Mercedes schöpft Hoffnung
Ex-Weltmeister in der Aufbauphase

GP Japan 2024

Auf dem Papier war das Ergebnis des GP Japan aus der Sicht von Mercedes eine Enttäuschung. Doch die Ingenieure sehen endlich Licht am Ende des Tunnels. Eine neue Setup-Philosophie brachte dem W15 die erwünschte Stabilität.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - 6. April 2024
Foto: Motorsport Images

Siebter und Neunter: Das waren die Stammplätze von Mercedes. Am Samstag wie am Sonntag. Nur mit umgekehrten Vorzeichen. Im Rennen setzte sich George Russell vor Lewis Hamilton. Der vierfache Suzuka-Sieger verlor im ersten Stint nach zwölf Runden durch starkes Untersteuern unerklärlicherweise viel Zeit und offerierte selbst den internen Platztausch.

Im zweiten und dritten Stint fanden die Silberpfeile wieder zu ihrem Speed zurück. Vermutlich, weil es kühler wurde. Doch der Schaden war bereits angerichtet. Red Bull, Ferrari und Lando Norris verschwanden schnell am Horizont. Fernando Alonso erwies sich wie in Melbourne als unüberwindbares Hindernis. Den zweiten McLaren mit Piastri knackte Russell erst in der letzten Runde.

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Trotzdem konnte Mercedes mit acht WM-Punkten nicht zufrieden sein. Ein Podestplatz erscheint im Moment ein weit entferntes Ziel. Teamchef Toto Wolff wollte sich nicht damit entschuldigen, dass Suzuka schon im Vorjahr eine der schlechteren Strecken für den Mercedes war: "Wir müssen auf jeder Strecke schnell sein."

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Japan 2024
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Lewis Hamilton fühlte sich so wohl wie lange nicht im Auto.

Raus aus dem Teufelskreis

Wolff hat die neue Realität akzeptiert: "Im dritten Jahr mit diesen Autos müssen wir uns eingestehen, dass wir Probleme haben, den Anschluss zu finden. Wir befinden uns also in einer Aufbauphase." Die Ingenieure sind mittendrin, dem Teufelskreis zu entkommen, in dem die Datenwelt nicht mit der Wirklichkeit zusammenpasst.

Inzwischen geht es nicht mehr so sehr um die Korrelation zwischen Windkanal und Rennstrecke, sondern zwischen Rennstrecke und Rundenzeit. "Wir messen während der Fahrt um bis zu 70 Punkte mehr Abtrieb als im Vorjahr, aber die Stoppuhr zeigt es nicht. Und die Fahrer haben nicht das Gefühl, dass dieser Abtrieb bei ihnen ankommt."

Einmal haben die Techniker die schnellen Kurven im Verdacht, dann wieder die langsamen. Die Sprunghaftigkeit des Autos ist allen ein Rätsel. In Jeddah verlor Mercedes in drei schnellen Kurven eine halbe Sekunde. In Suzuka war Hamilton in den S-Kurven so schnell wie Max Verstappen. Upgrades machen wenig Sinn, wenn man diesem Irrgarten entkommen will. Die erste größere Entwicklungsstufe wird erst in Imola gezündet.

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Japan 2024
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Im Rennen musste Mercedes den Versuch des Einstoppers abbrechen.

Um 1,1 Sekunden schneller als im Vorjahr

Trotz des bescheidenen Resultats fährt Mercedes auch mit ein paar positiven Erkenntnissen nach Hause. Im Vergleich zum Vorjahr hat man sich auf eine Runde in Suzuka um 1,142 Sekunden gesteigert. Red Bull nur um 0,680, Ferrari um 0,860, McLaren um 0,969 und Aston Martin um 1,874 Sekunden.

Hamilton lobte am Samstag seinen Mercedes als das beste Auto, das er seit langem gefahren sei. Als ihm sein Renningenieur sagte, dass trotzdem eine halbe Sekunde auf Verstappen fehle, wollte es der Rekordsieger nicht glauben: "Mann, wo kommt denn diese halbe Sekunde her?" Wenn eine Zehntelsekunde den Vierten vom Neunten trennt, dann steht man in der Startaufstellung schnell mal am falschen Ende der Reihenfolge. Und bezahlt im Rennen mit Fahren im Verkehr.

Der GP Japan war für Mercedes ein Wochenende der Experimente. Eines scheint zumindest angeschlagen zu haben. Man will sich bei der Findung der Fahrzeugabstimmung zunächst um das mechanische Gleichgewicht kümmern, bevor man sich über die Aero-Balance Gedanken macht.

George Russell - GP Japan 2024
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Am Suzuka-Wochenende wurden viele Setup-Experimente durchgeführt. Die Ingenieure glauben, dass sie einen Schritt weitergekommen sind.

Mehr Schutz für das Heck

Damit soll das Problem bekämpft werden, dass die Reifen entweder zu unterschiedlichen Zeiten in das Arbeitsfenster kommen oder bei geringsten Temperaturschwankungen wieder rausfallen. Als Schwachpunkt des W15 wurde das Heck identifiziert. Die Hinterreifen haben zu schnell überhitzt. Deshalb wurde in Suzuka die Hinterachse mechanisch entlastet, die Vorderachse dafür mehr beansprucht, was zur Folge hatte, dass man die Anstellung des Frontflügels reduzieren konnte.

Mit dem gewählten Setup blieben die Rundenzeiten über das Wochenende einigermaßen konstant. Der Temperaturanstieg am Sonntag und der starke Rückenwind in den S-Kurven machte den Silberpfeilen diesmal weniger aus als sonst. Eine Patentlösung dafür ist trotzdem noch nicht gefunden.

Toto Wolff weiß, dass es wichtig ist, in den nächsten Rennen zu zeigen, dass man in der Lage ist, den Trend zu brechen. Mercedes ist für Verstappen nur interessant, wenn er dort die Chance sieht, 2025 Rennen zu gewinnen. "McLaren hat letztes Jahr die Wende geschafft, Ferrari dieses Jahr. Es ist also möglich. Ich glaube, wir haben das Team, um das auch zum Erfolg zu bringen."