Feuer unterm Mercedes-Dach
Halbe Sekunde Verlust in drei Kurven

GP Saudi-Arabien 2024

Mercedes-Teamchef Toto Wolff war sauer, Lewis Hamilton frustriert. In Jeddah verloren die Mercedes ihre gesamte Zeit in den schnellen Kurven. Das Problem mit dem instabilen Heck verfolgt das Team nun schon seit drei Jahren.

Lewis Hamilton - GP Saudi-Arabien 2024
Foto: Motosport Images

Mercedes kommt einfach nicht in die Spur. Immer, wenn man glaubt, das Problem wäre erkannt und die Lösung auf einem gute Weg, wirft die Realität den früheren Abonnement-Weltmeister wieder einen Schritt zurück. Teamchef Toto Wolff wollte die Plätze sechs und neun für George Russell und Lewis Hamilton nicht schönreden: "Das war kein guter Tag für uns. Es gibt immer noch zu viele Fragezeichen."

Dann ging der Österreicher ins Detail: "Wir sind überall gut, bis auf die schnellen Kurven. In drei Kurven geht uns eine halbe Sekunde verloren. Wir haben alles versucht, das abzustellen, aber es hat nichts genutzt. Wir drehen uns immer noch im Kreis." Das hört sich an wie ein Briefing der beiden Jahre davor. Und genau das macht Wolff so sauer.

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Auch Lewis Hamilton wirkte ratlos: "Wir sind sehr gut in langsamen Kurven und ordentlich in mittelschnellen. Aber in den schnellen Kurven fahren wir im Vergleich zu unseren Gegnern in einer anderen Kategorie. Es ist jetzt das dritte Jahr in Folge, dass wir an diesem Problem zu kauen haben. Das frustriert. Wir brauchen jetzt große Veränderungen." Der Druck auf die Ingenieure wächst.

Lewis Hamilton - GP Saudi-Arabien 2024
xpb

Hamilton wartete lange auf ein Safety-Car, das aber niemals kam.

Großer Heckflügel bringt keine Abhilfe

Die GPS-Analyse deckt auf, wo genau die Mercedes den Rückwärtsgang einlegen. Es beginnt mit der Kurvenfolge 5/6, setzt sich fort in 7/8 und endet in Kurve 10. Diese Kurven liegen in einem Bereich von 220 bis 260 km/h, werden im sechsten und siebten Gang gefahren. Das superschnelle Geschlängel auf der gegenüberliegenden Seite der Strecke zählt nicht dazu. "Das sind eigentlich Geraden, die für alle voll gehen", erklärt ein Ingenieur.

Mercedes versuchte im Training mit einem größeren Heckflügel Abhilfe zu schaffen, doch das machte in Bezug auf die schnellen Kurven keinen Unterschied. Man schenkte dadurch nur Speed auf den Geraden her, und das war an diesem Wochenende die einzige Stärke der Silberpfeile.

Es war mehr eine Frage der Fahrzeugbalance als des Abtriebs. Die Fahrer beklagten wieder einmal ein instabiles Heck und Bouncing. Im Technikbüro hat man den Verdacht, dass alles mit der Fahrzeughöhe zu tun hat. Der Mercedes reagiert stärker als andere Autos auf Änderungen der Bodenfreiheit. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel. "Wir können nur versuchen, aus den Erkenntnissen der ersten beiden Rennen zu lernen, um irgendwann die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen", bilanziert Wolff.

Lewis Hamilton - GP Saudi-Arabien 2024
Wilhelm

Der Frust unter dem gelben Rennhelm wird immer größer. Mercedes macht zu wenige Fortschritte.

Risiko bei der Strategie

Die Startplätze sieben und acht bestimmten die Strategie der Mercedes-Piloten. Es war schnell klar, dass der gute Top-Speed keine große Hilfe war, um nach vorne zu kommen. George Russell hing 40 Runden lang zwischen einer und zwei Sekunden hinter Fernando Alonso, kam aber nie in Schlagdistanz zu dem Aston Martin. Alonso zehrte jeweils vom Vorsprung, den er im ersten Sektor auf Russell herausfuhr. Hamilton ging es ähnlich mit Lando Norris.

Das frühe Safety-Car in der siebten Runde gab dem Kommandostand die Möglichkeit, die Taktik zu splitten. Russell holte sich wie 13 andere Fahrer harte Reifen ab. Hamilton blieb auf den Medium-Reifen in der Hoffnung auf eine zweite Neutralisation auf der Strecke oder gar einen Rennabbruch. Beides kam nicht.

Um ein Haar hätten sogar beide Mercedes-Fahrer auf den Boxenstopp verzichtet: "Wir haben George gesagt, dass er das Gegenteil von Norris machen soll. Wäre Norris an die Box gekommen, hätten wir auch George draußen gehalten", verrät der Chefstratege des Teams. Angst, dass die harten Reifen 43 Runden nicht durchstehen würden, hatte man nicht. "Die hätten bei uns zwei Renndistanzen gehalten."

Hamilton musste im letzten Renndrittel noch an die Box. Er bekam Soft-Reifen mit auf die Reise. Sein Gegner Norris aber auch. Idealerweise hätte man noch länger gewartet als bis zur 36. Runde, doch Hamilton meldete, dass ihm die Hinterreifen immer mehr wegschmierten. Der lange Kampf mit Oscar Piastri hatte seinen Preis. Obwohl es am Ende nur zum neunten Platz reichte, würden es die Strategen wieder tun. "In unserer Situation kannst du nur pokern."