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Taktik-Fehler: Hätte McLaren gewinnen müssen?

Zwei Mal zu spät zum Boxenstopp
Hätte McLaren gewinnen müssen?

GP Kanada 2024

In der 24.Runde sah Lando Norris wie der sichere Sieger aus. Doch der Engländer verlor den GP Kanada, weil McLaren zwei Mal zu spät auf ein Safety-Car reagierte. Es war eine Mischung aus Pech und falschem Timing.

Lando Norris - Formel 1 - GP Kanada 2024
Foto: Motorsport Images

McLaren ist seit dem GP Miami ein Siegkandidat. Auf jeder Art Rennstrecke. Auch wenn es die letzten drei Mal immer nur zum zweiten Platz gereicht hat. Montreal war wieder so ein Rennen, das ein McLaren hätte gewinnen können. Mit etwas mehr Safety-Car-Fortune und einem glücklicheren Händchen beim Timing der Boxenstopps.

In der 24. Runde sah Lando Norris wie der sichere Sieger des GP Kanada aus. Der WM-Dritte war innerhalb von zwei Runden an George Russell und Max Verstappen vorbei vom dritten auf den ersten Platz gesprungen. Er hatte schon elf Sekunden Vorsprung auf Verstappen, als Logan Sargeant mit einem Dreher ein Safety-Car auslöste. "Zu dem Zeitpunkt haben wir geglaubt, dass das Rennen verloren ist", gibt Red-Bull-Teamchef Christian Horner zu.

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Ein Grund für die starke Form der McLaren im zweiten Teil des ersten Stints lag im Reifendruck. Bei nasser Fahrbahn funktionieren die Intermediates besser mit hohem Luftdruck. Wenn es abtrocknet, ist weniger Druck im Reifen von Vorteil. Deshalb hatten Red Bull und Mercedes ihre starke Phase am Anfang, als noch viel Wasser auf der Fahrbahn stand. Bei McLaren war es umgekehrt. Teamchef Andrea Stella lobte seine Fahrer: "Sie sind am Anfang sehr vorsichtig mit den Intermediates umgegangen, weil wir nicht wussten, wie lange wir mit ihnen fahren müssen."

Lando Norris - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Das Safety-Car fing Norris ein, während die Konkurrenz einen Gratis-Stopp absolvierte.

Eineinhalb Sekunden für eine Entscheidung

So glücklich die Neutralisation für Norris in Miami kam, so unglücklich war sie Montreal. "Lando hatte eineinhalb Sekunden Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Er war schon zu nah an der Boxeneinfahrt", nimmt Stella seinen Fahrer in Schutz. Wenn überhaupt, gibt er internen Prozeduren die Schuld. "Ein Safety-Car lag nach dem Dreher von Sargeant in der Luft. Wir hätten Lando sagen sollen, dass er auf jeden Fall an die Boxen kommen soll, wenn er das SC-Signal sieht."

So blieb Norris auf der Strecke und wurde in Kurve 4 von Bernd Mayländers Aston Martin Vantage eingefangen. Die Dreiviertel-Runde hinter dem Schrittmacherfahrzeug kostete den Spitzenreiter zehn Sekunden. Alle direkten Verfolger wickelten sofort ihren Boxenstopp ab. Als Norris eine Runde später an die Box kam, stürzte er um zwei Positionen ab und hatte Verstappen und Russell wieder vor der Nase.

Stella nennt noch einen zweiten Grund, warum Norris als Führender in der schlechtesten Position war eine Entscheidung zu treffen. "Wäre er reingekommen, hätten die anderen vielleicht das Gegenteil gemacht und wir hätten noch mehr Plätze verloren."

Mercedes und Red Bull dagegen versichern, dass ihre Fahrer auf jeden Fall an die Boxen gekommen wären. "Die Intermediates waren schon ziemlich runter, und es drohte noch eine zweite Regenphase. Wären wir sicher gewesen, dass es trocken bleibt, wären wir trotz Safety-Car auf der Strecke geblieben, um den besten Moment für Slicks abzupassen", erklärten die Mercedes-Strategen.

Lando Norris - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Nach dem Wechsel auf Slicks sah es kurz danach aus, als könne Norris an Verstappen vorbeigehen.

Eine Runde zu viel Overcut

Noch war die Schlacht für Norris nicht verloren. Im Gegensatz zum ersten Stint aber konnte Verstappen die 3,5 Sekunde-Lücke zu seinen Verfolgern halten. "Wir haben mit der Frontflügeleinstellung und dem Luftdruck reagiert und Max dadurch ein besseres Auto in die Hand gegeben", verrät Horner.

Ab Runde 40 begann die Strecke so weit abzutrocknen, dass die Slicks hervorgekramt wurden. Alpine machte mit Pierre Gasly den Anfang. Die Sektorzeiten des Franzosen waren für alle anderen ein Anhaltspunkt. Als Gasly schneller war als die Spitze, reagierten Mercedes, Red Bull und McLaren.

Der Zeitpunkt zum Wechsel auf Slicks war entscheidend. Red Bull traf ihn mit Verstappen genau auf den Punkt. Zwei Runden nach Lewis Hamilton, eine Runde nach Oscar Piastri. Das Problem war die Aufwärmzeit. Sie dauerte eine ganze Runde, weil auf dem ersten Streckensektor noch das meiste Wasser stand. Erst dann kam langsam Hitze in den Gummi. Deshalb versuchte McLaren mit Norris einen Overcut. Das war prinzipiell eine gute Entscheidung, doch der Kommandostand übertrieb es.

Schon in der 46. Runde hatte Norris mit 20,7 Sekunden Vorsprung das Boxenstoppfenster zu Verstappen. McLaren wollte es durch eine weitere Runde noch vergrößern, schoss sich aber ein Eigentor, weil die Medium-Reifen am Red Bull da schon mehr Grip hatten als die ausgelutschten Intermediates am McLaren mit der Nummer 4.

Norris fädelte sich als Zweiter hinter Verstappen wieder ein und gab am Ende der Runde auch noch eine Position an Russell ab. Seine Gegner hatten ihre Reifen schon auf Temperatur, während er noch mit dem Grip kämpfte.

Podium - Formel 1 - GP Kanada 2024
xpb

Zum dritten Mal in Folge landete ein McLaren-Pilot auf Rang zwei.

Piastri rettet Norris

Vier Runden später nutzte Norris einen Ausrutscher von Russell, sich den zweiten Platz zurückzuholen. Dass er ihn bis zur Zielflagge verteidigte, war für Stella eine Überraschung: "Die Mercedes waren auf trockener Strecke zwei Zehntel schneller als wir, und zum Schluss hatten sie auch noch frischere Reifen."

Norris konnte sich bei Oscar Piastri bedanken. Der Australier beschäftigte die Mercedes in seinem Windschatten neun Runden lang. Das verschaffte dem Teamkollegen genug Luft, um schließlich mit 0,438 Sekunden Vorsprung vor Russell über die Ziellinie zu gehen. "Ich bin mit meinem Rennen rundum zufrieden", zog Norris Bilanz. "Diesmal war ich im Pech mit dem Safety-Car, aber das war irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit mit Miami. Ich beklage mich nicht."

Der Teamchef wertete es als gutes Zeichen, dass man erneut siegfähig war. "Ohne das erste Safety-Car hätten wir es vielleicht geschafft. Lando hätte auf den Intermediates einen Vorsprung rausfahren können, der uns vor Red Bull und Mercedes geschützt hätte."