24h Le Mans und WEC gespickt mit Ex-F1-Piloten
Das sind Mick Schumachers Gegner

Mick Schumacher will 2024 mit Alpine die WEC und die 24 Stunden von Le Mans aufmischen. Doch im Starterfeld tummeln sich viele Spitzenfahrer, die es zu schlagen gilt. Auf der Langstrecke trifft der Mercedes-Testpilot auf einige bekannte Formel-1-Gesichter. Und vielleicht startet in Zukunft auch Max Verstappen in Le Mans.

Mick Schumacher - Alpine - WEC - 2023
Foto: Alpine

Ein Jahr saß Mick Schumacher auf der Ersatzbank von Mercedes. Ein Jahr konnte der Sohn des Rekordweltmeisters Michael Schumacher keine Rad-an-Rad-Zweikämpfe führen. Nach seinem Aus bei Haas Ende 2022 fand der Deutsche kein F1-Cockpit für die abgelaufene Saison. Auch für 2024 ging der ehemalige Ferrari-Junior leer aus. Jetzt hat der 24-Jährige wieder einen Grund zum Lachen: Kommende Saison tritt Schumacher für Alpine in der Langstreckenweltmeisterschaft (WEC) und bei ihrem Klassiker, den 24 Stunden von Le Mans, an.

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Die Motorsport-Welt wird mit Argusaugen auf den Mercedes-Ersatzpiloten schauen und verfolgen, was er im LMDh-Alpine leisten kann. Gemeinsam mit dem F1-Renner der Saison 2024 präsentiert Alpine den A424 am 7. Februar in England. Gute Leistungen könnten ihn wieder in die Nähe eines Formel-1-Cockpits spülen. Schumachers erster Test verlief vielversprechend. Doch aufgepasst: Das WEC-Fahrerfeld wimmelt voller Spitzenpiloten.

F1-Power für Toyota

Vor allem Toyota setzt auf die Erfahrung ehemaliger F1-Fahrer. Gleich vier an der Zahl pilotieren die zwei Hypercars der Japaner. Kamui Kobayashi – mittlerweile fahrender Teamchef – und Nyck de Vries nehmen im Auto mit der Nummer 7 Platz, das sie sich mit Mike Conway teilen. Der Japaner im Trio zählt zu den schnellsten Piloten im Feld und fuhr einst für Toyota, Sauber und Caterham in der Königsklasse.

Das Gastspiel von de Vries in der Formel 1 währte nur kurz. Nach zehn Rennen verlor der Niederländer 2023 sein Cockpit bei Alpha Tauri an Daniel Ricciardo. Wie Schumacher versucht sich der Formel-E-Weltmeister von 2021 nun auf der Langstrecke. Conway schaffte nie den Sprung in die Formel 1. Über den Testfahrer-Job bei Honda kam der Brite nicht hinaus. Conway gewann 2021 mit José María López und Kamui Kobayashi die 24h von Le Mans.

Den 8er-Toyota lenken Brendon Hartley, Sébastien Buemi und Ryo Hirakawa. Hartley startete 2017 und 2018 insgesamt 25 Mal für Toro Rosso in der Formel 1. Der Neuseeländer gewann viermal (2015, 2017, 2022 und 2023) den WEC-Titel – 2015 mit dem Porsche 919 Hybrid. Zwei Jahre später siegte er mit Porsche das erste Mal bei den 24h von Le Mans und ließ mit Toyota 2020 und 2022 zwei weitere Triumphe folgen.

Toyota GR010 Hybrid - Kamui Kobayashi - Le Mans 2023 - Hyperpole
Motorsport Images

Kamui Kobayashi fährt seit 2016 für Toyota in Le Mans. 2019 und 2020 feierte er den Gesamtsieg.

Buemi und Hartley führen zweiten Toyota an

Sébastien Buemi teilte sich bei beiden Erfolgen mit Hartley das Auto. Der Schweizer gilt als einer der besten Langstreckenpiloten im Feld. Buemi war ebenfalls für Toro Rosso in der Formel 1 aktiv. Er startete von 2009 bis 2011 für Red Bulls B-Team. Seit 2012 nahm er an jeder Le-Mans-Ausgabe teil und kann vier Gesamtsiege zu seiner Vita zählen. Vor den Triumphen mit Hartley gewann Buemi gemeinsam mit Fernando Alonso und dem Ex-Williams-Fahrer Kazuki Nakajima 2018 und 2019 den Klassiker an der Sarthe. Zudem feierte er 2014, 2018/19, 2022 und 2023 den WM-Titel in der WEC.

