Red-Bull-Gegner mit Fehlern
Mercedes setzt auf Renn-Setup

Charles Leclerc fuhr in der Qualifikation zum GP Bahrain die schnellste Runde. Nur zur falschen Zeit. Mercedes konnte die Freitags-Show nicht wiederholen. Weil man die Autos zu stark Richtung Rennen abgestimmt hat.

George Russell - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - 1. März 2024
Foto: xpb

Max Verstappen steht beim Saisonstart auf der Pole-Position. Nicht schon wieder, ist man geneigt zu sagen. Doch so überlegen, wie es 0,228 Sekunden auf Charles Leclerc und 0,306 Sekunden auf George Russell andeuten, ist es nicht. "Auf eine Runde haben wir Gegner, die uns schlagen können", gab Sportchef Helmut Marko zu. Diesmal noch nicht. Red Bull und sein Weltmeister schafften es im entscheidenden Moment, wieder mal voll auf Ballhöhe zu sein. Die Gegner waren es nicht.

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Charles Leclerc fuhr seine schnellste Runde im Q2. Die Zeit von 1.29,165 Minuten hätte für die Pole-Position gereicht. "Für die Bestzeit in Q2 können wir uns nichts kaufen", bedauerte Teamchef Frédéric Vasseur. Zwei Dinge bremsten Leclerc, als es um die besten Startplätze ging.

Er hatte für das Q3 nur noch einen frischen Reifensatz. Den ersten Versuch musste er mit einer Garnitur fahren, die eine halbe Aufwärmrunde auf der Lauffläche aus dem Q1 hatte. "Der Sprung von frischen Reifen im Q2 auf angefahrene im Q3, wieder zurück zu neuen am Ende hat mich etwas aus dem Rhythmus gebracht", gestand Leclerc.

Leclerc & Russell - Formel 1 - GP Bahrain - 1. März 2024
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Mercedes baute vor dem Qualifying das Setup um.

Zu viel Samstags-Zeit geopfert

Im finalen Versuch passte dann die Outlap nicht. "Wir sind in den Verkehr geraten, was uns wegen der ständig fallenden Temperaturen viel gekostet hat", ärgerte sich Vasseur. Leclerc verlor den Großteil der Zeit im ersten Sektor. Da half es auch nichts mehr, dass er den Mittelsektor beherrscht hat. Die zwei Zehntel Rückstand schleppte er bis zu Ziellinie mit.

Ferrari kann trotzdem zufrieden sein. Der SF-24 war im zweiten und dritten Streckenabschnitt schneller als der Red Bull. "Auf eine Runde liegen wir auf dem Niveau von Red Bull", traut sich Vasseur zu sagen. Auf die Distanz macht der Titelverteidiger noch den besseren Eindruck. "Aber auch da haben wir aufgeholt. Nach dem Rennen wissen wir wie viel."

Mercedes opferte seine Chance auf einen Platz in der ersten Startreihe. An beiden Autos wurde im Vergleich zum Freitag das Setup umgebaut, um die Reifen besser zu schonen und nicht Gefahr zu laufen, die Planke zu stark abzunutzen. "Wir haben eine Balance gewählt, die weniger aggressiv für die Reifen war. Außerdem waren wir am Freitag eine Spur zu tief. Mit der Erfahrung von Austin im Rücken wollten wir kein Risiko eingehen", erklärte Teamchef Toto Wolff.

Der Mercedes W15 so neu, dass die Ingenieure noch ihre Erfahrungen sammeln müssen. Wolff räumt ein, dass man es mit der Sorge um die Reifenabnutzung übertrieben hatte. "Wir hätten ein Auto haben können, das am Samstag gegen Max besteht, aber dann hätten wir den Sonntag opfern müssen. Dabei sind wir fast einen Schritt zu weit gegangen."

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Bahrain - 1. März 2024
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Ferrari hatte die Pace für die Pole Position.

Halbe Sekunde trennt Red-Bull-Verfolger

Bei der Suche nach der perfekten Abstimmung schlugen Lewis Hamilton und George Russell getrennte Wege ein. Das machte auf der Uhr einen Unterschied von 0,225 Sekunden aus. "Nach dem Training sind wir mit dem Setup in verschiedene Richtungen gegangen. George nach links, ich nach rechts. Rechts war leider nicht die richtige Richtung. Dadurch haben wir auf eine Runde mehr Zeit verloren als gewünscht", erklärte Hamilton.

Seine Ingenieure machen ihm Hoffnung. Der Longrun im dritten Training war trotz deutlich höherer Temperaturen besser als der am Freitagabend. Einziges Problem: Hamilton hat sieben Autos vor seiner Nase. Russell nur Verstappen und Leclerc.

Die Teamchefs von Ferrari und Mercedes atmen aber auf. Sie haben wieder ein Auto, auf dem man aufbauen kann, das den Fahrern Vertrauen gibt und den Ingenieuren eine Plattform, die auf Setup-Änderungen logisch reagiert. "Max liegt zwei Zehntel vorne. Der Rest in den Top Ten liegt innerhalb einer halben Sekunde", rechnet Wolff vor.

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