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Monte Carlos spezielle Rennen: Verstappen will Kopfkissen

Monte Carlos spezielle Rennen
Verstappen wünscht sich ein Kopfkissen

GP Monaco 2024

Der GP Monaco begann mit einem Knalleffekt, der dem Rennen die Spannung raubte. Fast alle Fahrer fuhren absichtlich langsam. Das ging so weit, dass Max Verstappen sich ein Kopfkissen wünschte.

Lando Norris - McLaren - Formel 1 - GP Monaco - 26. Mai 2024
Foto: Motorsport Images

Monte Carlo hat seine eigenen Gesetze. Das beginnt schon damit, dass der Samstag wichtiger ist als der Sonntag. Und es hört damit auf, dass im Rennen die Taktik wichtiger ist als der Speed. Wer gewinnen will, bummelt, um im Feld keine Lücken für Undercuts aufreißen zu lassen. Wer pokern muss, hält mit seinem ersten Reifensatz bis zum Schluss durch. In der Hoffnung, ein Lucky Punch offeriert einem einen Gratis-Boxenstopp. So wie Zak O‘Sullivan in der Formel 2.

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Beim Grand Prix kam alles ganz anders. Ein furchterregender Crash zwischen Sergio Perez und den Haas-Piloten in der ersten Runde bereicherte das geschichtsträchtige Rennen um eine weitere Rennstory, die niemand auf dem Schirm hatte. Es wurde ein Grand Prix mit nur sechs Überholmanövern und sieben Boxenstopps. Die rote Flagge befreite alle Teilnehmer von dem Pflicht-Boxenstopp. Alle wechselten in der Pause auf den entgegengesetzten Reifentyp.

Ein Geschenk für das Spitzenquartett

Damit stellte sich für alle die Strategie um. Wer wie das Spitzenquartett nun auf den harten Reifen statt auf den Medium-Gummis startete, konnte sich sicher sein, dass sie das Rennen zu Ende fahren würden. Es war rückblickend ein Geschenk. "Der C3-Reifen schafft zwei Renndistanzen", erklärte Pirelli-Sportchef Mario Isola schon vor dem Start.

Kevin Magnussen - Haas - Formel 1 - GP Monaco - 26. Mai 2024
xpb

Die Unterbrechung war für einige ein Strategie-Geschenk.

Die Medium-Starter mussten vorsichtiger sein. "Wir hatten die Medium-Reifen mit 50 Runden auf der Rechnung", erklärten die Mercedes-Strategen. Damit war das Rennen für George Russell, Max Verstappen und Lewis Hamilton eigentlich schon gelaufen. Der Rennabbruch machte für sie aus dem geplanten offensiven Rennen einen Grand Prix in der Defensive. Sie mussten mit der mittleren Mischung irgendwie über die Runden kommen, weil Yuki Tsunoda und Alexander Albon in ihrem Rücken auf den harten Sohlen wieder den Luxus hatten, die verbleibenden 76 Runden Tempo zu machen.

Leclerc drei bis vier Sekunden zu langsam

Das führte zu einem eigenartigen Rennverlauf. Charles Leclerc bestimmte den Speed für Oscar Piastri, Carlos Sainz und Lando Norris. Der Spitzenreiter hatte kein Interesse daran, das Tempo hoch zu halten, um für seine Verfolger keine Lücke zu reißen, die einen Undercut erlaubt hätte. Also wurde gebummelt. Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur verriet: "Charles hätte drei bis vier Sekunden schneller fahren können."

Russell, der den zweiten Pulk anführte, wollte sehr zum Ärger von Verstappen und Hamilton auch nicht schnell fahren. Damit hätte er nur riskiert, dass die Medium-Reifen zu früh in die Knie gehen. "Wir hätten gegen die Top 4 sowieso nichts ausrichten können, egal ob wir fünf oder 15 Sekunden hinter ihnen liegen", hieß es am Mercedes-Kommandostand. Verstappen meldete sich nach 28 Runden frustriert am Funk: "Ich hätte mir ein Kopfkissen mitnehmen sollen. So langsam wird hier gefahren."

Mercedes gibt Hamilton falschen Befehl

Nur einmal musste der Weltmeister hellwach sein. Mercedes plante mit Hamilton den Undercut. Er funktionierte nicht, weil der Renningenieur den dreifachen Monaco-Sieger anwies, eine normale OUT-Runde zu fahren statt ans Limit zu gehen. Das Kommando hätte "Critical OUT-Lap" heißen müssen.

So blieb Verstappen nach seinem Boxenstopp vor dem Mercedes. Es war auch nicht ganz verständlich warum Hamilton erst in der 51. Runde bis auf 1,5 Sekunden auf den Red Bull aufschloss. Es zeichnete sich schon 15 Runden vorher ab, dass das Boxenstoppfenster zu Tsunoda aufgehen würde.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Monaco - 26. Mai 2024
xpb

Lewis Hamiltons Stopp lief nicht ganz nach Plan.

Tsunoda hatte es ebenfalls nicht übertrieben eilig. Der Toro Rosso-Pilot kontrollierte die Lücke zu den Aston Martin, um Albon und Gasly nicht die Gelegenheit eines vorgezogenen Reifenwechsels zu geben. Aston Martin informierte daraufhin Fernando Alonso seinem Teamkollegen Lance Stroll einen freien Boxenstopp zu verschaffen.

Alonso hilft Stroll

Der Spanier brachte Ricciardo, Sargeant, Bottas und Zhou in seinem Rücken mit einer Schleichfahrt zur Verzweiflung. Die Taktik zahlte sich nicht aus. Stroll musste wegen eines Reifenschadens ein zweites Mal an die Box. Als die Arbeit getan war, zog Alonso seine Rundenzeiten um zwei Sekunden an.

So war am Ende Langsamfahren für alle ein Gebot. "Die Formel 2 muss schneller gewesen sein als wir. Es war das langsamste Rennen, das ich je gefahren bin", scherzte Oscar Piastri. Nur ein SafetyCar hätte die Prozession auflösen können. Doch bei dem Tempo waren Unfälle eher unwahrscheinlich. Außer, dass einer der Piloten einschläft. Norris und Alonso wäre das fast passiert. Sie schafften es immerhin, die Leitplanken zu berühren.