimmt dann das Boxenstopp-Timing.

Stella nennt drei Gründe für das Körnen: "Die weichen Reifenmischungen, die schnellen Kurven, die hohe Kräfte auf die Lauffläche ausüben, und der glatte Asphalt." Unter den Umständen muss man vor allem Highspeed-Rutscher vermeiden. Die könnten den Schälprozess auslösen.

McLaren hat mit seinem Auto einen Vorteil. Die Highspeed-Kurven liegen dem MCL38. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass bei den Longruns am Freitag nur Ferrari schneller war. Der Teamchef sieht in der Reifenproblematik einen Unterhaltungsfaktor für das Rennen und auch eine Chance. "Wer die Reifen besser im Fenster hält, wird profitieren."

Generell hat McLaren noch viel Arbeit vor sich, will man wieder aus eigener Kraft um Podestplätze fahren. "Unsere Schwächen liegen weiter in den lang gezogenen Kurven 3, 14 und 15 und auf den DRS-Geraden. Da die in Melbourne in der Minderzahl sind, stehen wir vergleichsweise besser da. Die Schwächen einfach nur abzustellen, bedeutet nicht, dass wir dann gleich Red Bull angreifen können. Es ist nicht so, dass wir etwas falsch gemacht hätten. Das Auto ist einfach nicht gut genug entwickelt, und das straft uns in gewissen Bereichen. Es ist ein Job von zwölf Monaten, das aufzuholen."