Ryo Hirakawas Vita liest sich schneller als die seiner Teamkollegen. Der Japaner startete bisher zwei Mal für Toyota in Le Mans und gewann sein Werks-Debüt 2022. Hirakawa blieb bei der Jubiläums-Ausgabe 2023 im Gedächtnis, als er auf der Jagd nach dem führenden Ferrari anderthalb Stunden vor Rennende die Kontrolle über seinen Toyota GR010 verlor und sich in die Leitplanken drehte. Damit besiegelte er Ferraris Sieg und Platz zwei des 8er-Toyotas.

Toyota - 24h-Rennen Le Mans - 2022
Toyota

Sébastien Buemi, Brendon Hartley und Ryo Hirakawa gewannen 2022 die 24h von Le Mans.

Ferrari mit Giovinazzi, Fuoco und Kubica

Die Rückkehr Ferraris in die Topklasse von Le Mans begeisterte 2023 Fans und Experten. Und die Italiener lieferten ab – auch dank einer günstigen BOP. Alessandro Pier Guidi, James Calado und Antonio Giovinazzi siegten im Auto mit der 51. Erstgenannter absolvierte Test- und Entwicklungsarbeit für das Hypercar und war zuvor in der GTE-Klasse mit dem 488 positiv auffällig geworden.

James Calado war bei jedem Auftritt Pier Guidis in Le Mans dessen Teamkollege. Der Brite war kurzzeitig Testfahrer für Force India in der Formel 1, konzentrierte sich später jedoch auf die Langstrecke. Der Dritte im Bunde hat einen höheren Bekanntheitsgrad als Pier Guidi und Calado. Antonio Giovinazzi war insgesamt drei Jahre lang in der Königsklasse aktiv und fuhr von 2019 bis 2021 für Alfa-Sauber. Der ehemalige Ferrari-Junior bekam von seinen Förderern einen Platz beim Schweizer Team. Nach einem Formel-E-Intermezzo siegte er 2023 bei den 24h von Le Mans.

Ferrari 499P - Le Mans 2023 - Rennen
Motorsport Images

Ferrari triumphierte 2023 beim Comeback in der Top-Klasse bei den 24h von Le Mans.

Drei Ferrari 499P für Le Mans 2024

Das Auto mit der Nummer 50 steuern Antonio Fuoco, Miguel Molina und Nicklas Nielsen. Fuoco stellte den Ferrari 499P vergangenes Jahr auf die Pole Position. Der Italiener war wie sein Landsmann Giovinazzi einst selbst Ferrari-Junior. Miguel Molina fuhr vor seiner Langstreckenkarriere sieben Jahre am Stück in der DTM. Der Spanier war von 2010 bis 2016 für Audi in der Rennserie unterwegs.

Nicklas Nielsen startete vor 2023 bereits drei Mal in Le Mans. 2020 und 2021 steuerte er einen GTE-Ferrari, ehe er 2022 mit Einsatzteam AF Corse einen LMP2-Oreca um den Kurs bewegte. Für 2024 schickt Ferrari einen weiteren werksunterstützten 499P an die Sarthe und auf Weltreise. Robert Kubica nimmt in dem Neuzugang Platz. Der Ex-F1-Pilot teilt sich den Wagen mit Ferrari-Junior Robert Shwartzman und dem Chinesen Yifei Ye.

Ferrari 499P - Antonio Fuoco - Le Mans 2023 - Hyperpole
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Antonio Fuoco fuhr 2023 den Ferrari 499P in Le Mans auf die Pole Position.

Jenson Button sitzt im Porsche 963

Der bekannteste Name bei Porsche fährt einen 963 des Jota-Teams. Jenson Button gewann 2009 mit Brawn GP die Formel-1-Weltmeisterschaft und erzielte 15 F1-Siege. Der Engländer ist einer von drei Porsche-Piloten mit F1-Renneinsätzen. Will Stevens pilotiert den zweiten Jota-Porsche und André Lotterer sitzt im Werksauto mit der Nummer 6. Lotterer gewann mit Audi insgesamt drei Mal die 24h von Le Mans. Callum Ilott kann als Teamkollege von Will Stevens mehrere Formel-1-Testfahrten vorweisen.

Porsche füllt seinen eigenen Werkskader mit erfahrenen Langstreckenpiloten wie Laurens Vanthoor, Frédéric Makowiecki oder Kévin Estre auf. Die Schwaben stehen nach der durchwachsenen Debütsaison mit dem LMDh-Renner unter Druck. Der 20. Gesamtsieg soll her.

Jenson Button - NASCAR - 2023
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Jenson Button sitzt 2024 in Le Mans im Jota-Porsche. Der Brite krönte sich 2009 mit Brawn GP zum Formel-1-Weltmeister.

Peugeot setzt auf F1-Erfahrung

Druck verspürt auch Peugeot. Die Franzosen verzockten sich mit dem heckflügellosen 9X8 und stellen ihr Design für die neue Saison ab Imola auf eine konventionelle Lösung mit einer frei stehenden Platte um. Die Fahrertrios verfügen über geballte Formel-1-Erfahrung. Jean-Éric Vergne, Stoffel Vandoorne und Paul di Resta steuern Frankreichs Hoffnung. Vergne teilt sich die 93 mit Mikkel Jensen und Nico Müller. Loïc Duval gesellt sich bei der Nummer 94 zu Vandoorne und di Resta.

Das Debüt des Lamborghini SC63 wird dieses Jahr mit besonderer Spannung erwartet. Die Italiener meldeten bis jetzt ein LMDh-Auto für den 24h-Klassiker an. In der #63 sitzen Mirko Bortolotti, Edoardo Mortara und Daniil Kvyat. Die beiden erstgenannten machten sich vor allem in der DTM einen Namen. Mortara war auch in der Formel E siegreich. Kvyat galt eins als großes F1-Talent. Der ehemalige Red-Bull-Junior erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen jedoch nicht. Nach seinem Le-Mans-Debüt 2023 im LMP2-Oreca des Prema-Teams startet der Russe nun erstmals in der Top-Klasse.

Peugeot 9X8 - Startnummer 94 - Le Mans 2023
xpb

Peugeot schickt 2024 seinen 9X8 mit Heckflügel nach Le Mans. Das Debüt des Updates wird für Imola anvisiert.

BMW und Cadillac ohne F1-Stars

Im Gegensatz zur Konkurrenz schenken BMW und Cadillac Piloten ohne F1-Vergangenheit ihr Vertrauen. Das muss aber nichts heißen. Das Line-up von BMW liest sich wie ein Who-is-Who der GT- und Langstreckenszene. Raffaele Marciello, Dries Vanthoor, Marco Wittmann im LMDh-Renner mit der 15 und Robin Frijns, René Rast sowie Sheldon van der Linde im Auto mit der 20 sind Meister ihres Fachs.

Cadillac landete 2023 beim Le-Mans-Debüt ihres LMDh-Prototyps auf dem dritten Platz. Earl Bamber, Alex Lynn und Richard Westbrook steuerten den Caddy mit der Nummer 2. Bamber siegte bereits zwei Mal mit Porsche (2015 und 2017) in Le Mans. Mit seinem WEC-Titel von 2017 ist er der renommierteste Fahrer im Cadillac-Line-up.

Falls die US-Amerikaner einen zweiten Caddy über den Teich schicken, dürfte mit Sébastien Bourdais ein gebürtiger Sohn Le Mans' wieder am Start stehen. Bourdais fuhr knapp zwei Jahre für Toro Rosso in der Formel 1 (2008 und 2009). Zuvor gewann er vier Mal in Serie die Champcar-Meisterschaft in den USA.

Fernando Alonso - Max Verstappen - Aston Martin - Red Bull - GP Miami 2023 - Miami - Formel 1
xpb

Gemeinsame Le-Mans-Pläne? Max Verstappen will in Zukunft beim 24-Stunden-Klassiker starten. Der zweimalige Sieger Fernando Alonso würde sich mit dem F1-Weltmeister ein Auto teilen.

Verstappen in Le Mans?

Das Niveau in der WEC und in Le Mans ist hoch. Mick Schumacher wird sich gegen die starken Gegner beweisen müssen. Gelingt das dem Deutschen, könnte er in Zukunft auch wieder in einem Formel-1-Renner sitzen – oder er findet sein Glück dauerhaft auf der Langstrecke.

Prominente Vorreiter gibt es genügend. Den umgekehrten Weg schlug sein berühmter Vater ein. Michael Schumacher startete 1991 in Le Mans und wurde im Sauber-Mercedes Fünfter. Die Formel-1-Karriere des damaligen Mercedes-Juniors begann wenige Monate später in Belgien.

Sogar der Formel-1-Dominator der letzten Jahre liebäugelt mit einem Einsatz bei den 24h von Le Mans. Max Verstappen bekundete bereits sein Interesse, irgendwann mal beim Klassiker starten zu wollen. Der Niederländer sprach bereits mit dem zweimaligen Le-Mans-Sieger und Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso über seinen Wunsch. Mit Verstappen als Teamkollegen würde der Spanier nochmal an die Sarthe zurückkehren.

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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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